Anleitung zum Entlieben

31.07.2007 um 22:55 Uhr

Verständnisvolle Worte einer erfahrenen Freundin

von: Lapared

Eine liebe ehemalige Kollegin, die mir die Freude macht, mein Blog zu lesen, schrieb mir nach dem gestrigen Eintrag eine Mail. Auch sie ist mit einem deutlich jüngeren Mann zusammen, und das schon seit einigen Jahren. Nun schickte sie mir die folgenden verständnisvollen Worte, die mich so berührt haben, dass ich sie hier zitieren möchte:

Liebe Lpunk,

ich weiß genau, was Du meinst.

Ich kenne sie, diese „Phase, in der man versucht, stets attraktiv zu sein und den anderen nicht merken zu lassen, dass man verdaut.“

Es ist diese anstrengende Phase, in der man älter ist als er ;)

Im Ernst: Es dauert ja immer ein bisschen, bis man mit einem Mann erst mal ganz entspannt ist. Und bei einem jüngeren Mann dauert es noch
ein bisschen länger – aber glaub mir, es kommt mit der Zeit, ich trage Beißschiene UND verdaue. Halt durch!

Deine ALTE Kollegin
B.


Liebe B.,

Wow! Du bist mein groooßes Vorbild.

Von dieser Stelle:

Besten Dank



P.S. Noch nichts Neues vom Verlag…

30.07.2007 um 21:57 Uhr

Beißschienen - das kommende Sexspielzeug?

von: Lapared

Es ist ja nicht so, als würden einem die eigenen Zähne beim Sex zugucken. Als würde das Gebiss im Wasserglas auf dem Nachttisch stehen und rhytmisch mitklappern, wenn es im Bett zur Sache geht. So gesehen ist meine kleines dentales Handicap wirklich geringfügig. Vernachlässigenswert. Trotzdem…

„Sexy ist das ja nicht gerade…“ sage ich bei der Anprobe meiner neuen Beißschiene.

„Ach, musst Du nicht immer tragen“, sagt meine Zahnärztin, „vor Sex nimmst Du raus, nach Sex nimmst Du rein.“

„Nach Sex ist vor Sex, sagt man hier bei uns“, erwidere ich und lächle mich mit meiner Beißschiene im Handspiegel an. Ein bisschen gequält.

„Aaaah, bist Du noch nicht lange mit Deinem Mann zusammen!!!“ Meine Zahnärztin lacht donnernd und tätschelt mir den Arm.

Ich spreche mehr zu mir selbst als zu ihr. „Wir sind noch in der Phase, wo man versucht, stets attraktiv zu sein und den anderen nicht merken zu lassen, dass man verdaut. Zumindest ich.“

„Ah, ist Beißscheine noch peinlich vor neuem Mann, das verstehe ich, dann musst Du anders machen!

Ich nehme meine Beißschiene raus, ich bin ganz Ohr.

„Sagst Du Mann, dass er nachts mit Zähnen knirscht.“

Hm.

„Dann schickt Du zu mir, kriegt er auch eine - wirst sehen, dann ist nicht mehr peinlich, dann ist sexy!“

Und einmal mehr hat meine kluge Zahnärztin eine gleichermaßen pragmatische wie unkonventionelle Lösung gefunden, die alle Beteiligten zufrieden macht. Oder sie zumindest nicht schädigt. Schaden kann eine Beißschiene nämlich nie...

P.S. Meine Lektorin ist einverstanden, ich kann mir noch 2 Jahre Zeit lassen. Nein, Unsinn, sie meldet sich morgen...

 

29.07.2007 um 20:28 Uhr

Kleine Ärsche und große Wellen

von: Lapared

Hamburg ist ja eine Stadt des Sports.

Mit der Olympiade hat es nicht geklappt, dafür war heute große Arschbombenmeisterschaft. In meinem Bad! Und – quasi unvermeidlich – war es arschvoll. Dabei hatte ich so gehofft, im Regen dort mal meine Ruhe zu haben… Blöde Ärsche.

Interessant jedoch: Einer der Stars am Set trug allerhöchstens Hosengröße 30. Zumindest habe ich gelernt, dass auch ein kleines Gesäß große Wellen schlagen kann. Mit der richtigen Technik.

In diesem Sinne, einen schönen Abend und einen guten Start in die Woche.

P.S. Morgen soll ich ja eigentlich den 1. Entwurf abliefern. Das wird aber nix, ich brauch noch so ein, zwei Jahre. Und nicht nur die Lektorin wartet, auch WE trommel mit den Fingerchen, wir wollten doch Urlaub machen. Irgendwie habe ich die Technik des Buchschreibens noch nicht raus...

29.07.2007 um 15:53 Uhr

Aroma absehbar

von: Lapared

Liebe Milliömchem... NA???

 Was fällt Euch am mir auf???

 Neim, bezaubermd war ich doch immer, guckt genau!

 T U R M S C H U H E ! ! !

