Anleitung zum Entlieben

03.08.2007 um 20:30 Uhr

Die verpasste Omaflanke

von: Lapared

Meine Schwester – Sie erinnern sich, letzte Zuflucht in Zeiten emotionaler Verwirrung und stets gerecht und unparteiisch in ihrem Blick auf meine kleinen Beziehungsscharmützel – meine Schwester war ja nicht so begeistert von dem Ausgang der ganzen Sache.

Metapher??? Er wollte Dir die Worte Julias Vater ist gestorben tatsächlich als METAPHER verkaufen???“

„Na ja... Er hat´s versucht.“

„Lchen, ich will Dich nicht aufhetzen, aber vom juristischen Standpunkt kann ich nur sagen… Manche Dinge sind so scheiße, so schlecht, so dreist, da ist selbst der Versuch strafbar.“

„Es war eine versuchte Metapher, kein versuchter Mord.“

„Immerhin musste der Vater dran glauben…“

„Hat er ja nichts von bemerkt…“

„Trotzdem. Und Du hast nicht gesagt, er möge sich seine Metapher doch bitte in den Arsch schieben?! Eine Metapher in der Metapher wäre das gewesen, was ganz Besonderes, und Du hast ihm nicht dazu geraten?

„Auf dieses linguistische Juwel bin ich leider nicht gekommen.“

„Und Du fährst sogar mit ihm Urlaub! Obwohl Du keine Zeit hast! Obwohl Dein Manuskript nicht fertig ist! Und obwohl er Dir diese Traumflanke vor die Füße gelegt hat! Das war DIE Chance aus der Sache raus zu kommen!!!“

„Ich geb´ zu, ich hab dran gedacht...“

„Du hättest mit Fug und Recht noch ein Weilchen entrüstet bleiben dürfen. Zuhause natürlich. In der Zeit hättest Du erstmal schön in Ruhe das Manuskript zuende geschrieben. Danach hättest Du ihm immer noch vergeben und mit ihm verreisen können!“

„Ich kann nicht in Ruhe schreiben, wenn wir uns in den Haaren liegen. Das ist ja das Problem. Ich bin harmoniebedürftig, weißt Du doch.“

„Jetzt hast Du Harmonie, aber keine Zeit. Sehr gut, Lchen.“

DAS ist das Dilemma. Das ist wirklich das Dilemma. Meine Lektorin hat mir noch eine Woche Galgenfrist geben. Und WE will und kann nur in dieser Woche Urlaub machen.

Hätte ich doch nur ein bisschen mehr auf Omma rum geritten. Verdammt…