Anleitung zum Entlieben

15.12.2007 um 18:49 Uhr

Lpumkt im Buchhandel

von: Lapared

Eben war ich in meiner Buchhandlung.

Ja, ja, Kenner des Lpunktschen Kosmos stutzen. Sie wissen, dass ich ungern lese. Ich lese eigentlich nur beim Zugfahren, was ich ebenfalls verabscheue. Trotzdem nenne ich meine Buchhandlung meine Buchhandlung, denn sie liegt direkt gegenüber meiner Haustür und das Erste, was ich sehe, wenn ich vom Bildschirm aufschaue... ... ... meinen Hals ein wenig recke… … … und links aus dem Fenster sehe.. … … ist das Ladenschild: „Buchhandlung im Schanzenviertel“ steht da in einem Design, das irgendwie an die gute alte Zeit erinnert, als man Samstags noch zur Demo ging. Passend zum Umfeld. Wir hier in der Schanze pflegen ja alle ein links-liberales Lebensgefühl, die meisten – mich eingenommen - vor allem modisch. Aber meine Buchhandlung ist eine Enklave des richtig echten politischen Bewusstseins, sie wird von einem Kollektiv geführt, in dem alle gleichberechtigt sind, und eine Behindertenrampe steht auch immer vor der Tür. Schon oft dachte ich, schade. Schade, schade, schade. In dieser Enklave des echten politischen Bewusstseins wird ein Büchlein wie meins, das konsequent im eigenen Sud rührt und dessen Horizont am Lpunktschen Nabel endet, ganz sicher nie im Fenster stehen. Hach, aber wie schön wäre das, wie schön...

Ich also heute hin.

„Kann ich Dir helfen?“

Man duzt sich in der Enklave.

„Jaaaaaahh... „ sage ich, „es ist so... ich wollte mal was fraaagen... Wann entscheiden Sie... äh, wann entscheidet Ihr eigentlich, ob ein Buch, das so im Mai/Juni nächsten Jahres rauskommt… ob Ihr dieses Buch hier in Euer Sortiment aufnehmt???“

Apropos: Ja, ich war genauso entsetzt, Juni! JUNI!!! Wie kann das sein??? Ich hab das Buch in 10 Monaten geschrieben, warum dauert das 5 Monate, es zu drucken??? Aber zurück in meine Buchhandlung, also ich frag, wann die Entscheidung fällt, was sie in ihr Sortiment aufnehmen...

„Das machen wir so im Januar!" sagt der Mann ein bisschen müde. "Dann wühlen wir uns durch die ganzen Kataloge der Verlage."

Ha!

„Ah“, sage ich, „sehr gut, sehr gut… Wühlt Ihr Euch dann wohl auch durch den Katalog des Ullstein-Verlags????

Ich war nicht sicher, nach dieser Liaison mit Springer neulich...

„Klaro!“ sagt er.

„Ah“, sag ich wieder und klimpere ein bisschen mit den Augen, obwohl ich spüre, dass Klimpern in diesem Fall Energieverschwendung ist, „vielleicht könntet Ihr beim Durchwühlen ja ein besonders wohlwollendes Auge auf ein kleines oranges Taschenbuch haben, das Anleitung zum Entlieben heißt???!“

„Anleitung zum WAS?“

Plötzlich fühlte ich mich irgendwie... doof.

„Anleitung zum Entlieben", nuschel ich also etwas verlegen, „das hab ich nämlich geschrieben, da oben hinter dem Fenster, siehste… da, wo das Licht brennt und die Palme steht... meine Palme Palme, sie kommt auch in dem Buch vor… ja… Und ich fände es so toll, wenn das Buch, das da oben hinter dem Fenster geschrieben wurde… schwupp… ein Jahr später auf der andere Straßenseite im Schaufenster liegt...“

„Ah.“

„Ja. Weißt Du, das ist doch so so so… stadtteilkultur-mäßig… so so… ACT LOCAL quasi ... „

Endlich sah ich Spuren des Interesses in seinem Gesicht.

„Gut, achten wir drauf.“

Mikroskopische Spuren.

„Fein.“

Strahlend verließ ich meine Buchhandlung. Und doch...

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mein Buch wohl niemals sehen werde, wenn ich aus dem Fenster schaue. Mein Buch im nächtlich erleuchteten Fenster meiner Buchhandlung. Ach, wie romantisch wäre das gewesen. Von einer Straßenseite zur anderen hätte ich ihm zuwinken können... dem Büchlein mit der Puppe auf dem Cover... in einer politischen Buchhandlung... das wär´s wirklich, wirklich gewesen. Hätte ich „dem Anderen“ doch wenigstens eine Mütze mit einem roten Stern aufgesetzt, statt mit einem grünen… Mist.

Aber vielleicht nimmt die Konditorei es ja ins Fenster. Die Konditorei, die ich sehe, wenn ich etwas weiter rechts aus dem Fenster schaue... ihrer Käsetorte habe ich immerhin ein ganzes Kapitel gewidmet... Mein Büchlein zwischen den Pralinenpyramiden...

Hach.

P.S. Sorry, wenn ich es auch in nächster Zeit nicht wieder täglich schaffen sollte. Angesichts JUNI muss ich jetzt dringend ein bisschen arbeiten gehen. Parallel müsste ich eigentlich schon mit dem zweiten Buch anfangen. Das soll nämlich dann schon wieder am 1. Dezember 2008 abgegeben werden, damit es im JUNI 2009 erscheinen kann. Und dann ist da ja auch noch das Damokles-Baby... Ja, hier ist was los.