Ein letzter Gruß...
...vom Hamburger Schulterblatt.
Der schönsten Straße der Welt.
Im Moment.
Schluchz.
...vom Hamburger Schulterblatt.
Der schönsten Straße der Welt.
Im Moment.
Schluchz.
(Gestern noch im Kommentar, heute schon als Eintrag, gepriesen sei die blogigo-Verwaltung!)
Irgendwie hatte Lpunkt sich das alles etwas anders vorgestellt.
Ausgerechnet jetzt, wo ich meine geliebte kleine Scheißbude aufgebe, um
bei WE zu wohnen (nicht in derselben Wohnung, aber unter einem Dach
immerhin), da läuft es plötzlich gar nicht mehr gut, gar nicht. Als
brächte uns dieses ganze Umzugsding einander nicht näher, sondern
umgekehrt. Die Stimmung ist äußerst gereizt. Und das kam so...
Ich will die neue Wohnung doch ein bisschen hübsch machen. Nichts
Großes, aber Tapete ab (ich kann kann kann einfach keine Raufaser mehr
sehen...) und Wände weiß streichen (gut, dass man dann alles ganz neu
verputzen muss, hat mich auch ein bisschen kalt erwischt). Und WE hält
das für völlig unnötigen Aufwand, weil es doch nicht für lange ist,
weil es doch nur eine Übergangswohnung ist, bis wir mit Kind und Kegel
in das Häuschen am Stadtrand ziehen. Oder in was Gemeinsames
jedenfalls. Für ihn ist meine neue kleine Bleibe nur so eine Art
Dekompressionskugel, die mir den Übergang vom Alleinleben zum
Zusammenleben ein bisschen angenehmer gestalten soll. Und eine
Dekompressionskugel, findet er, muss man nicht schön machen.
Also hilft er mir nicht. Keinen Handschlag. Ich stehe bis tief in die
Nacht in der Wohnung und er sitzt 10 Meter Luftlinie weiter und sieht
fern. Und ist dann auch noch sauer, weil er den Abend alleine
verbringen musste. Und eifersüchtig, wenn Frau D. oder Olli kommen, um
mir zu helfen – und wenn wir dann vielleicht sogar Spaß haben dabei.
Schwierig ist das gerade alles, schwierig... Und außerdem nennt er mich
jetzt nur noch „Frau Autorin“, nein, gut klingt das irgendwie nicht.
Was das Buch angeht, bin ich auch ein bisschen enttäuscht gerade. Ich
habe erfahren, dass der Verlag gar keine Lesungen für mich vorgesehen
hat und irgendwie hatte ich das immer angenommen. Naiv, ich weiß. Ich
hatte einen riesen Schiss davor und habe mich gleichzeitig aber auch
ein bisschen darauf gefreut. Ich meine: Lesungen… das heißt
gezwungenermaßen Sozialkontakte, gezwungenermaßen Außerhausaufenthalte
... gezwungenermaßen mal ein bisschen fein machen... Ich bin doch
privat etwas kontaktscheu, sag ich mal. Freiwillig gehe ich nicht unter
Leute, freiwillig gehe ich kaum aus dem Haus, ich brauche es, wenn mich
irgendwas dazu zwingt... Nun zwingt mich nichts. Nun sitze ich das
nächste Jahr wieder ununterbrochen zuhause am Rechner. Mist.
Die einzige Lesung werde ich jetzt wohl in Paderborn haben, weil meine
Mutti da ganz stolz zum befreundeten Buchhändler Linnemann marschiert
ist und gesagt hat: Meine Tochter hat ein Buch geschrieben, lade sie mal
ein! Ausgerechnet Paderborn. Wahrscheinlich werde ich ausgebuht, weil
ich so ein paar weniger schmeichelhafte Bemerkungen losgelassen habe
über Paderborn. Und zwar in dem Kapitel „Show must go on – auch in
Paderborn“, in dem Lpunkt kurz nach der Trennung von 119 als „Dame ohne
Tischherren“ die große Geburtstagssause ihrer Eltern im Paderborner
Jägerhof bestreiten muss. Wo sie zusammen mir ihrer Schwester diese
legendäre Dia-Show präsentiert: Mutti als Badenixe an der Riviera, Papa
als Säugling auf Bärenfell… Wo die Paderborner gebannt an ihren Lippen
hängen, scheinheilig lächeln und sich zuraunen: Unglaublich, so
schlecht sieht sie doch gar nicht aus, und kriegt trotzdem keinen mit,
das arme Kind...
Also, keine Lesungen. Und ich hatte mir schon so ein hübsches neues
Kleid ausgesucht, dass ich mir zu diesen Anlässen gezwungenermaßen
endlich mal wieder kaufen müsste, Geld gebe ich seit einem Jahr ja auch
nur noch aus, wenn es wirklich einen sehr guten Grund dafür gibt, Mist,
Mist, Mist.
Und so herrscht also schon wieder mal ein klein wenig Katerstimmung im
Hause Lpunkt. Das schöne neue Leben, das Leben, wenn das Buch erstmal
fertig ist, das Leben mit WE unter einem Dach... es startet irgendwie
ein bisschen... stotternd.
