Anleitung zum Entlieben

31.08.2007 um 19:05 Uhr

Mit Links

von: Lapared

(Nur ganz kurz und eigentlich auch nur wegen des netten Kommentars vom engelsche… Ach so, und Danke für die Glückwünsche… Und einen lieben Gruß an das andere Lchen: Happy Birthday!)

Bei mir war es ja so, dass sich - kaum war ich wieder ein Jahr älter - deutliche Verschleißerscheinungen bemerkbar machten.

Wie Sie wissen, zwingt mich meine Arbeit täglich zu körperlichen Höchstleistungen. Und die forderten nun ihren Tribut. Mit meinem rechten Daumen, der Tag für Tag kilometerlange Strecken kreuz und quer über das 32 Quadratzentimeter große Mausepad meines Laptops zurücklegen muss, fing alles an. Am nächsten Tag tat dann auch das Gelenk weh. Von da aus zog es weiter in den Ellbogen. In die Schulter. In den Nacken. Und endete schließlich im Kopp, wo sonst.

Lchen, stets ein Freund der Selbsttherapie, versuchte es mit Ausgleichssport. Ging tüchtig schwimmen, dann auf den Crosstrainer, dann wieder schwimmen. Ich wollte den armen verspannten Gliedern mal ein bisschen Abwechslung bieten und ihnen außerdem zeigen, was wirklich Anstrengung ist. Nur, dass es sich nicht um eine Verspannung handelte, sondern um eine Entzündung. Und jetzt ist der ganze Arm ruhig gestellt und ich schreibe mit Links.

Leider nur mechanisch gesehen. Mit dem Buch geht es gerade ziemlich schwer voran. Manchmal bin ich wirklich ganz verzweifelt. Mein Perfektionismus, der hier, durch das Blogformat immer so wunderbar ausgehebelt wird, macht sich bei diesem Buchprojekt lähmend breit. Nichts ist gut genug. Jeder Satz wird tausend Mal umgeschrieben und dadurch nur selten besser. Hinzu kommt, dass sich mein Geschmack ständig ändert. Was ich gestern gut fand, finde ich morgen miserabel peinlich. Und im Gegensatz zu hier ist ja noch nichts veröffentlicht, also lasse ich es nicht einfach stehen, ich gehe noch mal ran.

Na ja, aber ich fürchte, das ist alles gar nicht so schrecklich interessant. „Der normale Schaffensprozess“, sagt meine Lektorin immer, sie ist wirklich eine Seele, ist mal mehr und mal etwas weniger begeistert, aber im Großen und Ganzen überzeugt, dass alles super wird. Irgendwie. Wie immer, quäle ich mich vor allem selbst.

WE hat mir übrigens keinen Heiratsantrag gemacht. Poeh (ein sehr langes, erleichtertes Poeh). Er findet, dass ich mir zuviel Arbeit mache. Hm. Er erinnert mich gerne, dass ich Unterhaltung schreibe und keine Literatur. Ja, ja. Und dass das Buch „Anleitung zum Entlieben“ heißen wird, nicht „Krieg und Frieden.“ Har. Er findet meinen Perfektionismus „unangemessen“. Hmpf.

Aber er ist lieb. Sehr geduldig bei meinen Panikanfällen. Und vor allem ist er sehr froh, dass ich nicht mehr täglich Blog schreibe und dafür lieber mit ihm auf der Couch abhänge. „Du musst auch mal entspannen, Maus“, sagt er dann immer, schaltet den Fernseher ein und wartet auf die Schnittchen. Ich verkneife mir zu antworten, dass es für Maus auch immer sehr entspannend war, Blog zu schreiben. Ich lasse ihm die heilige Entspannungshoheit, dann ist zumindest er entspannt und unsere Beziehung auch.

Und mit meinem Daumen verfahre ich genauso: Er bekommt jetzt auch seine Maus.

(Jetzt war es doch nicht sooo kurz, aber hier im Blog geht es wirklich mit Links.)

26.08.2007 um 14:45 Uhr

Jetzt oder nie

von: Lapared

„Wenn Du mich jetzt nicht heiraten willst, dann tust Du es nie!“

Das hat nicht etwa WE gesagt, sondern Aidan. Aidan, Sie erinnern sich, der Mr. Anti-Big von Carrie, der alles hatte, was sie an Mr. Big vermisste, und gerade deshalb wohl doch nicht ganz der Richtige war. Nicht für immer, jedenfalls.

