Anleitung zum Entlieben

06.05.2007 um 20:28 Uhr

Dilettantendrama oder Schlüsselszene

von: Lapared

Manchmal guckt man ja so auf sein Leben zurück und fragt sich... was hätte ich besser anders gemacht? Ganz anders.

Und je nach persönlicher Situation beantwortet jeder das völlig unterschiedlich. Das Spektrum reicht von einem zerknirschten „Ich hätte besser einem anderen Spermium kurz vor der Eizelle den Vortritt gelassen und wäre nie auf diese Welt gekommen“ bei Menschen, die in der Regel gerade auf einem Fenstersims oder einer Brücke stehen, bis hin zu einem kleinen, mit bedeutsamem Lächeln vorgetragenen „Nichts“ bei Menschen, die beispielsweise gerade ihre große Liebe – oder was sie für die nächsten zwei, drei Wochen dafür halten werden - getroffen haben. „Nichts“, denn alles - alles! - was sie in ihrem Leben so zu verantworten haben (sogar der versehentlich umgemähte Radfahrer damals, der ihrem Gewissen schon eine Zeit lang zu schaffen machte), ALLES hat sie ja letztlich dorthin geführt, wo sie jetzt sind: an die Seite ihres neuen Lieblings, ins Reich der Glückseligkeit. Dem bedeutsamen kleinen „Nichts“ folgt dann meistens noch eine ganze Reihe von Sätzen, die mit „Hätte“ beginnen. Hätte ich damals nicht Dieses, hätte ich wenig später auch nicht Jenes, und dann hätte ich auch mit Sicherheit nie Das und Das... Weibliche Exemplare dieser Kategorie der Nichts-Bedauerer schließen eine solche Litanei auch sehr gern mit der Bemerkung: "Es ist alles zu irgendwas gut", oder trösten an anderer Stelle eine hochschwangere Freundin, deren Typ plötzlich verschwunden ist, mit: "Wer weiß wofür´s gut ist." Ich liebe diesen Satz. Ich liebe diese Frauen. Worauf will ich eigentlich hinaus?

Heute sah ich also so zurück und fragte mich... was hätte ich anders gemacht? Und das Erste, was mir spontan einfiel war: Ich hätte meine Tasche weggeschlossen. Ich kam gerade aus dem Pool und stellte fest, dass sie nicht mehr da war.

Was arbeitet da oben bloß für ein Aushilfsdramaturg... Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen, beim Fernsehen wäre der längst gefeuert. Wie lange ist es her, dass mir das Portemonnaie bei Penny geklaut wurde? Einen Monat? Sechs Wochen? Na, immerhin waren diesmal keine Ausweise und Kreditkarten dabei, nur Sonnencreme, 5 Euro Schnuckergeld, meine Sonnenbrille, mein trockener Bikini, mein T-Shirt, meine Jeans, mein Fahrradschlüssel, mein Haustürschlüssel... Irgendwas stimmt gerade nicht. Irgendwie ist im Moment der Wurm drin. Mein ganzes Leben lang ist mir so was nicht passiert, und jetzt gleich zwei Mal hintereinander.

Das einzige, was mir jetzt noch fehlt, ist, dass ich auch so eine dieser Frauen werde, die blöde lächelnd sagen: Es ist alles zu irgendwas gut. Um dann zum Beweis meine eigene kleine Geschichte anzubringen: Hätte man mir die Schlüsseln nicht geklaut, hätte ich keinen Schlüsseldienst gebraucht. Hätte man mir kurz davor nicht auch das Portemonnaie geklaut, hätte ich das Geld für eine Monteurstunde plus Wochenendzuschlag vielleicht übrig gehabt... und so weiter, und so fort.

Hätte das Leben nicht manchmal so eine Dilettantendramaturgie, säße ich jetzt an meinem eigenen Rechner und nicht an dem von WE. Ich hätte nicht diesen schrecklichen schwarzen Jogginganzug von ihm an. Ich hätte seinen Vorschlag, den Zweitschlüssel, den ich bei Frau D. deponiert habe, zu holen, nicht angenommen. Und auch nicht das Angebot, heute bei ihm zu schlafen, weil Frau D. erst morgen aus dem Urlaub kommt.

Wer weiß, wofür´s gut ist.

06.05.2007 um 14:38 Uhr

Villa Curd Rock

von: Lapared

Heute Morgem bim ich eim bisschem die Elbchaussee emtlang gefahrem. Emdlich habe ich eim standesgemäßes Immobilie für mich gefumden. Ich habe gleich alles umter Dach umd Fach gebracht.

"Hallo Häuschem", habe ich gesagt...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Hallo Häuschem, Du darfst Dich als meim Eigemtum betrachtem!"

 

 

 

 

 

Pool, Häuschem, Chauffeur... Ich demk, man kann sagem... ich habe geschafft.