Anleitung zum Entlieben

21.03.2010 um 15:29 Uhr

Frühlingsgezwitscher

von: Lapared

Der Frühling kommt, die Vögel zwitschern, Lchen hat in dieser Woche erstmals die lange Unterhose weggelassen… (unter 140 Zeichen) Apropos Zwitschern. 

Aufmerksamkeit, heißt es ja immer, sei die neue Währung. Geld sei zwar immer noch eine feine Sache, aber berauschender als ein warmer Geldregen seien Millionen Follower bei Twitter. Bin ich altmodisch, wenn ich lieber das Geld nehmen würde? Um mir davon ein Häuschen am Meer zu kaufen? Ganz einsam, nur mit einem Supermarkt als Nachbar? Und einem Bäcker vielleicht, ich glaube, ich möchte nicht ohne Streuselschnecken leben…

Ich weiß nicht, ob es Ihnen aufgefallen ist, aber Curd und ich sind weder bei Twitter noch bei Facebook*. Und manchmal denke ich, dass ich das vielleicht ändern sollte. Meine Freundin findet, das müsste ich, dazu sei ich als Autorin, die vom Interesse anderer Menschen lebt, quasi verpflichtet. Kann sein, vielleicht hat sie Recht, ich fürchte nur…

Ich fürchte, dass mir das vielleicht zu viel würde. Ich fürchte, mich mit meinem Erwiderungszwang würde das Hyper-Interaktive daran völlig irre machen (ICH  MUSS AUF JEDE NACHRICHT ANTWORTEN ICH MUSS REAGIEREN ICH MUSS MICH BEDANKEN ICH MUSS SOFORT ICH MUSS). Ich fürchte, ich käme gar nicht mehr zur Ruhe.

Oder ich fürchte das Gegenteil. Vielleicht fürchte ich auch, dass sich kein Schwein für mich interessieren würde. Dass ich nicht zu den Aufmerksamkeits-Riesen zählen würde, sondern zu den unbeachteten Zwergen. Dass meine Freundin womöglich mehr Follower hätte als ich! Ich fürchte, ich würde süchtig, ein gieriger fetter Aufmerksamkeitskapitalist, der immermehrmehrmehr will! Ich fürchte, ich fürchte, ich fürchte... Ich weiß eigentlich nicht genau, was ich fürchte, aber irgendwie fürchte ich mich. Ich fürchte mich vor Facebook und Twitter.

Vielleicht, wenn ich ein Häuschen am Meer hätte. Nur mit einem Supermarkt und einem Bäcker als Nachbarn (und mit einem Internetanschluss natürlich). In dem ich den ganzen Tag am Rechner sitzen könnte und sonst nicht viel tun müsste. Ich glaube, dann würde ich mich sicher wahnsinnig freuen, in die Welt hinaus zu zwitschern, dass ich gerade aufs blaue Meer hinaus gucke und eine herrliche Streuselschnecke futtere. Und dass ich dabei keine lange Unterhose trage, zumal es hier das ganze Jahr frühlingshaft warm ist. (Genau 140 Zeichen, hm, das klappt eigentlich schon ganz gut…). Aber an sich bin ich davon noch ein paar Milliönchen entfernt.

* ja, ich hab gehört, dass jemand irgendwo ein Profil für Curd angelegt hat (Danke! Bestimmt ein Fan!), aber Curd selbst ist das nicht gewesen, der hat viel zu viel um die Öhrchen mit seinen Jungs…