Anleitung zum Entlieben

29.01.2008 um 09:24 Uhr

Mein neues Leleleleben

von: Lapared

(Gestern noch im Kommentar, heute schon als Eintrag, gepriesen sei die blogigo-Verwaltung!)

Irgendwie hatte Lpunkt sich das alles etwas anders vorgestellt.

Ausgerechnet jetzt, wo ich meine geliebte kleine Scheißbude aufgebe, um bei WE zu wohnen (nicht in derselben Wohnung, aber unter einem Dach immerhin), da läuft es plötzlich gar nicht mehr gut, gar nicht. Als brächte uns dieses ganze Umzugsding einander nicht näher, sondern umgekehrt. Die Stimmung ist äußerst gereizt. Und das kam so...

Ich will die neue Wohnung doch ein bisschen hübsch machen. Nichts Großes, aber Tapete ab (ich kann kann kann einfach keine Raufaser mehr sehen...) und Wände weiß streichen (gut, dass man dann alles ganz neu verputzen muss, hat mich auch ein bisschen kalt erwischt). Und WE hält das für völlig unnötigen Aufwand, weil es doch nicht für lange ist, weil es doch nur eine Übergangswohnung ist, bis wir mit Kind und Kegel in das Häuschen am Stadtrand ziehen. Oder in was Gemeinsames jedenfalls. Für ihn ist meine neue kleine Bleibe nur so eine Art Dekompressionskugel, die mir den Übergang vom Alleinleben zum Zusammenleben ein bisschen angenehmer gestalten soll. Und eine Dekompressionskugel, findet er, muss man nicht schön machen.

Also hilft er mir nicht. Keinen Handschlag. Ich stehe bis tief in die Nacht in der Wohnung und er sitzt 10 Meter Luftlinie weiter und sieht fern. Und ist dann auch noch sauer, weil er den Abend alleine verbringen musste. Und eifersüchtig, wenn Frau D. oder Olli kommen, um mir zu helfen – und wenn wir dann vielleicht sogar Spaß haben dabei. Schwierig ist das gerade alles, schwierig... Und außerdem nennt er mich jetzt nur noch „Frau Autorin“, nein, gut klingt das irgendwie nicht.

Was das Buch angeht, bin ich auch ein bisschen enttäuscht gerade. Ich habe erfahren, dass der Verlag gar keine Lesungen für mich vorgesehen hat und irgendwie hatte ich das immer angenommen. Naiv, ich weiß. Ich hatte einen riesen Schiss davor und habe mich gleichzeitig aber auch ein bisschen darauf gefreut. Ich meine: Lesungen… das heißt gezwungenermaßen Sozialkontakte, gezwungenermaßen Außerhausaufenthalte ... gezwungenermaßen mal ein bisschen fein machen... Ich bin doch privat etwas kontaktscheu, sag ich mal. Freiwillig gehe ich nicht unter Leute, freiwillig gehe ich kaum aus dem Haus, ich brauche es, wenn mich irgendwas dazu zwingt... Nun zwingt mich nichts. Nun sitze ich das nächste Jahr wieder ununterbrochen zuhause am Rechner. Mist.

Die einzige Lesung werde ich jetzt wohl in Paderborn haben, weil meine Mutti da ganz stolz zum befreundeten Buchhändler Linnemann marschiert ist und gesagt hat: Meine Tochter hat ein Buch geschrieben, lade sie mal ein! Ausgerechnet Paderborn. Wahrscheinlich werde ich ausgebuht, weil ich so ein paar weniger schmeichelhafte Bemerkungen losgelassen habe über Paderborn. Und zwar in dem Kapitel „Show must go on – auch in Paderborn“, in dem Lpunkt kurz nach der Trennung von 119 als „Dame ohne Tischherren“ die große Geburtstagssause ihrer Eltern im Paderborner Jägerhof bestreiten muss. Wo sie zusammen mir ihrer Schwester diese legendäre Dia-Show präsentiert: Mutti als Badenixe an der Riviera, Papa als Säugling auf Bärenfell… Wo die Paderborner gebannt an ihren Lippen hängen, scheinheilig lächeln und sich zuraunen: Unglaublich, so schlecht sieht sie doch gar nicht aus, und kriegt trotzdem keinen mit, das arme Kind...

Also, keine Lesungen. Und ich hatte mir schon so ein hübsches neues Kleid ausgesucht, dass ich mir zu diesen Anlässen gezwungenermaßen endlich mal wieder kaufen müsste, Geld gebe ich seit einem Jahr ja auch nur noch aus, wenn es wirklich einen sehr guten Grund dafür gibt, Mist, Mist, Mist.

Und so herrscht also schon wieder mal ein klein wenig Katerstimmung im Hause Lpunkt. Das schöne neue Leben, das Leben, wenn das Buch erstmal fertig ist, das Leben mit WE unter einem Dach... es startet irgendwie ein bisschen... stotternd.

Na, aber mal abwarten.