Anleitung zum Entlieben

20.03.2008 um 21:02 Uhr

Die Eier, über denen wir Ostern so brüten...

von: Lapared

Jetzt habe ich – wie man in Autorenkreisen so sagt, räusper, räusper - „die Fahnen“ auf dem Tisch. Also, mein Buch gesetzt und im Prinzip druckfein, 350 Seiten!
Ich muss nur noch mal alles lesen... muss gucken, ob Umbrüche und Absätze stimmen... und habe dabei auch die Chance, noch ein paar letzte kleine Änderungen zu machen, wenn ich will. DIE LETZTE CHANCE – unnötig zu sagen, in welchen psychologischen Ausnahmezustand mich das versetzt!

Gilt es wohl als letzte kleine Änderung, wenn ich die ersten 40 Seiten noch mal neu schreibe, sie gefallen mir nämlich nicht so gut?! Überhaupt finde ich – je öfter ich es lese - das Ganze eigentlich gar nicht mehr sooo witzig, eher peinlich... (So, nun wissen Sie auch, warum ich als Werberin so eine unvergleichliche Rakete war.)

Und Charlotte Roche macht alles noch viel schlimmer. Ich finde Charlotte Roche eigentlich ziemlich gut. Ziemlich. Aber seitdem ich in den letzten Tagen ständig sehe, wie sie mit ihrem sicher ganz fantastischen Roman „Feuchtgebiete“ durch die Talkshows tourt, beschleicht mich noch eine Sorge mehr.

Ich frage mich, ob es richtig war, meiner ersten Lektorin zu folgen, die mein Buch zunächst etwas anal-lastig fand. Erst durch sie fiel mir auf, dass Obstipation, Diarrhöe, Flatulenz und auch ein (tatsächlich erlebter) Darmsanierungs-Aufenthalt auf Mallorca darin vorkamen - für ein „Frauenbuch“ wohl eine eher ungewöhnliche Häufung von Verdauung. Peinlich berührt habe ich das Werk daraufhin ent-analisiert und mich dabei schweren Herzens auch von einer Formulierung getrennt, die ursprünglich mein ganzer Stolz gewesen war, nämlich: Mein flüssiger Stuhl hielt mich fest.

Nur so zum Beispiel. Auf einer höheren, abstrakteren Ebene frage ich mich, ob ich - im Gegensatz zu Charlotte Roche – beim Schreiben nicht viel zu sehr darauf bedacht bin, niemandem weh zu tun oder den Appetit zu verderben. Ob ich mutiger sein müsste, drastischer, tabuloser… und ob eine wie ich, die sich beim leisesten Gegenwind von ihrem Durchfall trennt, es wohl jemals in Talkshows schaffen wird? Ob Roger Willemsen je mein Schaffen preisen wird? Ich meine: Mein flüssiger Stuhl hielt mich fest - Roger! Eigentlich doch ein literarische Perle, hm???!!

Ganz klar, die kommt wieder rein!

Vielleicht.

Vielleicht auch nicht…

Ja, über solch schwierigen Entscheidungen werde ich Ostern also brüten. Beim Durchsehen der Fahnen. WE wird mich bestenfalls auslachen und schlimmstenfalls schimpfen. Ganz sicher wird er vorschlagen, mich Ostern mit wichtigeren Themen zu beschäftigen, Dingen wie dem Weltfrieden… dem häuslichen Frieden… ihm… und natürlich Eiern - in all ihren vielfältigen Erscheinungsformen.

Und in diesem besonderen Falle möchte ich fast meinen – er hat Recht ;)