Er sagte es in dieser Folge, als seine Verlobte Carrie von einem Brautkleid Ausschlag bekam und deshalb die Hochzeit lieber verschieben wollte, auf unbestimmte Zeit. Und die Frage, die ich mir in diesem Zusammenhang stelle, ist: Hatte Aidan Recht? Wenn man sich nicht vorstellen kann, einen Mann zu heiraten, solange alles gut läuft und man noch einigermaßen frisch verliebt ist, tut man es dann nie?

Die Frage ist natürlich rein theoretisch. WE hat nicht um meine Hand angehalten, so schnell geht es auch nicht, um Gottes Willen. Aber er schon etwas gesagt, was in diese Richtung ging.

Ich hatte mal wieder schlimme Sorgen wegen dieses Buchs, an dem ich sitze, einen schweren Anfall von „Oh Gott, das ist alles Scheiße, das wird niemand kaufen, in einem Jahr kann ich putzen gehen“. Und da sagte WE, er sagte ziemlich wörtlich: „Schatz, das wird ganz sicher ein Knüller, und eigentlich sollte ich Dich jetzt bitten, mich zu heiraten, denn wenn ich es erst nach Erscheinen des Buchs mache, wirst Du denken, ich bin nur scharf auf Dein Geld.“

Ich war tief gerührt. Und mindestens ebenso tief schockiert. Ich bekam zwar keinen Ausschlag, aber ich hatte doch ziemlich Panik und dachte: Oh, Gott, was wenn er es tut, wenn er mich wirklich fragt? Ich würde mich nicht bereit dazu fühlen, ich hätte das Gefühl, es wäre viel viel viel zu früh. Und da musste ich an Aidan denken, der zu Carrie sagte: „Wenn Du mich jetzt nicht heiraten willst, dann tust du es nie!“

Ja, ich weiß. WE ist nicht Aidan und ich bin nicht Carrie, die beiden trennten keine zehn Jahre in unkonventioneller Richtung und überhaupt kannten sie sich schon ein paar Folgen länger. Aber trotzdem oder gerade deshalb stelle ich dieselbe Frage: Wenn der Gedanke mich jetzt in Panik versetzt, kommt WE dann jemals „für immer“ in Frage?

Ich habe mich dann einigermaßen witzig rausgeredet. Ich sagte: „WE mach Dir keine Sorgen, sollte ich jemals reich werden, vereinbaren wir bei der Hochzeit Gütertrennung, dann werde ich deine Motive nicht in Zweifel ziehen.“ Gelacht hat WE nicht.

In Carries Falle ist ja alles gut geworden, ein Segen ist sie Weichei Aidan losgeworden, denn in Staffel sechs bekamen sie und die Zuschauer dann den allseits favorisierten Mr. Big. Aber was ist mit mir, wie geht es bei mir weiter, gibt es in meinem Falle einen Mr. Big?

Und auch diese Frage stelle ich mir nicht ganz zufällig, denn heute ist es mal wieder so weit. Ich arme Sau werde schon wieder ein Jahr älter, die 40 lauern ganz gefährlich, und ich frage mich: Verdammt, worauf oder auf wen warte ich eigentlich noch?

Aber vielleicht sollte ich mir einfach die Zeit nehmen, die ich brauche, und aufhören, so viel fern zu sehen...

19.08.2007 um 21:31 Uhr

Echt ein Traum, eigentlich...

von: Lapared

Es geht mir nicht anders als Curd Rock, unserem Mann auf der Couch.

Ich bin wirklich sehr traurig. Denn es wird keinen neuen Curd Rock geben. Jedenfalls keinen, der ihm in irgendeiner Weise ähnlich sieht. Das Risiko ist zu groß, der Verlag möchte es nicht übernehmen, und ich sollte es dann wohl besser auch nicht.

Ich habe es wirklich versucht. Und mich richtig in die Feinheiten des Copyrights eingearbeitet. Ich hatte immer noch die Hoffnung, wir könnten einen Curd entwerfen, der sich stark genug unterscheidet, um das Rechtsrisiko zu minimieren, und wenig genug, um Curd Rocks einmaligen Charakter zu bewahren. Den Kern seines einzigartigen Wesens. Tag und Nacht haben Annette und ich rum probiert.

