Anleitung zum Entlieben

07.03.2010 um 22:16 Uhr

Außenshootimg

von: Lapared

 Ah, eim trockenes Plätzchem...

 Gutem Tag, ich heiße Curd Rock umd Sie?

 Ist Ihnem nicht kalt so gamz ohme Mützchem?

 Sie ahnem nicht, wie mir die Außemshootimgs auf die Nervem gehem.

 Wieso kann sie mich nicht eimfach auf meim Couch fotografieren?

07.03.2010 um 22:15 Uhr

Curd vermieten?

von: Lapared

Curd ist besser als ein Hund. Soweit bekannt. Er ist intelligenter und sieht besser aus. Er haart nicht und riecht neutral. Selbst, wenn er pupst, ist das bei Curd kein unkontrollierter stinkender Abwind, sondern ein wohlüberlegter, fein gesetzter Kommentar. Pfffffff f ff t. Also, Curd ist dem gemeinen Haustier in vielerlei Punkten überlegen. Einen weiteren habe ich an diesem Wochenende entdeckt: Curds „Flirtfaktor“, nennt so etwas wohl die BRIGITTE.

Er ist enorm. Höher als bei einer Golden Retriever-Welpe, wage ich zu spekulieren. Zumindest war er das heute, als ich mit Curd ein paar Stunden im Park und der näheren Umgebung unterwegs war, um schon mal Fotos fürs nächste Buch zu machen. Vielleicht lag´s auch am freundlichen Wetter - endlich mal wieder Schnee, wie schön – jedenfalls habe ich bei diesem Spaziergang mehr Bekanntschaften gemacht als damals, nach drei dürren Singlejahren, mit fünfzehn Promille auf meiner ersten und letzten “Fisch-sucht-Fahrrad“-Party.

Es war fantastisch. Fast jeder, der mich Curd fotografieren sah, hat mich angesprochen. Die meisten (etwa 98%) sprachen betont langsam, weil sie offenbar von einer geistigen Beeinträchtigung auf meiner Seite ausgingen. „Der…  ist… ja… drollig.“ Und laut, weil die Doofen ja auch meist nicht richtig hören. „HAT… DER… EINEN… NAMEN?“ Ich antworte dann immer sehr freundlich und betont flüssig: „Ja, das ist Curd Rock, ein Stofftier, das ich für ein Weblog fotografiere, aus dem auch schon zwei Romane entstanden sind. Schönen Sonntag, Ihre Mütze ist aber auch pfiffig!“ Ich gebe zu, diese Kontakte sind nicht flirtmäßig nicht so ergiebig, es handelt sich meistens um nette ältere Damen mit Strickhüten, die sich noch mal anstupsen, wenn sie an mir vorbei sind. Und eine erzählt dann den Witz von Tünnes, der ins Irrenhaus muss, weil er eine Zahnbürste an der Hundeleine hinter sich herzieht…* Das ist die eine Gruppe von Kontakten, die ich Curd verdanke.

Die zweite Gruppe (1,9%) sind Familie. Also, welche von uns. Menschen, die begriffen haben. Sie stellen keine Fragen, sie wissen, dass Stofftiere, die im Schnee rumstehen, einfach ihren Job machen wie wir alle. Diese Menschen sagen schlicht und unaufgeregt: „Soll ich ihn mal halten?“ Oder sie wenden sich an Curd direkt, Begegnungen auf Augenhöhe: „Gute Schuhe, Mann, ich hab die gleichen.“ Und manche wissen sogar, wen sie vor sich haben und sagen: „Hallo Curd, du arme Sau, musst du heute arbeiten?!“ Und gehen dann einfach weiter. Sehr nett, sehr angenehm.

Und dann gibt es da noch eine ganz besondere Gruppe. Ich gebe zu, eigentlich war es eher eine Einzelperson. Er heißt Gerry (also ich nehme an, ein gebürtiger Gerhard) und er hat mir heute, als ich unter seinem Fenster im Schnee rumkroch und Curd beim Flanieren auf dem Bürgersteig fotografierte, eine halbe Isomatte rausgebracht zum Unterlegen. Ich könnte sie irgendwann zurückbringen, wenn ich fertig sei. Ja, das war nett. Ein sehr nettes Zurückbringen (deshalb - und wegen der Scheißmigräne - bin ich so spät). Ein sehr netter Mensch. Und die Isomatte ist nicht bei einem Scheidungskrieg halbiert worden, die Scheidung sei ganz harmonisch verlaufen, hat er beteuert. (Den wahren Grund für die Halbierung der Matte will er mir ein anderes Mal verraten.) Warum ist mir so was nie passiert, als ich Single war? Und vor allem, was fange ich mit Curds enormen Flirtfaktor an, welche Verschwendung… eigentlich schade… ärgerlich… das beschäftigt mich irgendwie… Curd vermieten?

* Den Witz von Tünnes im Irrenhaus habe ich glaube ich schon mal erzählt. Es ist der einzige, den ich kenne, das macht ihn aber nicht besser. Also, Tünnes wird ins Irrenhaus eingeliefert. Fragt der Irrenarzt: „Herr Tünnes, Sie ziehen eine Zahnbürste hinter sich her, würden Sie mir den Grund verraten?“ Sagt der Tünnes: „Herr Doktor. Das ist keine Zahnbürste, das ist ein Hund!“ Oh Gott, denkt der Doktor, der ist eindeutig bekloppt, wegschließen! Ein paar Wochen vergehen. Tünnes zieht immer noch die Zahnbürste hinter sich her. Der Doktor bei der Visite: „Na, Tünnes?! Wie geht´s dem Hündchen?“ Darauf Tünnes: „Das ist doch kein Hund, Herr Doktor, das ist eine Zahnbürste.“ Sofort wird er als geheilt entlassen. Kaum ist Tünnes draußen, dreht er sich um: „Was Fifi, den haben wir angeschmiert!“

Ich hab doch gesagt, er ist schlecht ;) Schönen Sonntagabend.