Curd ist besser als ein Hund. Soweit bekannt. Er ist
intelligenter und sieht besser aus. Er haart nicht und riecht neutral. Selbst,
wenn er pupst, ist das bei Curd kein unkontrollierter stinkender Abwind,
sondern ein wohlüberlegter, fein gesetzter Kommentar. Pfffffff f ff t. Also, Curd
ist dem gemeinen Haustier in vielerlei Punkten überlegen. Einen weiteren habe
ich an diesem Wochenende entdeckt: Curds „Flirtfaktor“, nennt so etwas wohl die
BRIGITTE.
Er ist enorm. Höher als bei einer Golden Retriever-Welpe,
wage ich zu spekulieren. Zumindest war er das heute, als ich mit Curd ein paar
Stunden im Park und der näheren Umgebung unterwegs war, um schon mal Fotos fürs
nächste Buch zu machen. Vielleicht lag´s auch am freundlichen Wetter - endlich mal
wieder Schnee, wie schön – jedenfalls habe ich bei diesem Spaziergang mehr
Bekanntschaften gemacht als damals, nach drei dürren Singlejahren, mit fünfzehn Promille auf meiner ersten und letzten “Fisch-sucht-Fahrrad“-Party.
Es war fantastisch. Fast jeder, der mich Curd fotografieren sah,
hat mich angesprochen. Die meisten (etwa 98%) sprachen betont langsam, weil sie
offenbar von einer geistigen Beeinträchtigung auf meiner Seite ausgingen. „Der… ist… ja… drollig.“ Und laut, weil die
Doofen ja auch meist nicht richtig hören. „HAT… DER… EINEN… NAMEN?“ Ich antworte dann
immer sehr freundlich und betont flüssig: „Ja, das ist
Curd Rock, ein Stofftier, das ich für ein Weblog fotografiere, aus dem auch
schon zwei Romane entstanden sind. Schönen Sonntag, Ihre Mütze ist aber auch pfiffig!“ Ich gebe zu, diese
Kontakte sind nicht flirtmäßig nicht so ergiebig, es handelt sich meistens um
nette ältere Damen mit Strickhüten, die sich noch mal anstupsen, wenn sie an
mir vorbei sind. Und eine erzählt dann den Witz von Tünnes, der ins Irrenhaus muss,
weil er eine Zahnbürste an der Hundeleine hinter sich herzieht…* Das ist die eine Gruppe von Kontakten, die ich Curd
verdanke.
Die zweite Gruppe (1,9%) sind Familie. Also, welche von uns. Menschen, die begriffen haben. Sie stellen keine Fragen, sie wissen, dass
Stofftiere, die im Schnee rumstehen, einfach ihren Job machen wie wir alle. Diese
Menschen sagen schlicht und unaufgeregt: „Soll ich ihn mal halten?“ Oder sie
wenden sich an Curd direkt, Begegnungen auf Augenhöhe: „Gute Schuhe, Mann, ich
hab die gleichen.“ Und manche wissen sogar, wen sie vor sich haben und sagen:
„Hallo Curd, du arme Sau, musst du heute arbeiten?!“ Und gehen dann einfach
weiter. Sehr nett, sehr angenehm.
Und dann gibt es da noch eine ganz besondere Gruppe. Ich
gebe zu, eigentlich war es eher eine Einzelperson. Er heißt Gerry (also ich
nehme an, ein gebürtiger Gerhard) und er hat mir heute, als ich unter seinem
Fenster im Schnee rumkroch und Curd beim Flanieren auf dem Bürgersteig fotografierte, eine halbe Isomatte
rausgebracht zum Unterlegen. Ich könnte sie irgendwann zurückbringen, wenn ich fertig sei. Ja,
das war nett. Ein sehr nettes Zurückbringen (deshalb - und wegen der Scheißmigräne - bin ich so spät). Ein sehr netter Mensch. Und die Isomatte ist nicht
bei einem Scheidungskrieg halbiert worden, die Scheidung sei ganz harmonisch verlaufen,
hat er beteuert. (Den wahren Grund für die Halbierung der Matte will er mir ein anderes Mal verraten.) Warum ist mir so was nie passiert, als ich Single war? Und vor
allem, was fange ich mit Curds enormen Flirtfaktor an, welche Verschwendung… eigentlich
schade… ärgerlich… das beschäftigt mich irgendwie… Curd vermieten?
* Den Witz von Tünnes im Irrenhaus habe ich glaube ich schon
mal erzählt. Es ist der einzige, den ich kenne, das macht ihn aber nicht
besser. Also, Tünnes wird ins Irrenhaus eingeliefert. Fragt der Irrenarzt:
„Herr Tünnes, Sie ziehen eine Zahnbürste hinter sich her, würden Sie mir den Grund verraten?“ Sagt der Tünnes: „Herr Doktor. Das ist keine Zahnbürste, das ist ein
Hund!“ Oh Gott, denkt der Doktor, der ist eindeutig bekloppt, wegschließen! Ein paar
Wochen vergehen. Tünnes zieht immer noch die Zahnbürste hinter sich her. Der Doktor bei der Visite: „Na,
Tünnes?! Wie geht´s dem Hündchen?“ Darauf Tünnes: „Das ist doch kein Hund, Herr Doktor, das
ist eine Zahnbürste.“ Sofort wird er als geheilt entlassen. Kaum ist Tünnes draußen, dreht er sich um:
„Was Fifi, den haben wir angeschmiert!“
Ich hab doch gesagt, er ist schlecht ;) Schönen Sonntagabend.