 Im Turmschuh werdem meim Füßchem sicher …

 …ihr herrliches Aroma wieder neu entfaltem, höm.

28.07.2007 um 22:14 Uhr

Fiktion vs. Ficktion

von: Lapared

Es ist ja dann doch nie ganz vom Tisch. Und wenn, dann liegt es irgendwo und schwelt so vor sich hin. Ich meine, die Sache neulich zwischen WE und mir. Meine Eifersucht auf seine Ex und seine – wie sich herausstellte – Eifersucht auf meine Arbeit. Die war nämlich der Grund, warum er nicht angerufen hat. Warum er mich nach meinem Ausrutscher erst mal schön zwei Tage hat schmoren lassen.

Und nun kochte das Ganz wieder hoch. Und gipfelte schließlich in folgendem kleinen Dialog, ausgelöst dadurch, dass es einmal mehr ein Film war, der mich zum Heulen brachte: „Emmas Glück“. Genauer gesagt die Stelle, als Bäuerin Emma dem vertrauensvollen Schwein in ihrem Armen eine Geschichte erzählt, bevor sie ihm den Hals aufschlitzt...

WE: „Bei so was heulst Du.“
Ich: „Ist ja auch traurig…“
WE: „Es ist ein Film.“
Ich: „Ja, ein trauriger Film…“
WE: „So eine ausgedachte Geschichte berührt Dich mehr als ein Zeitungsbericht über hungernde Kinder…“
Ich: „Pooeehhh... Ich weiß nicht, also, wenn ich die Kinder sehen müsste…“
WE: „Eben, aber da guckst Du lieber nicht hin.“
Ich: „Ja, das stimmt…“
WE: „Vielleicht solltest Du mal ein bisschen mehr in der Realität leben, meine Süße.“
Ich: „Ja, vielleicht... Guck, das arme Schwein! Guck doch, wie entsetzt es aussieht, kommt angewackelt, denkt es wird gekrault, und sie schneidet ihm die Kehle durch! Oh nein…“
WE: „Bei mir lässt Du Dich auch kaum blicken, immer nur Dein Buch, Du pflegst Deine Beziehungen mehr auf dem Papier als im echten Leben.“
Ich: „WE, hör bitte auf, jetzt bin ich doch da.“
WE: „Ja, Du bist da. Und wolltest einen Film gucken! Ich sag ja, die Fiktion fasziniert Dich mehr als die Realität!“

Fasziniert von der Realität stelle ich den DVD-Spieler aus.

Ich: „Ja, mich fasziniert die Fiktion. Und Dich, mein lieber Schatz, fasziniert etwas anderes ganz außerordentlich: Nicht Fiktion, sondern Ficken! Entschuldige bitte, dass ich darauf nicht schon wieder Lust hatte. Dass ich Deinen originellen Vorschlag, das Programm der letzten zwei Tage zu wiederholen, nicht umgehend aufgegriffen habe! In Wahrheit geht es hier doch gar nicht um die hungernden Kinder, es geht um Deinen Schwanz!“

Das mag ich wiederum an ihm, das liebe ich an ihm, er grinst. ER GRINST.

WE: „Und könntest Du Dir vorstellen, ihn später aufzugreifen, meinen… Vorschlag?“

Ich stelle den DVD-Player wieder an.

„Später. Jetzt will ich erst den Film zu ende sehen.“

Am Ende stirbt Jürgen Vogel übrigens auf dieselbe Weise wie das Schwein. In Emmas Armen. Geliebt und einer traurigen Bestimmung folgend, ohne dabei unnötig lang zu leiden.

Schöner Film. 

28.07.2007 um 10:20 Uhr

Emdlich geklärt: die Nasemfrage

von: Lapared

Dierser Duft, dieses Aroma…

 UMWERFEND!

 ERHEBEMD!

 Ich demke...

 ...ich werde Socke zu meim neu Nase machen!

27.07.2007 um 20:40 Uhr

Neue Bettgeschichten

von: Lapared

Einmal mehr führte eine zerbrochene Krone mich zu meiner neuen Freundin, der von weit zugereisten Zahnärztin.

„Das war neue Krone!" sagt sie, "Gute Krone! Du hast kaputt gemacht, Du knirscht mit Zähnen nachts!“

Wenn sie es sagt.

„Das darf nicht, das ist schlecht für Kiefer, Du kriegst Beißschiene von mir.“

Ich kannte mal einen Hund…

„Hat Dein Mann denn nicht gemerkt? Der muss doch hören! Und das stört ihn doch bei Schlaf?“

WE stört es grundsätzlich nicht, wenn ich im Bett Geräusche mache.

„Du hast Stress! Du musst entspannen, Lpunkt, RELAX!!“

Das ist meine Absicht, wenn ich schlafe. Meine Zähne haben scheinbar andere Pläne.

„Kommst Du Montag, kriegst Du Schiene! Schiene musst Du anziehen zum Schlafen.“

Das meinte WE sicher, als er sagte, ich solle im Bett ruhig mal was Krankes tragen.

