Anleitung zum Entlieben

01.08.2007 um 21:39 Uhr

Kaum kalt und schon grillen?

von: Lapared

Es kommt immer raus. Am Ende kommt es immer irgendwie raus. Und gerade hatten wir gebucht.

Eben treffe ich Pucki, Sie erinnern sich, Pucki, das Dornröschengehirn. Das reine Auge. Mein lieber Freund und Exkollege, mit dem ich bei meinem letzten Agentur-Engagement so manchen gut bezahlten Tag verplaudert hatte.

„Na, Pucki“, sag ich, „scheiß Tag gehabt?“ Pucki kam gerade mit zwei Flaschen Vodka aus dem Pennymarkt.

„Nee,“ sagt Pucki, „PADDY!!!“

Ach was. Wir erzählen erstmal ein bisschen. Und ein Freund von Pucki gesellt sich dazu. Und eine Freundin. Und wir haben es gerade so richtig nett, Pucki zeigt Urlaubsbilder, da sagt der Freund plötzlich:

„Los kommt, Julia will grillen.“

Julia will grillen. Julia will grillen…

Irgendwas an diesem kleinen unscheinbaren Satz weckte mein Interesse. Mir war natürlich klar, dass es in Hamburg 22648403 Millionen Julias gab. Normalerweise hätte ich den Gedanken nicht weiter verfolgt, er war abwegig, aber irgendwas machte mich misstrauisch, ir-gend-was, ich glaube, es war die Tatsache, dass Pucki im nächsten Satz sagte: "Lchen, da können wir Dich leider nicht mitnehmen, die war mal mit Deinem WE zusammen.“

Die Welt ist so klein. So klein. Selbst in Hamburg.

Mir war natürlich klar, dass es bei 22648403 Millionen Julias vor Ort möglicherweise mehr als eine gab, mit der WE mal was hatte, ein wirklich schrecklicher, beliebter Name. Aber ich folgte meinem Instinkt, ich fragte:

„Ich denk, deren Vater ist gerade gestorben???“ Kaum kalt und schon grillen? Na…

Ratlosigkeit.

„Da war ihr Vater wohl ein ziemlich Arsch, wenn sie jetzt ´ne Party gibt.“ So pfiffig hatte ich Pucki in vier Wochen Agenturschaffen nicht erlebt.

„Nee, das war ihre Oma“, hörte ich einen der anderen sagen.

Die Oma. So, so. Die Oma. Ich will hier nicht eine tote Oma gegen einen toten Vater abwiegen. Ich kann mir vorstellen, dass der Verlust für einen Angehörigen möglicherweise gleich schwer sein kann. Aber in Julias Falle wiegt er offenbar nicht so schwer, dass sie eine Woche drauf nicht eine kleine Grillsause schmeißen könnte.

Aber das ist ja gar nicht der Punkt. Es geht nicht um Oma, Vater und Julia. Der Punkt ist WE. Ich weiß nicht, was mich mehr beunruhigen soll: Die Lüge? Die Schamlosigkeit dieser Lüge (klingt wie aus einem Groschenroman, aber mir fiel keine treffendere Bezeichnung ein)? Oder ihre unglaubliche, unermessliche Blödheit?

So was kommt doch raus. Das kommt doch irgendwann raus. Ich bin nicht in Reiselaune.