Wenn Frauen nach einer langen schweren Trennung das Köpfchen
vorsichtig wieder aus der Höhle strecken, ist das Erste, was sie brauchen oder
zumindest zu brauchen glauben, eine neue Frisur. Das ist eins der wenigen
Klischees über Frauen, das kein Klischee ist, sondern die reine Wahrheit. Wenn
wir die Kraft finden, neu anzufangen und uns vielleicht nach einer neuen Liebe
umzusehen, dann weiß es als erster unser Friseur. (Leider ist der - wegen eines
der wenigen Klischees über Männer, das kein Klischee ist, sondern die Wahrheit -
der letzte, den es interessiert.)
Ich werde so schnell nicht zum Friseur gehen. Noch nie war
mir meine Frisur gleichgültiger. Trotzdem stehen die Zeichen auf Neuanfang,
nicht in meinem Liebes- aber in meinem Badeleben. Ich gehe neuerdings nämlich
mit dem Kopf unter Wasser. Ja! Der Beginn einer neuen Ära.
Ich habe es natürlich nicht freiwillig getan. Sie erinnern
sich, ich war die Dame, die trockenen Haares nach einer Olympiamedaille im
Brustschwimmen greifen wollte. Ich war stolz auf meinen Tuckerstil, nur
Leidensdruck konnte mich dazu bewegen, ihn aufzugeben, und den hatte ich in den
letzten Wochen. Eine Sehnenscheidenentzündung (ja, das auch noch, ich arme
Sau), ich konnte meinen rechten Arm kaum noch bewegen. „Mausarm“, sagte der
Facharzt. „Sie arbeiten zu viel“. Süß.
Eine intime Analyse meiner Lebensbedingungen kam zu einem
anderen Ergebnis. Sie ergab, dass wohl eher mein neues Freizeitverhalten als mein
exzessives Arbeiten als Ursache meiner Beschwerden in Frage kam. Mein Frühsport
auf dem heimischen Crosstrainer, mein exzessives Milchschaumschlagen mehrmals
täglich für den Kaffee… und vor allem mein nachmittägliches Damenbaden. Wenn ich Kummer hab, muss ich doch immer ins Wasser. Ich
ahnte: Mein Mausarm war eigentlich ein Tuckerarm. Nicht sehr ehrenvoll, aber wahr.
Ich beschloss also mit dem Tuckern aufzuhören. Und
anzufangen richtig zu schwimmen.
Und letzte Woche wagte ich es dann. An einem der fiesen kalten
Tage, als niemand außer mir im Becken war, dachte ich plötzlich, Lchen, scheiß
auf die Haare, JETZT… und blubb blubb, weg war ich. Mein erster Schwimmzug mit Untertauchen.
Eine Offenbarung! Meine Nackenmuskeln seufzten auf vor Erleichterung (Danke Lchen, endlich!) Seitdem
bin ich kaum wieder aufgetaucht. Ich fühle mich herrlich unter Wasser. Und
irgendwie bin ich trotz des gänzlich fehlenden Friseurimpulses guter Dinge für mein
Liebesleben seit ich tauche. Denn wie hieß es am Anfang jeder Folge von Dominik
Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“, der besten Serie, die es im deutschen
Fernsehen je gegeben hat: „Großmutter hat gesagt… Kindchen, unter Wasser siehst
du den Mann, den du liebst…“
http://www.youtube.com/watch?v=D2U1fShCcjI&feature=related
(Sorry, irgendwie ist der Bogen vom Friseur zu Dominik Graf nicht
ganz glücklich, hm? Aber ich wollte doch unbedingt noch diese sensationelle Serie
erwähnen, die müssen Sie sich wirklich anschauen, falls Sie sie auf arte
verpasst haben, sie kommt demnächst noch mal auf ARD!)