„Am Anfang schmeckt nach Plastik…“

Wie so vieles im Bett.

„…aber später schmeckt nach nichts.“

Geschmacklos mag WE auch ganz gern.

„Also, Mund auf! Ich Abdruck mache.“

Ja, ja, drück ab. Ist mir ein Vergnügen. HMPF.

Kurzum: Wir sehen neuen aufregenden Bettgeschichten entgegen.

27.07.2007 um 11:07 Uhr

Couchweiße Söckchem

von: Lapared

Diese neuem couchweißem Söckchem simd...

   S C H E I S S E ! ! !

 SO muss eim Socke aussehen!

 Ich finde meim eigem Füße auf Couch nicht wieder!

 Curds Füßchem simd völlig verschwumden, quasi!!!

 Ah, doch nicht, ich riieeeche sie... Hallo Füßchem!

26.07.2007 um 23:07 Uhr

Klavierspielen ohne Noten

von: Lapared

Habe ich eigentlich mal erzählt, dass ich sechs Jahre Klavierunterricht durchgestanden habe, ohne Noten lesen zu können? Zumindest die unten nicht, die für die linke Hand. Und rechts kannte ich auch nur die ersten sieben Noten neben der Mitte vom Klavier. Ich orientierte mich nämlich am Schlüsselloch. Ich wusste, dass Noten, die weit oben in der Notenlinie standen, auf der Tastatur weit weg waren vom Schlüsselloch des Klaviers, Noten weiter unten hingegen, waren eher schlüssellochnah zu suchen. So war es rechts, links funktionierte es umgekehrt. Links war sowieso alles komplizierter.

Nachdem ich die Noten mithilfe der Schlüssellochtechnik grob geortet hatte, erfolgte die Feinbestimmung nach Gehör. Ich wusste ja, was am Ende rauskommen sollte, meine Schwester hatte auch Klavierunterricht und spielte dieselben Stücke, Soladatenmarsch, Für Elise usw.… Das gewünschte klangliche Endresultat hatte ich im Ohr. Probleme gab es eigentlich nur ein Mal, als bei einem Eltern-Vorspiel das bereit gestellte Klavier nicht abschließbar war.

Warum ich das alles erzähle… Es ist wieder der alte Fehler. Wenn ich etwas will - Klavierspielen, Tapezieren, ein Buch schreiben… - versäume ich manchmal, mir vorher bestimmte handwerkliche Dinge anzueignen, die das Ganze dramatisch erleichtern können. Ich nehme mir nicht die Zeit. Ich will ganz schnell ans Ziel. Ich lege einfach los. Und mache mir mit meinen unkonventionellen Vorgehensweisen manchmal das Leben schwer.

Als ich anfing, das Buch zu schreiben, wäre es zum Beispiel sinnvoll gewesen, mal eine Musterseite anzulegen, vertragsgerecht formatiert, um immer zu wissen, wie viel ich schon habe und wie viel ich noch muss. Aber nein, mit solchen Formalien hält Lpunkt sich nicht auf. Sie verlässt sich einfach auf ihr Gefühl. Geht davon aus, dass eine Seite bei ihr wohl so etwa zwei Seiten im Manuskript ergeben werden - und stellt jetzt fest, dass dem nicht so ist. Und dass ihr noch 50 Seiten fehlen. 50 Seiten!!! Das sind ungefähr 15.000 Worte!!! Circa 90.0000 Zeichen !!! (Als Erstes werde ich alle Ausrufezeichen verdreifachen). Das ist nicht weiter schlimm, mehr geht immer, aber es wäre einfacher gewesen, hätte ich es vorher gewusst.

Soviel zum Buch. Und was WE betrifft, WE, der Mann, mit dem ich gerade lebe und der eigentlich viel wichtiger ist, als die Männer, über die ich schreibe…

Das Problem war zum Glück relativ schnell aus der Welt. Und es brauchte nicht mal besonders viele Worte, jedenfalls deutlich unter 15.000. Aber das erzähle ich morgen. Er wartet nämlich, höm...

25.07.2007 um 20:25 Uhr

Gar nicht komisch

von: Lapared

Ulrich Mühe ist gestorben, das ist gar nicht komisch, ich erlaube mir trotzdem, darauf hinzuweisen.

Ulrich Mühe ist der Mann, der die Hauptrolle in „Das Leben des Anderen" spielte, den einsamen Stasimann. Beim Film habe ich geheult wie ein Schlosshund, und jetzt, über Ulrich Mühes Tod, bin ich auch sehr traurig, obwohl es „nur“ die Realität ist, in der ich ihn ja gar nicht kannte. Irgendwie komisch ist das doch, lustig nicht.

Jedenfalls werde ich mir den Film heute Abend wohl noch mal ansehen, auf dem Stepper wie üblich, und sicher wieder heulen und wütend in die Pedale treten, nur 54 Jahre, so eine Schweinerei.

