Anleitung zum Entlieben

06.04.2008 um 13:19 Uhr

Tribute to Stepperchen

von: Lapared

Die Tage werden länger, die Abende milder, morgens trillern die Piepmätzchen, nachts trifft sich die Jugend des Viertels auf dem Spielplatz gegenüber zu alkoholischen Getränken und fröhlichem Kultur-Austausch. Nachwuchs-Bushidos präsentieren eigene Rap-Gesänge, die besten Klingeltöne werden kontrovers diskutiert und tolle neue Handy-Logos vorgeführt. Alles direkt unter meinem Schlafzimmerfenster. Schön, schön, schön.

„Ja, das ist hier so ein Treffpunkt! Im Sommer schlafe ich deshalb auf dem Sofa in der Küche!“, meinte meine Nachbarin mit resigniertem Abwinken. WE grinste nur, seine Wohnung liegt zur anderen Seite. Zumindest nachts wohne ich jetzt also schon mal bei ihm.

Und ich überlege sogar, mein eigenes Schlafzimmer ganz aufzugeben und dort stattdessen ein kleines Fitnessstudio einzurichten. Mein Stepper fehlt mir nämlich bitterlichst. Ach ja, mein Stepperchen, hatte ich das nicht erzählt? Stepperchen durfte doch nicht mit umziehen. In der Dekompressionskugel war kein Platz für ihn. Und außerdem war Stepperchen ja ohnehin kaputt. Endstation Recyclinghof.

Ich glaube ja, dass es daran liegt. Alles. Alles! Die Antriebsschwäche, die Einfallslosigkeit, die Schreibblockade. Das alles kommt, weil ich nicht mehr auf Stepperchen stehen und mir Filme ansehen kann. Also, eigentlich vermisse ich nicht nur Stepperchen, sondern die Filme.

Nein, ich kann mir die Filme nicht „einfach so“ ansehen (tszz, wenn das Leben so einfach wäre…) Es ist mir aufgrund meiner psychischen Konstitution nun mal nicht möglich, stundenlang auf dem Sofa zu sitzen und Filme anzusehen. (Ich bitte Sie, ich bin ein dynamischer, leistungsfreudiger Mensch!) Ich brauche die Alibibewegung auf dem Stepper um mir Filme reinzuziehen. Und ich brauche die Filme als Inspiration, denn selbst erleben ist mir zu anstrengend. Ja, so hängt das nämlich alles zusammen. (Können Sie mir folgen?)

Also überlege ich, von der doppelten Haushaltsführung abzurücken und mein Schlafzimmer zum Fitness-, nein „Inspirations-Studio“ umfunktionieren, ähäm. Der Raum hat eigentlich die ideale Maße. Mit seinen 3,20 x 2,90 m war er ohnehin etwas zu klein für mein 2,00 x 2,00 Bett. Aber nur ein Fernseher, ein feines neues Stepperchen mit Getränkehalter und Knabberschale, entlang der Wände meine Videosammlung, das wäre eigentlich die ideale Ausstattung.

Und dann endlich wieder mal in Schlafanzug und Badelatschen auf dem Stepper stehen… vielleicht zum 687sten Mal "Das Leben des Brian" sehen… und mit vollem Mund den Text mitsprechen: "Setz Dich, nimm dir 'n Keks, mach es Dir schön bequem… Du Arsch!"

Hach, ich glaube, dann wird alles wieder gut.

P.S. Aber kein eigenes Bett mehr haben? Hm, hm, hm...