Anleitung zum Entlieben

27.09.2009 um 14:15 Uhr

Tschüss Handylein

von: Lapared

Manches lernt man erst zu schätzen, wenn man es nicht mehr hat. Ja, ja. Das gilt nicht nur für seine Spuckespritzer auf dem Badezimmerspiegel, wenn er und seine Zahnseide gegangen sind. Und tschüss. Sondern auch für moderne Kommunikationstechnologie.

Mein Handy ist weg. Jahrelang hatte ich mich gerne ein bisschen interessant damit gemacht, dass ich es quasi nicht brauche und ständige Erreichbarkeit nicht für erstrebenswert halte (der gewisse kauzige Touch). Dass ich aus Überzeugung fast nur zuhause telefoniere, dort dann allerdings mit dem Handy, weil ich auch kein Festnetz habe (der gewisse bescheuerte Touch). Und nun, da ich mein Handy verloren habe, gerät mein Leben komplett aus dem Lot.

Ich sitze zuhause und grüble, wer mich im Moment möglicherweise zu erreichen versucht. Einmal, zweimal, und sich dann überlegt, doch lieber das Buch dieser bisexuellen Pinguinforscherin zu verfilmen und nicht meins. Oder den Motiv-Toaster dann eben einem anderen Gewinnspielteilnehmer zu schenken. Das macht mich fürchterlich nervös.

Noch dazu verspüre ich selbst plötzlich ein übermächtiges Bedürfnis anzurufen. Sogar Menschen, die mir nie besonders nahe standen („Ich saß links außen, letzte Reihe…“). Jetzt, wo ich ohne Telefon bin, platze ich beinahe vor Neugier, wie es ihnen wohl geht. („Ach was? Sie unterrichten kein Mathe mehr?“).

Seit Donnerstag geht das nun schon. Ich bin völlig neben der Spur ohne mein Handy. Weil ich wie gesagt über all die verpassten historische Anrufe grüble, dringende Kommunikationsbedürfnisse unterdrücke, vor allem aber durch eins: weil ich den halben Tag verpenne. Mein Handy war nämlich mein einziger Wecker. Zehn Jahre hat es mich zuverlässig jeden Morgen geweckt. Mich und die Nachbarn. Spätestens nach ein oder zwei Stunden ununterbrochenem, tapferen Piepen. Tschüss Handylein.