Und manchmal – das klingt jetzt wieder scheiße – tut es ja auch ganz gut zu heulen, wann kommt man schon dazu, wo doch immer so viel zu tun ist, wo man doch immer so doll damit zu tun hat, witzig zu sein.

In diesem Sinne…

Schönen traurigen Videoabend, allerseits.

24.07.2007 um 22:05 Uhr

Neue Gefahr für Hamburgs Autos?

von: Lapared

Schön ist außerdem nicht, wenn man (ich) - gepackt von blankem Entsetzen über den vielleicht etwas zu zynischen Ton, das vielleicht etwas zu zackige Tempo, den vielleicht etwas zu bissigen Humor, den man da auf den ersten Seiten seiner neuen Existenzgrundlage verbreitet hat - spontan alles stehen und liegen lässt, um sich mal kurz an die breite, trostspendende Schulter seines Lebensabschnittspartners zu werfen, ohne Voranmeldung. Und wenn man (ich) dann feststellen muss, dass die Schulter momentan belegt ist. Von Mrs. „Irgendwie liebe ich sie noch, aber ich will nicht mehr mit ihr zusammen sein“. Bitte anstellen!

„Julias Vater ist gestorben“, kommentierte WE die etwas unglückliche Situation.

„Oh!“ sagte ich, ein weiterer Beweis meiner verbalen Brillanz. Und zu ihr: „Herzliches Beileid!“ Immer die passenden Worte, die Frau Autorin. Und abschließend zu WE: „Und Dir viel Spaß beim Trösten.“ Zynisch, zackig, bissig. Brillant!

Ich hab dann auf dem Absatz kehrt gemacht und bin wieder gefahren. Kaum zuhause, war ich dann nicht nur wegen der Tonalität meines Buchanfangs verunsichert, sondern auch wegen des verbalen Kleinods, das ich meinem Liebsten soeben an den Kopf geschmettert hatte.

War das angemessen? Ich meine… es ist ja nicht so, dass ich die beiden - wie man so sagt - in Flagranti erwischt hätte. Alles in allem wirkte die Situation durchaus gesittet. Zumal ich vorher geschellt hatte. Und so kann man es ja auch sehen: Seine frühere Freundin hat ihren Vater verloren, das ist schrecklich. In ihrem Kummer, der - wenn ich von mir ausgehe - endlos sein muss, hat sie die vertraute Nähe eines Freundes gesucht. So sollte man es vielleicht sehen. Und ich habe wieder mal nur die unpassendsten Worte dafür.

Also habe ich WE eine SMS geschrieben und mich entschuldigt. Obwohl ich mir – das gebe ich zu - bei meinen Reueempfinden momentan ebenso unsicher bin, wie mit den ersten Seiten.

Bestimmt habe ich überreagiert, bestimmt ist alles „rein freundschaftlich“, bestimmt habe ich mich in widerwärtiger Weise ins Unrecht gesetzt, ich, mit meinem chronisch schwächelnden Enddreißigerinnen-Ego, das eben nicht robust genug ist für einen jüngerer Mann. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht vögeln sie sich ja vereint in Trauer die Seele aus dem Leib - oder hätten es zumindest, wenn ich nicht plötzlich uneingeladen in das Trauerkränzchen geplatzt wäre. Und vielleicht wäre es ja auch von WEs Seite die angemessenere Reaktion gewesen, seine Ex-Freundin mal kurz in ihrer Trauer allein zu lassen, um seiner Jetzt-Freundin hinterher zu sprinten und ihr ein paar beruhigende Worte zu spenden. Oder wenigstens anzurufen.

Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Aber ich will es nicht wissen, ich will mich jetzt nicht damit befassen, das läuft mir ja nicht weg. Das sicher nicht.

Ach, was für ein Theater, mir ist gar nicht gut, gar nicht. Zum Glück gibt es ja bewährte Mittel der Ablenkung. Nein, ich peile nicht wieder die 3 Promille an. Hamburgs Auto sind sicher. Zurück an die Arbeit.

P.S. Und noch ein Drama: Curd Rock - zurück aus dem Strandkorb - hat eine Socke verloren.

23.07.2007 um 22:01 Uhr

Aus aktuellem Anlass

von: Lapared

Heute erreichte mich die Mails eines Freundes. Er schreibt:

Liebe Lpunkt, gerade entdeckte ich folgende Nachricht bei »Spiegel online«:


Betrunkene demoliert 14 parkende Autos


Hamburg - In Hamburg setzte sich eine Frau mit 3,16 Promille ans Steuer - und es krachte. Ihre Irrfahrt unter Alkoholeinfluss dauerte nur wenige Minuten. Das reichte jedoch aus, um erhebliche Sachschäden anzurichten.

Passanten wurden in der Nacht auf die Frau aufmerksam, die in der Hamburger Innenstadt unterwegs war. In einer Straße stieß die Frau auf einer Länge von etwa 150 Metern gegen auf beiden Seiten geparkte Fahrzeuge. Als sie sich festgefahren hatte und zu Fuß fliehen wollte, wurde sie von Passanten gestellt. Der Alkoholtest ergab einen Wert von 3,16 Promille. Der Schaden an den Autos beträgt nach Aussage der Polizei rund 20.000 Euro
.