Na, aber mal abwarten.
Den Höhepunkt erreichte meine Nervosität mit der nächtlichen Entdeckung einer neuen sportlichen Disziplin: der des Mohrenkopfpellens.
Aber vorab. Die letzten Tage waren... hektisch. In dem Buch sind über 100 Bilder. 34 kleine Comics bestehend zwei, drei oder vier Fotos. Olli hat sie sich alle angesehen… hier und da ein bisschen aufgehellt oder die Farben angeglichen… nach drei Stunden war das Thema durch. Aber nicht für mich, nicht für Lpunkt. Denn nun hatte ich ja gesehen, wie man das macht. Wie das so geht im Photoshop. Und weil ich es ja nun konnte, machte ich es auch. Wie der sprichwörtliche Hund, der… Sie wissen schon.
Am Ende habe ich dann alles wieder rückgängig gemacht, weil ich dachte, wer weiß, wie das im Druck aussieht, vertrau mal lieber dem Olli, der ist Artdirector, Du bist Lpunkt, Texter und auch noch kurz vorm Tillen.
Denn in der Wohnung geht ja auch alles drunter und drüber. Die Tapeten runter zu reißen und den Putz streichen zu wollen, entwickelt sich zu einem... Abenteuer, sag ich mal sehr positiv. Eigentlich sollte alles schon längst fertig sein. Eigentlich wollte ich am Wochenende umziehen und dann die alte Wohnung noch auf Vordermann bringen, aber daraus wird nichts. Lpunkt verputzt noch. Verputzen, das wollte ich immer schon mal lernen. Leider komme ich nur abends dazu. Tagsüber habe ich ja jetzt diesen Job.
Ein kleiner Werbejob. Damit endlich mal wieder Geld ins Haus kommt. Ich habe ja schon länger nicht mehr bezahlt gearbeitet und der Vorschuss ist aufgebraucht und jetzt dieser Umzug, der sich frühestens in einem halben Jahr auszahlt, und Steuern für 2006 muss ich auch schon wieder nachbezahlen und und und... und das ist wohl der eigentliche Grund meiner Nervosität, ich bin pleite. Und bis Juni, wenn dann die Millionen fließen, weil mein weltweiter Bestseller auf dem Markt ist (HAR), ist es ja noch lang.
Also, der Werbejob. Im Rahmen meines Werbejobs entdeckte ich das Mohrenkopfpellen. Wie in alten Zeiten saß ich nachts in der Küche, wartete darauf, dass mir endlich, endlich, endlich was einfällt, denn schon morgens um neun war ja das nächste Meeting, und plötzlich war da dieser altvertraute Heißhunger auf... Schokolade. Nachts um drei. Und nix da. Die einzige Schokolade, die ich noch im Haus hatte, befand sich an den 24 Mohrenköpfen, die ich für das Mohrenkopf-Shooting mit Ali (der neue Curd, Ali Kautschmann mit bürgerlichem Namen, Curd ist sein Künstlername im Buch)... also, das einzige Schokoladige, was ich noch hatte, waren die Mohrenköpfe von den Fotos im Buch. Die Fotos hatte ich irgendwann Ende November gemacht.
Also...
Mohrenkopfpellen:
Man nehme acht Wochen alte Mohrenköpfe.
Mit einem scharfen Messer (oder zur Not einer Axt) Mohrenkopfwaffel vom Mohrenkopfrumpf trennen.
Sodann sticht man mit einer Gabel in die weiße Mohrenkopfmasse (nach acht Wochen geht das so gerade noch).
Danach die Schokolade von der Mohrenmasse pellen wie die Schale von einem hartgekochten Ei.
Guten Appetit.
P.S. Und dieser SCHEISS Hinweis da oben macht mich auch nervös! Ich fürchte, irgendwann versuche ich einen Eintrag zu schreiben und er wird nicht mehr angenommen... Sollte hier tatsächlich alles zusammenbrechen, bitte "Anleitung zum Entlieben II" googeln... irgendwo anders geht es weiter!
P.P.S. Lieber Oliver, SUPER, vielen Dank :) Ich werde meinen Teil der Abmachung auch einhalten, schreibst Du mir Deine Anschrift ans Postfach hier?
P.P.P.S. Und hier noch ein kleiner Blick auf die weiße Couch. Momentan wird das Cover noch mal neu gemacht. Das, was man im Netz sieht, hab ich zu klein fotografiert zum Drucken. Auch das noch...
Neim, so doch nicht, so doch nicht...
Du musst eimfach besser aussehem, WIE ICH!
P.P.P.P.S. Danke D. für´s Leihen der Kamera!
So, Buch fertig.
Dann fange ich mal an zu packen...
(Ich bin so müde, so müde, so müde... bald mehr.)
Erfolgreicher kann man einen Photokurs nicht abschließen. Ich habe nicht nur nichts begriffen, ich habe auch noch meine Kamera verloren. Herzlichen Glückwunsch, Lchen, bestanden.