Doch dann: Gottes Geschenk an alle Kontroll-Freaks. Migräne. Fünf Tage lang. Da blieb mir nicht anderes übrig, als zu sagen: Dann nicht. Hat nicht geklappt. Ist gescheitert. Tja.

Nun müssen wir mal sehen. Vielleicht gelingt es Annette und mir, eine ganz neue Figur zu entwerfen. Eine, die Curd Rock nicht ähnelt. Und die trotzdem – wie er - Schönheit, Geist und Liebenswürdigkeit in sich vereint. (Curd Rock selbst hält das allerdings für ausgeschlossen.)

Aber das muss jetzt erstmal warten. Sonst haben wir am Ende einen tollen neuen NICHT-Curd, aber kein Buch. Oder schlimmer, ein scheiß Buch. Das macht ja auch keinen Sinn.

Also schreibe ich jetzt erstmal „flink“ die letzten 140 Seiten (und überarbeite die ersten 100, denn empörender Weise war die Lektorin nicht mit ALLEM einverstanden, so was…). Und dann, mal sehen.

Ich gebe zu, ich hatte mir das alles ein bisschen leichter vorgestellt. Es war doch immer mein Traum, Bücher zu schreiben. Ich hab´s zwar nie so gesagt, doch das war es.

Aber das ist wohl die Krux. Träumen ist eine bequeme Sache. Man kann herrlich am Pool liegen und sich ausmalen, wie schön das alles wäre. Wenn man dann die Chance bekommt, sein Träumchen zu verwirklichen, ist es eben manchmal ein scheiß Arbeit. Ganz echt.

Die gute Nachricht: WE gibt sich hinreißend. Er sagt immer, Lchen, Du darfst eins nicht vergessen: Dieses Buch ist nur, was Du tust. Es ist nicht, was Du bist. Und es gibt auch Menschen, die lieben Dich einfach so. Einfach für das, was Du bist. Schön, ne? Eigentlich doch ein Traum. Und ganz echt.

Leise höm.

19.08.2007 um 20:16 Uhr

Eimzigartig traurig

von: Lapared

Es ist gescheitert.

Es wird keinem neu erfumdenen Curd Rock geben.

 Tja.

 Nicht schöm. Einerseits.

 Amdereseits ist es natürlich eim Zeichen...

 ...wie eimzigartig ich bim.

 Umd eimzigartig traurig.

14.08.2007 um 19:14 Uhr

Hach hach hach

von: Lapared

Liebe Leserinnen und Leser,

es stimmt leider, was der Mann mit der Matte sagt. Bei mir ist gerade wirklich, wirklich Land unter.

Curd Rock der Zweite, ich denke, das sieht jeder, wird seinen Gerichtstermin nicht überstehen. Obwohl Annette und ich ganz verliebt in ihn waren, erstmal, bemerkt das weniger von Verliebtheit blinde Auge wohl sehr schnell, dass er mit Curd Rock dem Ersten sehr eng verwandt ist, der kleinere, nicht mit ganz so viel Genie beschenkte Bruder, aber… der Bruder.

Hach hach hach.

Von meinem Buch ist tatsächlich erst ein Drittel fertig. Der Rest ist… Rohmaterial, sag ich mal. Sehr rohes Rohmaterial. Kraut und Rüben könnte man es auch nennen. Und deshalb habe ich es der Lektorin gar nicht ganz geschickt, sie ist nämlich in anderen Umständen und ich will mich nicht versündigen, indem ich ihr einen schlimmen, schrecklichen Schock versetze. Sie war doch sooo zuversichtlich...

Hach hach hach.

Und das erste Drittel habe ich der Lektorin genau genommen auch noch nicht geschickt, ich habe es versucht, heute Morgen erst. Aber ihr Rechner sagt, mein Rechner hätte einen Virus. Und ihr Computermann sagt, sie darf die Datei auf keinen Fall öffnen. Und morgen müssen doch eigentlich schon die Leseproben an die Verlagsvertreter raus.

Hach hach hach.

WE ist natürlich auch alles andere als begeistert. Als die Lektorin anrief und sagte, Curd Rock der Zweite müsse jetzt doch ganz schnell fertig werden (bis Ende dieser Woche), da sind wir nämlich zurück gefahren, damit ich wenigstens den Termin noch schaffe, wo ich doch mit dem Buch schon so im Hintertreffen war. Genau genommen sind wir schon seit Freitag wieder hier, aber wenigstens ist WE deshalb nicht mehr böse, erst sagte er nämlich: „Du musst ja wissen, was Dir wichtiger ist! Ich oder Dein Buch!“ Das hat er sich zum Glück doch noch mal überlegt.