Mann, Mann, Mann... Reiß Dich mal zusammen, Lpunk, ist doch nicht mehr lang!

Weiter „Frohes Schaffen“ wünscht

Uli

Ich erlaube mir, statt eines ordentlichen Eintrags, meine Antwort einzustellen:

Lieber Uli (und alle, die sich sonst vielleicht schon Sorgen machen),

es geht mir gut, soweit.

Natürlich ist es nicht schön, was mir da die letzten Tage "widerfahren" ist. Wenn man sich gerade am Ende seines kleinen Werkes wähnt, um dann beim Lesen festzustellen, dass der Anfang Kacke ist. Der Anfang, genauer gesagt, die ersten 100 Seiten! Da kann man schon mal ziemlich durstig werden, zudem: Die Straßen hier in Hamburg sind wirklich schmal!

Und ich wette, wenn ich den Anfang neu geschrieben habe, passt das Ende wieder nicht dazu. Aber dann wird die Lektorin mich hoffentlich beruhigen und sagen, dass sowohl Anfang UND Ende toll sind, fabelhaft! Nur die 200 Seiten in der Mitte nicht.

Aber so ist es nun mal, das „Schaffen“, froh ist man wahrscheinlich nur, wen es irgendwann geschafft ist, auf irgendeine Art.

In diesem Sinne, lieber Uli (und alle... s.o.)

Weitermachen!

P.S. Liebe Grüße von Curd Rock an seine Milliömchen. Er arbeitet intensivst an einer neuen, schönen, tiefbraunen Nase. Er hat sich nämlich für die Variante „Strandkorb“ entschieden. Die Neuerfindung, findet er, kann warten. „Immer Eims nach Amdern!“

15.07.2007 um 15:45 Uhr

Noch eim kleime Pause

von: Lapared

Milliömchen werdem sich fragem, was Curd Rock im nächsten Tagen macht. Wird er...

 zu neuem Gipfelm der Kumst aufbrechem?

 Oder Opas Muse? Seim neues Lieblimgsmotiv?

 Macht er eim Praktikun in Gewächshaus?

 Oder pfegt er eim bisschem Sozialkomtakte?

 Umterzieht er sich eim schmerzhaft Nasem-OP?

 Oder sitzt er eimfach irgemdwo alleim in Strandkorb?

Milliömchem werdem es erfahrem - nach eim... KLEIME PAUSE.

14.07.2007 um 21:29 Uhr

Atompilzsoße

von: Lapared

Eines meiner frühen traumatischen schulischen Erlebnisse war... mein erster Schultag. Eine Unverschämtheit. Eingesperrt mit 30 Unbekannten. Diese Gute-Laune Maschine da vorne, Frau Borkenhagen. Singen sollten wir, singen! Und draußen warteten meine diversen Projekte. Die Umleitung des Muggelbachs. Die Erschließung des Pader-Wäldchens. Die Ersteigung des Pflaumenbaums im Garten unserer Nachbarin Frau Westermann. Singen! Ich hatte keine Zeit für diese Kindereien. Aber genug davon, das wollte ich ja gar nicht erzählen.

Eines meiner späteren traumatischen schulischen Erlebnisse war... ein Aufsatz. Eigentlich war jeder Aufsatz traumatisch, weil ich mich ja ungern mit Förmlichkeiten wie Rechtschreibung oder Zeichensetzung aufhielt, was mir jedes Mal eine Menge Ärger einbrachte. Aber dieser Aufsatz war besondern traumatisch. Eine sogenannte Phantasiegeschichte. Es galt, sechs vorgegebene Begriffe in einer frei erfundenen Geschichte miteinander in Verbindung zu bringen. Ich weiß sie heute noch, die sechs Begriffe: Zwerg, Pilz, Wiese, Kuh, Freundschaft, Festmahl. Also, keine besonders anspruchsvolle Sache, eigentlich.

Alle anderen in meiner Klasse schrieben sofort los, die Story drängte sich ja auch förmlich auf: Ein Zwerg, der unter einem Pilz auf einer Wiese wohnt. Eine Kuh, die ebenfalls auf der Wiese wohnt und den Pilz frisst. (Der Zwerg folglich obdachlos.) Die Kuh spürt ihre soziale Verantwortung und gewährt dem Zwerg Asyl (im Stall, wo sonst). Dies war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die endete, als der Zwerg nach einem besonders üppigen Festmahl, bei dem die Kuh etwas Falsches gegessen hatte, von einem unkontrolliert herausschießenden Kuhfladen erschlagen wurde. In etwa so. Lag ja nahe.