Oder – wollen wir mal positiv sein, schließlich ist Sonntag – vielleicht ja doch mein erster Schritt Richtung Profi-Liga, denn nun werde ich mir wohl eine neue Kamera kaufen müssen... Canon oder Nikon... hm, hm, hm... Nikon, die Nikon-Benutzer des Kurses sahen besser aus. Hach, ich Profi!
Und noch eine sehr gute Nachricht: Olli rettet mich! Olli, mein treuer alter Kamerad aus Werbezeiten... Schon vor Ewigkeiten hatte ich ihm auf Band gequasselt und meine Not geschildert wegen der Fotos. Niente. Olli verschollen. Aber heute rief er dann an. Wie aus dem Nichts und mitten in die schwärzeste Jetzt habe ich nicht mal mehr eine Kamera um die beschissenen Bilder neu zu fotografieren-Nacht. "Lchen", sagte er als wäre das schon lange abgemacht, "Lchen, nächstes Wochenende muss ich mir Deine Fotos mal ansehen, nicht, dass Du am Montag Müll ablieferst... wann passt es Dir denn?"
Hach.
P.S. Trotzdem vielen Dank, liebe S., für Dein nettes Angebot in der Post...
Sylvester knallt es ja immer tüchtig. Auch im Hause Lchen & WE.
Was davor geschah...
Es ist Ihnen sicher nicht entgangen. Ich schreibe nicht mehr ganz so viel. Das liegt zu 90 % an dem Buch, anstrengende Sache. Und zu 10 %... an WE. Er mag es nicht, wenn ich "Privates" schreibe und das tue ich hier ja traditionsgemäß. Also habe ich versprochen, mich zu zügeln.
Hab ich mich gezügelt oder hab mich gezügelt?
Sylvester sitzen wir also bei seiner Schwester. Die mich so mag. „Na, nächstes Jahr habt ihr vielleicht schon den kleinen Damokles dabei!?“ grinst sie, während sie schon mal die Sektkelche füllt.
Frohes Neues Jahr!
WE selber liest nicht. Das hat er mir versprochen, als ich ihm versprochen habe, mich zurückzuhalten. Aber seine Schwester findet, ich war nicht zurückhaltend genug.
Und überhaupt bekommt ja jetzt alles eine neue Dimension, findet seine Schwester. Im Netz kann man das Buch schon sehen, auch meinen Namen, meine Nase... Damit ist es mit der Anonymität vorbei, aber nicht nur mit meiner, sondern auch mit der Anonymität derer, über die ich im Blog so munter plaudere.
Ja, so ist es. Was soll ich anderes sagen, das stimmt. WEs Schwester hat absolut Recht. Und nun?
Auf der anderen Seite ist es ja mehr als eine dumme kleine Marotte, dieses Blogschreiben. Es ist das, was ich offenbar liebe (sonst hätte ich es nicht zweieinhalb Jahre lang Tag für Tag unentgeldlich getan). Es ist das, wovon ich lebe (das Buch ist schließlich nur eine Folge des Blogs)... „Dieses Blog bin ich!“ brüllte ich also ein bisschen zu melodramatisch in die Sylvesterknallerei. „Schreiben bin ich!“ Ich hatte halt schon einen in der Krone. „Und ich schreibe nun mal mehr oder weniger unverblümt über das, was mir passiert!“ Seine Schwester prostete mir scheinheilig zu. „Ich versuche, niemanden dabei zu verletzen! Ich versuche, gerecht zu sein! Aber wenn Dir das nicht passt, WE... wenn Dir das alles nur überflüssig und dumm vorkommt, weil es mich vom dringend fälligen Gebären abhält… dann… dann such Dir eine Andere!“ Ahhh, eine Blinksternrakete! „Eine Jüngere!“ Ooh, eine Chrysanteme! „Eine, die einen normalen Job hat!“ Was für ein Feuerwerk! „Einen Job, den sie am besten ganz aufgibt, um Deine Kinder groß zu ziehen - ich glaube, das wäre auch sehr im Sinne Deiner Schwester!“ Jetzt prostete ich ihr zu.
Den Rest der Nacht habe ich WE dann nicht mehr gesehen. Aber morgens, beim Frühstück, war er dann wieder da. Und als seine Schwester beim Kaffee-Einschenken anfing: „Sorry, ich hab da wohl gestern Nacht in ein Vespennest gestochen...“ sagte er: „Nein, Lpunkt kann schreiben, was sie will. Ich weiß, dass sie das gut und verantwortungsvoll macht.“ Ha!
Und das hat er übrigens wirklich gesagt. Nur, falls Einige vielleicht schon weiter denken und fürchten, das wäre ein „WE-Heroisierungs-Eintrag“, um den Haussegen wieder einzupendeln.
Später, unter vier Augen hat er mir zwar auch noch ein paar andere Sachen gesagt, aber das sollte vielleicht wirklich unter vier Augen bleiben (Selbstdarstellerin, Exhibitionistin, Psycho-Stripperin... Frechheit!).
Frohes neues Jahr
Lpunkt