Letzte Woche wollte ich mal ein bisschen kürzer treten. Ein
bisschen vom Gas gehen. Ein bisschen das Seelchen baumeln lassen, bim bam. Es
war weiß Gott kein leichtes Jahr.
Aber ein bisschen (in Lautschrift: ein bisschen) geht ja bei
Lchen nicht. Ein bisschen ist ein Fremdwort. Innerhalb von drei Tagen fiel ich
von Tempo Zweihundert in den totalen Stillstand. Nichts ging mehr. Innerhalb
von drei Tagen mutierte Lchen, das fleißige Bienchen, zu Lpunkt, dem faulen
Sack.
Es begann an Tag 1 noch relativ harmlos damit, dass ich um
acht statt um sieben meinen Popo auf Rolli hievte, um zum Frühschwimmen zu radeln.
Eine fatale Tendenz. An Tag 2 öffnete ich mein schlafverklebtes Auge (ja,
erstmal nur eins) erst am frühen Nachmittag, um den DHL-Mann mit Blicken zu
töten, der es wagte, mir meine letzte Amazon-Bestellung an die Tür liefern zu
wollen: ein preisreduziertes Funktionsunterhemd für Outdoor-Aktivitäten
(Aktivi-WAS?). Und den dritten Tag verbrachte ich dann schon komplett im
Pyjama. Ein Funktions-Pyjama für Extrem-Couchsitzen und extrem traurige Filme
gucken. Das Seelchen baumelte nicht, das Seelchen hing – ächzend und
quietschend - durch. Durch, durch, durch.
Weshalb ich auch – und deshalb erzähle ich das alles – nicht
mal mehr den kleinsten alltäglichen Pflichten nachkommen konnte. Auch nicht
denen als Curds Sekretärin. All denjenigen Junior-Muttis und -Vatis, die letzte
Woche versucht haben, dem Chef eine Mail zu schreiben, aber eine Fehlermeldung
bekommen haben, auf diesem Wege: Entschuldigung.
Ab morgen schwingt sich die Sekretärin wieder pünktlich um
sieben auf ihren treuen alten Drahtesel Rolli. Und macht auch alles andere, was
am Tag so ansteht, leert zum Beispiel Curds Mailbox, die leider nur 12 MB fasst. Lpunkt back in the saddle
again.
P.S. In irgendeinem Film gibt es doch diese Szene, in der
ein Mann mit dem Löffel an sein Glas schlägt, um eine Rede zu halten. Pling!
Pling!
Er ist schrecklich nervös. Es ist wirklich eine wichtige
Rede, vor wichtigen Menschen, er hat sich wochenlang darauf vorbereitet. Und
als es nach dem Pling! Pling! still wird und alle ihn ansehen und gespannt
seine Worte erwarten, ist das erste, was ihm entfährt – natürlich unwillentlich
entfährt – ein Pups.
Es könnte sein, dass ich gerade dieser Mann bin (ich glaube,
es war Peter Sellers, aber ich bin nicht sicher…). Es könnte sein, dass ich
gerade um Aufmerksamkeit für eine Peinlichkeit bitte, ich tue es trotzdem, denn
ich habe es Liz versprochen... Pling! Pling!
Nächsten Sonntag, den 22.11. um 15.15 Uhr im NDR-Fernsehen:
„LIEBESLEID“. Die TV-Dokumentation von Liz Wieskerstrauch über Menschen mit
Liebesschmerzen, bei der ich im Sommer mitgemacht habe. Jetzt wird sie also
gesendet und ich habe sie leider vorher nicht ansehen dürfen (warum eigentlich
nicht? Warum nicht??? Au weia…). Ich hoffe (bete!!!) es wird kein – Ruhe bitte!
– Pfffffffffft.