Aber das Naheliegende war für Klein-Lpunkt natürlich keine Option. Das Naheliegende reizte sie noch nie. Mein Zwerg wohnte auf dem Mond, der Pilz war ein riesiger Atom-Pilz, den er eines Tages auf dem Nachbarplaneten Erde erspähte (nach einer Kernwaffenexplosion) und den der Zwerg haben wollte, weil er gerne Schnitzel mit Pilzrahmsoße aß. Aber um zur Erde und zum Pilz zu gelangen, brauchte der Zwerg erstmal ein Raumschiff. Und für diese Raumschiff brauchte er eine Kruh (ich dachte, auf einen Buchstaben käme es nicht an)...

Kurzum, ich ersann eine Geschichte, die von vornherein als Trilogie angelegt war, und die ich unmöglich in einer einzigen Schulstunde beenden konnte. Mein Werk wurde mir unter dem Füllfederhalter weggerissen, noch bevor der Zwerg überhaupt die Frage geklärt hatte, wer während seiner reisebedingten Abwesenheit auf der Mond-Wiese Rasen mäht. (Festmahl und Freundschaft waren für das eher klassisch-heitere Ende im letzten Teil der Trilogie vorgesehen.)

Die Lehrerin, immer noch Frau Borkenhagen, rief meine Eltern an. Man machte sich ernstlich Sorgen. Diesmal nicht nur wegen der Rechtschreibfehler, die natürlich auch in diesem Aufsatz explodiert waren, atombombenmäßig.

Eigentlich sollte ich eine Sechs bekommen, eine Sechs! Aber das war meinen Lehrer-Eltern schrecklich peinlich, das konnten sie nicht zulassen, deshalb plädierten sie auf vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit ihrer Tochter und ich durfte den Aufsatz gleich am nächsten Tag noch mal schreiben. (Im Lehrerzimmer, unter den wachsamen Augen des gesamten Kollegiums und eines ernst blickenden Mannes, den ich zuvor noch nie gesehen hatte.)

Ich erkannte, dass es besser war, ein bisschen konventioneller vorzugehen. Und einfach das zu schreiben, was offensichtlich alle von mir erwarteten: die Geschichte von dem obdachlosen Zwerg, der unter einer befreundeten Kuh mit Durchfall tragisch zu Tode kommt. Ich behielt Recht, prompt bekam ich eine Drei, Banausen...

Ach ja, aber warum erzähle ich das alles, warum wohl...?

Meine Lektorin ist jung und hübsch und erinnert im Grunde in Nichts an Frau Borkenhagen. Eine Fantasiegeschichte muss ich auch nicht erfinden. Es gilt lediglich, die überschaubaren Sahnestückchen aus den Anfängen meines Blogs auszuwählen und zu einer Geschichte zu verknüpfen. Einer Geschichte, die auf einigermaßen vergnügliche Weise erzählt, was damals - zwischen Juni und November 2005 - tatsächlich geschah.

So, und mit diesem heiteren kleinen Einblick in die Abgründe meiner frühkindlich angelegten Versagensängste (ja, ja, und mit einem nicht zu leugnenden Sonnenstich) verabschiede ich mich für ein paar Tage, um in Ruhe und ohne allzu viele Umwege über Mond, Raumschiffcrews und Atompilze die kleine wahre Geschichte meines Entliebens zu Papier zu bringen. Wenigstens mit der Rechtschreibung klappt es jetzt besser.

KLEIME PAUSE

P.S. Curd Rocks Pläne kenne ich nicht, er meldet sich sicher morgen noch mal...

13.07.2007 um 17:53 Uhr

Ordentlich Zahn gegen ordentlich Deutsch

von: Lapared

Es ist ja in Deutschland nicht üblich seinem Zahnarzt eine Wurst mitzubringen. Oder einen Satz Winterreifen. Oder einen Flügel. Das Zahlen in Naturalien, die Kultur des Tauschens ist in diesem Land beinahe vergessen. Und so muss jeder Metzger, jeder Tankstellenbesitzer, jeder Musikalienhändler seinem Zahnarzt Geld bezahlen, um die Kluft zu überbrücken, die meistens zwischen dem Kassensatz und der optimalen Gebiss-Sanierung klafft. Obwohl der Zahnarzt vielleicht immer schon Klavier spielen wollte.

Meine Zahnärztin ist zum Glück flexibler. Geboren in einem Land, in dem Geld nur eine von vielen Währungen ist, sucht sie auch abseits des Monetären gerne nach Wegen ins Geschäft zu kommen. Selbst bei mir, die ich weder auf Würste noch Reifen noch Flügel zurückgreifen kann, findet sie etwas, das ich ihr statt des Geldes geben könnte, welches ich gerade nicht habe. Und so bekam ich heute, in Zusammenhang mit meinem rettungslos maroden Backenzahn, das Angebot, ihre Doktorarbeit zu korrigieren und „in ordentlich Deutsch zu bringen.“ Anstelle der 2000 Euro Zuzahlung, die ich für ein Implantat mit Vollkeramikkrone zu zahlen hätte. „Ich geb Dir ordentlich Zahn, Du gebst mir ordentlich Deutsch“ - ich liebe sie. Im Ernst, ich finde, das ist ein durchaus prüfenswertes Angebot.