Hach hach hach.

Kurzum, es ist alles ein bisschen viel gerade und ich fürchte, ich werde mich die nächste Zeit nicht täglich melden, aber ich bin sicher, Sie werden es verstehen.

Dafür gibt es dann im Frühjahr hoffentlich ein feines Buch, ein Buch von einem einigermaßen gutgelaunten Lchen und nicht von einer verbitterten, einmal mehr von ihrem Liebsten abservierten, deprimierten Ziege – das ist vielleicht ein kleiner Trost.

So, und jetzt gehe ich erstmal schwimmen, das Leben ist ein Ausdauersport…

Lieben Gruß

14.08.2007 um 17:40 Uhr

Gerichtsternim

von: Lapared

Ich bim noch nicht mal richtig auf der Welt, schom...

 ... bim ich am allem Schuld.

Ich bim Curd Rock der Zweite. Oder besser gesagt, ich würde es germ werden. Ich mache Lchem und Annette (da ist die nette Designerim) sehr viel Kummer. Lchem sagt, dass sie deswegem nicht zum Blogschreibem kommt. Aber wemm Sie mich fragen.. . Der wahre Grumd ist, dass sie erst eim Drittel von Buch fertig hat. EIM DRITTEL. Aber mir die Schuld gebem.

Morgen muss ich vor Gericht. Oder so ähmlich. Da werde ich begutachtet. Ich weiß noch nicht genau, wie ich guckem soll, damit ich Curd Rock dem Ersten nicht so ähmlich sehe...

  Lieb oder besser böse?

  Aufgeweckt oder harmlos?

  siegessicher oder hoffnumgsvoll?

Ich habe schreckliche Amgst. Aber Curd Rock der Erste sagt, ich soll mir keim Sorgem machen, wir sähem ums GAR nicht ähmlich, ich würde nicht dasselbe "Gemie" verströmen wie er, das würde jeder auf erstem Blick erkennen. Ich weiß nicht genau, was Gemie ist, aber wenn Curd der Erste es sagt. Er ist meim großes Idol...

  Er ist so wahmsinnig COOL!

Ich hoffe nur, Curd der Erste irrt sich nicht, denn wissen Sie, wemm der Richter sagt, ich bim ihm zu ähmlich dann... dann ... dann... ich fürchte... dann… dann…

 ... komme ich nie auf die Welt.

06.08.2007 um 05:31 Uhr

Curd verzeiht (teilweise)

von: Lapared

Ob ich blöde Arschgeigem wohl zurückziehem sollte?

AMDERERSEITS. Woher sollte ich wissen, dass es erst heute los geht? Mir sagt ja niemand was. NIE.

 Sie hat nicht mal gefragt, ob ich überhaupt mit will!

 Im Grunde werde ich VERSCHLEPPT.

 Aber ich werde nicht so seim. Ich demke...

 ... ich ziehe das blöde zurück.

P.S. Eim Gruß von Lchem, sie sagt, ich soll sagen, sie ist schlimm im Stress (in Urlaubsstress, wemm Sie mich fragem), umd sie komm so im acht, neum Tagen wieder.

05.08.2007 um 15:35 Uhr

Alleim umd verlassem

von: Lapared

Das dauert umd dauert umd dauert…

 ...umd ich hör auch gar nichts, hm.

 Mal nachschauem, wo sie wohl bleibem...

 Mir scheimt, sie simd weg!

 Lchem fährt mit Knallkopp im Urlaub...

 Umd ich sitze hier, ganz alleim!

 Ich weine.

 Ich weine immenoch.

 Blöde Arschgeigem...

04.08.2007 um 20:08 Uhr

Curd Rock packt seimen Koffer

von: Lapared

Lchem umd WE packem. Ich glaube, wir verreisem. Ich werde Lchem überraschem...

 ...umd meim Koffer diesmal gamz alleine packem.

 Sie musste noch nicht mal extra was sagem.

 Ich bim nämlich schom sehr selbbstämdig.

 Fertig!

 F E R T I G ! ! ! Los, Abfahrt...

 Wo bleibem die denn nur...?

