Anleitung zum Entlieben

26.07.2007 um 23:07 Uhr

Klavierspielen ohne Noten

von: Lapared

Habe ich eigentlich mal erzählt, dass ich sechs Jahre Klavierunterricht durchgestanden habe, ohne Noten lesen zu können? Zumindest die unten nicht, die für die linke Hand. Und rechts kannte ich auch nur die ersten sieben Noten neben der Mitte vom Klavier. Ich orientierte mich nämlich am Schlüsselloch. Ich wusste, dass Noten, die weit oben in der Notenlinie standen, auf der Tastatur weit weg waren vom Schlüsselloch des Klaviers, Noten weiter unten hingegen, waren eher schlüssellochnah zu suchen. So war es rechts, links funktionierte es umgekehrt. Links war sowieso alles komplizierter.

Nachdem ich die Noten mithilfe der Schlüssellochtechnik grob geortet hatte, erfolgte die Feinbestimmung nach Gehör. Ich wusste ja, was am Ende rauskommen sollte, meine Schwester hatte auch Klavierunterricht und spielte dieselben Stücke, Soladatenmarsch, Für Elise usw.… Das gewünschte klangliche Endresultat hatte ich im Ohr. Probleme gab es eigentlich nur ein Mal, als bei einem Eltern-Vorspiel das bereit gestellte Klavier nicht abschließbar war.

Warum ich das alles erzähle… Es ist wieder der alte Fehler. Wenn ich etwas will - Klavierspielen, Tapezieren, ein Buch schreiben… - versäume ich manchmal, mir vorher bestimmte handwerkliche Dinge anzueignen, die das Ganze dramatisch erleichtern können. Ich nehme mir nicht die Zeit. Ich will ganz schnell ans Ziel. Ich lege einfach los. Und mache mir mit meinen unkonventionellen Vorgehensweisen manchmal das Leben schwer.

Als ich anfing, das Buch zu schreiben, wäre es zum Beispiel sinnvoll gewesen, mal eine Musterseite anzulegen, vertragsgerecht formatiert, um immer zu wissen, wie viel ich schon habe und wie viel ich noch muss. Aber nein, mit solchen Formalien hält Lpunkt sich nicht auf. Sie verlässt sich einfach auf ihr Gefühl. Geht davon aus, dass eine Seite bei ihr wohl so etwa zwei Seiten im Manuskript ergeben werden - und stellt jetzt fest, dass dem nicht so ist. Und dass ihr noch 50 Seiten fehlen. 50 Seiten!!! Das sind ungefähr 15.000 Worte!!! Circa 90.0000 Zeichen !!! (Als Erstes werde ich alle Ausrufezeichen verdreifachen). Das ist nicht weiter schlimm, mehr geht immer, aber es wäre einfacher gewesen, hätte ich es vorher gewusst.

Soviel zum Buch. Und was WE betrifft, WE, der Mann, mit dem ich gerade lebe und der eigentlich viel wichtiger ist, als die Männer, über die ich schreibe…

Das Problem war zum Glück relativ schnell aus der Welt. Und es brauchte nicht mal besonders viele Worte, jedenfalls deutlich unter 15.000. Aber das erzähle ich morgen. Er wartet nämlich, höm...