Natürlich frühestens in 20, pardon, in 19 Tagen.

12.07.2007 um 15:11 Uhr

Die Zauberworte

von: Lapared

„Und was ist mit mir?“

Die Frage, die jede nervöse, einäugige Erstlingsautorin zwanzig Tage vor Abgabetermin von ihrem Partner hören will.

„Schatz,“ nuschel ich, denn gestern Abend ist mir auch noch der halbe Backenzahn rausgebrochen, schon wieder, ich bin ein Wrack, „Schatz, ich muss das Buch zuende schreiben – okay, das ist nicht weiter schlimm. Mit halber Sehkraft muss ich es danach zumindest ein Mal lesen – unangenehm, aber ich fürchte, da komme ich nicht drum rum. Und ein Curd Rock II soll her, denn der Verlag würde zu gern wissen, welchen Homunkulus sie – auf mein Wort hin – vertrauensvoll in ihrem Katalog bewerben.“ (Auszug aus der Vorankündigung: ...Nur einer steht Lapared bei ihrem Unterfangen treu zur Seite: Curd Rock, starke Schulter, Fels in der Brandung, (Stofftier nur äußerlich)...) „Ich finde, die angemessenere Frage wäre vielleicht: Kann ich Dir irgendwie helfen?“

„Kann ich Dir irgendwie helfen?“

„Ja, indem Du mir nicht das Gefühl gibst, dass ich Dich unzulässig vernachlässige – meinst Du, das geht?“

„Na klar.“

„Und indem Du mir nicht das Gefühl gibst, dass ich falsche Präferenzen setze.“

„Tust Du nicht.“

„Und indem Du mir auch nicht das Gefühl gibst, dass ich eine Irre bin, der man auf keinen Fall widersprechen darf.“

„Du bist völlig normal. Ich bin der Irre, weil ich das Bedürfnis habe, meine Freundin zu sehen.“

„Nein, Dein Bedürfnis ist okay, WE, ein schönes Bedürfnis, sehr lieb. Aber jeder Mensch, der dem Windelalter entwachsen ist, weiß, dass man Bedürfnisse manchmal aufschieben muss.“

Dir macht das wohl gar nichts aus.“

„Doch! Doch natürlich macht mir das was aus, WE! Ich würde abends auch lieber mit Dir auf der Couch rumlungern, ich liebe es, ich liebe Dich, verdammt noch mal! Aber im Moment möchte ich trotzdem am Buch weiter schreiben!“

„Du liebst mich? DU LIEBST MICH? Schatz, das wusste ich doch nicht! Aber wenn das so ist... nimm Dir so viel Zeit, wie Du brauchst.“

Das man immer erst grob werden muss.

11.07.2007 um 19:56 Uhr

Zeitplan

von: Lapared

Huch!

Jetzt muss ich aber wirklich in die Tasten hauen. In der ersten Augustwoche möchte die Lektorin gern den ersten Buch-Entwurf von mir haben. Das ist.... HUCH!!!... in 20 Tagen.

Nein, der Erscheinungstermin wurde nicht wegen zahlloser, ungeduldiger Anfragen vorverlegt. Alles ganz normal, der übliche Ablauf - vom ersten Entwurf bis zum Druck ist ja noch viel zu tun.

Zwei, drei Wochen braucht die Lektorin sicher zum Lektorieren (schon ist Ende August). Dann bin ich wieder dran, brauche ebenfalls zwei, drei Wochen um mich vom Schock meines von Anmerkungen geschmückten Werks zu erholen - und weitere vier bis fünf Wochen zur Überarbeitung (Ruckzuck ist November). Beim Feinschliff an der zweite Fassung können wir dann schon Spekulatius knabbern, um sie uns auf der großen Sylvestersause final schön zu saufen. Prost.

Nicht auszuschließen, dass ich mich hier in den nächsten Tagen kürzer fasse.

Hach.

11.07.2007 um 18:32 Uhr

Umd schom wieder: Eim gemiaaaler Plam!

von: Lapared

Ebem hatte ich eim Erleuchtung. Ich dachte, Curd Rock, wemm Du fachlichem Rat suchst, geh zu...

 Annette Rufeger im Ladem 0190 !!!

 (Annette ist die Puppe, die immr mein Kleider macht - sie liebt meim Maße)

 Umd ich dachte, vielleicht, wenn ich für sie model...

 ...oder ganz dezemt Schleichwerbumg mache...

...hilft sie mir ja mit Curd Rock II - ich altes Schlitzohr, HÖM!

10.07.2007 um 17:16 Uhr

Augen zu beim Blasen!

von: Lapared

Heute zur Abwechslung mal eine WARNUNG.

Ich warne – und dies mit allergrößtem Nachdruck - vor dem gemeinen Luftballon. Beim Aufblasen eines herzförmigen Luftballons, mit dem Curd Rock für eine Geburtstags-ecard an seinen Opa posieren wollte, bin ich heute zu erheblichem Schaden gekommen. Jawohl.