03.08.2007 um 20:30 Uhr

Die verpasste Omaflanke

von: Lapared

Meine Schwester – Sie erinnern sich, letzte Zuflucht in Zeiten emotionaler Verwirrung und stets gerecht und unparteiisch in ihrem Blick auf meine kleinen Beziehungsscharmützel – meine Schwester war ja nicht so begeistert von dem Ausgang der ganzen Sache.

Metapher??? Er wollte Dir die Worte Julias Vater ist gestorben tatsächlich als METAPHER verkaufen???“

„Na ja... Er hat´s versucht.“

„Lchen, ich will Dich nicht aufhetzen, aber vom juristischen Standpunkt kann ich nur sagen… Manche Dinge sind so scheiße, so schlecht, so dreist, da ist selbst der Versuch strafbar.“

„Es war eine versuchte Metapher, kein versuchter Mord.“

„Immerhin musste der Vater dran glauben…“

„Hat er ja nichts von bemerkt…“

„Trotzdem. Und Du hast nicht gesagt, er möge sich seine Metapher doch bitte in den Arsch schieben?! Eine Metapher in der Metapher wäre das gewesen, was ganz Besonderes, und Du hast ihm nicht dazu geraten?

„Auf dieses linguistische Juwel bin ich leider nicht gekommen.“

„Und Du fährst sogar mit ihm Urlaub! Obwohl Du keine Zeit hast! Obwohl Dein Manuskript nicht fertig ist! Und obwohl er Dir diese Traumflanke vor die Füße gelegt hat! Das war DIE Chance aus der Sache raus zu kommen!!!“

„Ich geb´ zu, ich hab dran gedacht...“

„Du hättest mit Fug und Recht noch ein Weilchen entrüstet bleiben dürfen. Zuhause natürlich. In der Zeit hättest Du erstmal schön in Ruhe das Manuskript zuende geschrieben. Danach hättest Du ihm immer noch vergeben und mit ihm verreisen können!“

„Ich kann nicht in Ruhe schreiben, wenn wir uns in den Haaren liegen. Das ist ja das Problem. Ich bin harmoniebedürftig, weißt Du doch.“

„Jetzt hast Du Harmonie, aber keine Zeit. Sehr gut, Lchen.“

DAS ist das Dilemma. Das ist wirklich das Dilemma. Meine Lektorin hat mir noch eine Woche Galgenfrist geben. Und WE will und kann nur in dieser Woche Urlaub machen.

Hätte ich doch nur ein bisschen mehr auf Omma rum geritten. Verdammt…

02.08.2007 um 22:28 Uhr

Bilder lügen nicht

von: Lapared

„Und Du? Verheiratet, Kinder?“

Als ich mich – beim ersten Treffen mit Dick – auf gewohnt subtile, elegante Art nach seinen Lebensumständen erkundigte, antwortete er…

„Nein.“

Zwei Jahre ist das jetzt etwa her. Und bis ans Ende unserer Beziehung, dass - wir erinnern uns – natürlich sehr viele Gründe hatte, aber doch auch sehr stark damit zusammenhing, dass er seine Ehefrau nicht so gern verlassen wollte, bestand Dick darauf, an jenem Abend nicht gelogen zu haben. Ein Jahr lang – über die gesamte Dauer unseres kleinen Glück – blieb er bei der Auffassung, sein „nein“ habe der Wahrheit entsprochen, denn Kinder habe er ja keine gehabt.

Seitdem finde ich lügen nicht mehr so schlimm. Seitdem finde ich täuschen, verheimlichen und vor allem sich hinterher rausreden viel schlimmer. Und erst verarschen, widerlich.

Entsprechend angetan war ich, als WE mir die kleine Verwechslung von Oma und Vater so erklärte:

„Oma oder Vater, ist das denn wichtig, Lpunkt?“

Dazu sollte man Oma oder Vater vielleicht hören...

„Es ging ihr schlecht. Und als ich gesagt hab, ihr Vater sei gestorben, war das eher eine Metapher.“

Eine Metapher.

„Faktisch war es nicht richtig. Aber es war ja auch mehr ein Bild, damit DU Dir vorstellen konntest, WIE schlecht es ihr gerade ging.“

Und Bilder lügen bekanntlich nicht.

„Ohne lange Erklärungen. Du gibst einem ja keine Zeit für lange Erklärungen…“

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, wie wahr.

