Anleitung zum Entlieben

02.05.2010 um 17:40 Uhr

Mord im Schlaf

von: Lapared

Als Kind bin ich gelegentlich schlafgewandelt. Im Gegensatz zu den meisten Schlafwandlern beließ ich es dabei aber nicht einfach beim Wandeln. Wenn ich schon mitten in der Nacht aufstand, wollte ich auch gleich Dinge erledigen. Nichts Großes wie z.B. Kenneth Parks, der Kanadier, der im Schlaf 23 Kilometer mit dem Auto fuhr und dann seine Schwiegermutter umlegte (ja! Der einzig gerichtlich anerkannte Fall von Mord im Schlaf!), ich spitzte lediglich meine Buntstifte an oder wusch mein Schlaftier Fifi in einem Perwollbad. Nie wäre ich auf die Idee gekommen einfach nur rumzulaufen, Müßiggang war mir fremd, selbst beim Schlafwandeln - was ich nur sagen will: Es stimmt, was ich letzte Woche geschrieben habe. Ich arbeite wirklich sehr viel. Und sehr gerne! Ich liege auch gerne mal faul im Freibad in der Sonne, aber nur, wenn ich vorher eine Stunde geschwommen bin (na ja, eine halbe, getuckert…) Ich kann nicht anders, ich will ständig irgendwas machen. WE war das immer absolut fremd.

Ich kenne keinen Mensch, der weniger Ehrgeiz hat als WE. Er mag seinen Job sehr, aber er würde nie auch nur eine Stunde länger arbeiten, ohne bezahlt zu werden. Und wenn man ihn nach seinen Wünschen fragte, sagte er immer: Ich will, dass alles bleibt, wie es ist. Auch die neue Frau hat er nicht gesucht. Sie war einfach da, eine Kollegin (zu sagen, dass sie sich anbot, wäre wohl ein bisschen boshaft?!). Und einen Wunsch hat WE eben doch. Kinder. Ich denke, das war wohl der Grund…

Treue Leser erinnern sich vielleicht: Ich bin die Frau, die ihr Baby Damokles nennen wollte. Weil es, seit sie die 35 überschritten hatte, wie ein Damokles-Schwert über ihrem Leben schwebte (normalerweise sollte jenseits der 35 etwas ticken und nicht schweben). Mit anderen Worten, mein Kinderwunsch war immer eher mäßig ausgeprägt.  

Als wir es dann auf den letzten Drücker doch noch versuchten, klappte es nicht. Und nein, ich war nicht am Boden zerstört. Jedenfalls nicht so sehr, dass ich mich deshalb mit Hormonen behandeln lassen wollte. Obwohl ich – wie viele wissen - sonst stets eine besonders ausgeprägte Sehnsucht nach dem entwickle, was ich nicht kriegen kann, dachte ich im Falle von Baby Damokles einfach: Lchen, altes Mädchen, dann soll es wohl nicht sein. Geh schwimmen.

Die neue Frau ist ein Familienmensch. Hat schon zwei Kinder und möchte gerne noch welche. (Und ist zudem ein etwas jüngeres Mädchen). Da kann man dann wohl nur sagen, viel Glück.

P.S. Sagen Sie nichts, um diese Haltung habe ich Wochen gerungen... (Und den Fall von Kenneth Parks habe ich nicht umsonst studiert - der Mann kam nämlich mit einem Freispruch davon.)