Der Ballon platze nämlich während des Pustens - ein Materialfehler, keine Frage. Und ein Gummifetzen traf mein völlig zu Recht schreckgeweitetes linkes Auge mit etwa 200 km/h. Die Hornhaut wurde verletzt, das ist nicht weiter schlimm, tut aber sehr weh. Und eine Blutung der Bindehaut verleiht mir für die nächsten Tage ein auffällig verändertes Aussehen. Ich bin - sagen wir mal so - optisch fürs Frauenhaus qualifiziert und rechne mir außerdem gute Chancen aus für „Die dümmsten Unfälle des Jahres“.

Immerhin, in Amerika wäre ich jetzt reich. Nach einer Schmerzensgeldklage und einem schmutzigen Prozess, im Zuge dessen die Presse öffentlichkeitswirksam über meine Blas-Technik spekulierte hätte (FRAU VERLOR BEIM BLASEN beinah AUGE – auf Englisch natürlich), wäre ich jetzt prominent (MILLION $ for MRS. BLOW-FLOP) und würde in Kooperation mit Tom Ford eine eyewear-Linie für Luftballon-Opfer kreieren.

Aber wir sind nicht in Amerika und so... hab ich nur ein bisschen Mull über dem Auge, eine Krankschreibung, die ich nicht brauche, und den guten fachärzlichen Rat: "In Zukunft… Augen zu beim Blasen, Frau Lpunkt."

09.07.2007 um 12:35 Uhr

Apfelkuchen und Enkellosigkeits-Depression

von: Lapared

„Euer Vater war ja schon sehr traurig, als ich die Sachen zur AWO* gebracht hab.“ Meine Mutter zerteilt den Apfelkuchen, als hätte er gerade im Porsche in die Parklücke gesetzt, auf die sie seit 5 Minuten mit tickendem Blinker wartet. „Bis jetzt habe ich ja immer noch alles aufgehoben, Eure Kinderbetten, die Puppenstuben, all die schönen Kleidchen…“ Meine Schwester und ich werfen uns über die Kaffeetafel Blicke zu. „...Es gibt so viele arme Kinder, die sich darüber freuen, warum soll das hier alles rum liegen und mir die Schränke voll stopfen.“ Mein Mutter klatscht jeder von uns ein Stück Kuchen auf den Teller.

Mutti hat ihre Enkellosigkeits-Depression. Die bekommt sie immer, wenn meine Schwester und ich zeitgleich zu Besuch sind, mit nichts als beruflichen Neuigkeiten (wenn überhaupt), während im Nachbargarten stets eine Delegation der insgesamt 9 Kindeskinder lautstark im Pool rumplanscht.

Als nächstes wird eine von uns – entweder meine Schwester oder ich - einwenden, dass sie selbst über die Kinderlosigkeit auch nicht gerade glücklich ist. Wenn ich es tue, hagelt es Vorwürfe, dass ich weitere kostbare Zeit mit diesem „Jüngelchen“ verschwende und es wird in der Regel sehr persönlich. Deshalb übernimmt meine Schwester diesmal den Part, denn in ihrem Falle liegt es eindeutig an ihrem zeugungsunwilligen Partner, der dieses Wochenende das Glück hat, nicht anwesend zu sein, und deshalb eine wunderbare Zielscheibe darstellt.

„Ich würde es mir ja auch anders wünschen...“ bemerkt meine Schwester mit routinierter Zerknirschtheit (was nicht heißt, dass sie darüber an anderer Stelle nicht sehr viele echte Tränen vergießt und vergossen hat). Die nächsten fünf Minuten lässt sich meine Mutter also über den konkreten Egoismus des Lebenspartner meiner Schwester aus (das wiederhole ich jetzt nicht), um dann zum großen Finale über den männlichen Chauvinismus allgemein zu blasen (Männer nehmen sich in dieser Gesellschaft immer noch alles! Sie vereinbaren ganz selbstverständlich Karriere UND Kinder, solange sie jung sind! Und später, wenn die Kinder erwachsen, die Frauen, die diese Kinder geboren und großgezogen haben, alt und sie selbst in den besten Jahren sind, nehmen sie sich eine jüngere Frau, mit der sie dann reisen und Tennis spielen - aber keine Kinder mehr wollen!) Wir nicken.

Nach dieser im Original etwa 15-minütigen wütenden Tirade fällt meine Mutter dann immer in erschöpftes Schweigen gefolgt von einer bodenlose Traurigkeit verbunden mit übermächtigem Appetit. Zum Glück wissen meine Schwester und ich, was wir zu einer alten Feministin wie ihr sagen müssen, um sie da schnell wieder rauszuholen. Und das übernehme ich diesmal: „Poah, der Kuchen ist lecker, superlecker! Das Rezept musst Du mir unbedingt aufschreiben!“ – „Ja?“ Schon strahlt meine Mutti wieder. Zumindest sie.

* Arbeiterwohlfahrt