„Wenn Du mal wieder mehr Zeit hast, erzähle ich Dir gern, was wirklich los war, das ist eine lange Geschichte…“

Ah.

Ich würde gerne schreiben, dass ich WEs Ausführungen mit der hübschen kleinen Metapher „Leck mich am Arsch“ quittiert hätte. Oder mit dem prägnanten, zeitsparenden Bild „Fick Dich“ - aber das hab ich nicht.

Ich habe mich für eine komplett bilderfreie Version entschieden. Ich habe mir die Zeit genommen, ihm auszuführen, dass er in meinen Augen ein Lügner ist. Und zwar einer von der schlimmsten Sorte, von der, die sich auch noch rausreden. Und dass ich die Sorte schon kenne, zur Genüge, und nicht vorhabe, mir ihre Geschichten noch länger anzuhören. Selbst dann, wenn ich alle Zeit der Welt hätte, nicht.

Und da hat er gesagt, dass ich Recht habe und sich entschuldigt. Und einfach zugegeben, dass er Angst hatte, dass eine tote Oma mir nicht reicht.

Wenigstens hält er nicht ein Jahr an Scheiße fest.

01.08.2007 um 21:39 Uhr

Kaum kalt und schon grillen?

von: Lapared

Es kommt immer raus. Am Ende kommt es immer irgendwie raus. Und gerade hatten wir gebucht.

Eben treffe ich Pucki, Sie erinnern sich, Pucki, das Dornröschengehirn. Das reine Auge. Mein lieber Freund und Exkollege, mit dem ich bei meinem letzten Agentur-Engagement so manchen gut bezahlten Tag verplaudert hatte.

„Na, Pucki“, sag ich, „scheiß Tag gehabt?“ Pucki kam gerade mit zwei Flaschen Vodka aus dem Pennymarkt.

„Nee,“ sagt Pucki, „PADDY!!!“

Ach was. Wir erzählen erstmal ein bisschen. Und ein Freund von Pucki gesellt sich dazu. Und eine Freundin. Und wir haben es gerade so richtig nett, Pucki zeigt Urlaubsbilder, da sagt der Freund plötzlich:

„Los kommt, Julia will grillen.“

Julia will grillen. Julia will grillen…

Irgendwas an diesem kleinen unscheinbaren Satz weckte mein Interesse. Mir war natürlich klar, dass es in Hamburg 22648403 Millionen Julias gab. Normalerweise hätte ich den Gedanken nicht weiter verfolgt, er war abwegig, aber irgendwas machte mich misstrauisch, ir-gend-was, ich glaube, es war die Tatsache, dass Pucki im nächsten Satz sagte: "Lchen, da können wir Dich leider nicht mitnehmen, die war mal mit Deinem WE zusammen.“

Die Welt ist so klein. So klein. Selbst in Hamburg.

Mir war natürlich klar, dass es bei 22648403 Millionen Julias vor Ort möglicherweise mehr als eine gab, mit der WE mal was hatte, ein wirklich schrecklicher, beliebter Name. Aber ich folgte meinem Instinkt, ich fragte:

„Ich denk, deren Vater ist gerade gestorben???“ Kaum kalt und schon grillen? Na…

Ratlosigkeit.

„Da war ihr Vater wohl ein ziemlich Arsch, wenn sie jetzt ´ne Party gibt.“ So pfiffig hatte ich Pucki in vier Wochen Agenturschaffen nicht erlebt.

„Nee, das war ihre Oma“, hörte ich einen der anderen sagen.

Die Oma. So, so. Die Oma. Ich will hier nicht eine tote Oma gegen einen toten Vater abwiegen. Ich kann mir vorstellen, dass der Verlust für einen Angehörigen möglicherweise gleich schwer sein kann. Aber in Julias Falle wiegt er offenbar nicht so schwer, dass sie eine Woche drauf nicht eine kleine Grillsause schmeißen könnte.

Aber das ist ja gar nicht der Punkt. Es geht nicht um Oma, Vater und Julia. Der Punkt ist WE. Ich weiß nicht, was mich mehr beunruhigen soll: Die Lüge? Die Schamlosigkeit dieser Lüge (klingt wie aus einem Groschenroman, aber mir fiel keine treffendere Bezeichnung ein)? Oder ihre unglaubliche, unermessliche Blödheit?

So was kommt doch raus. Das kommt doch irgendwann raus. Ich bin nicht in Reiselaune.