Anleitung zum Entlieben

02.08.2007 um 22:28 Uhr

Bilder lügen nicht

von: Lapared

„Und Du? Verheiratet, Kinder?“

Als ich mich – beim ersten Treffen mit Dick – auf gewohnt subtile, elegante Art nach seinen Lebensumständen erkundigte, antwortete er…

„Nein.“

Zwei Jahre ist das jetzt etwa her. Und bis ans Ende unserer Beziehung, dass - wir erinnern uns – natürlich sehr viele Gründe hatte, aber doch auch sehr stark damit zusammenhing, dass er seine Ehefrau nicht so gern verlassen wollte, bestand Dick darauf, an jenem Abend nicht gelogen zu haben. Ein Jahr lang – über die gesamte Dauer unseres kleinen Glück – blieb er bei der Auffassung, sein „nein“ habe der Wahrheit entsprochen, denn Kinder habe er ja keine gehabt.

Seitdem finde ich lügen nicht mehr so schlimm. Seitdem finde ich täuschen, verheimlichen und vor allem sich hinterher rausreden viel schlimmer. Und erst verarschen, widerlich.

Entsprechend angetan war ich, als WE mir die kleine Verwechslung von Oma und Vater so erklärte:

„Oma oder Vater, ist das denn wichtig, Lpunkt?“

Dazu sollte man Oma oder Vater vielleicht hören...

„Es ging ihr schlecht. Und als ich gesagt hab, ihr Vater sei gestorben, war das eher eine Metapher.“

Eine Metapher.

„Faktisch war es nicht richtig. Aber es war ja auch mehr ein Bild, damit DU Dir vorstellen konntest, WIE schlecht es ihr gerade ging.“

Und Bilder lügen bekanntlich nicht.

„Ohne lange Erklärungen. Du gibst einem ja keine Zeit für lange Erklärungen…“

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, wie wahr.

„Wenn Du mal wieder mehr Zeit hast, erzähle ich Dir gern, was wirklich los war, das ist eine lange Geschichte…“

Ah.

Ich würde gerne schreiben, dass ich WEs Ausführungen mit der hübschen kleinen Metapher „Leck mich am Arsch“ quittiert hätte. Oder mit dem prägnanten, zeitsparenden Bild „Fick Dich“ - aber das hab ich nicht.

Ich habe mich für eine komplett bilderfreie Version entschieden. Ich habe mir die Zeit genommen, ihm auszuführen, dass er in meinen Augen ein Lügner ist. Und zwar einer von der schlimmsten Sorte, von der, die sich auch noch rausreden. Und dass ich die Sorte schon kenne, zur Genüge, und nicht vorhabe, mir ihre Geschichten noch länger anzuhören. Selbst dann, wenn ich alle Zeit der Welt hätte, nicht.

Und da hat er gesagt, dass ich Recht habe und sich entschuldigt. Und einfach zugegeben, dass er Angst hatte, dass eine tote Oma mir nicht reicht.

Wenigstens hält er nicht ein Jahr an Scheiße fest.