Anleitung zum Entlieben

16.05.2010 um 23:57 Uhr

Keine neue Frisur

von: Lapared

Wenn Frauen nach einer langen schweren Trennung das Köpfchen vorsichtig wieder aus der Höhle strecken, ist das Erste, was sie brauchen oder zumindest zu brauchen glauben, eine neue Frisur. Das ist eins der wenigen Klischees über Frauen, das kein Klischee ist, sondern die reine Wahrheit. Wenn wir die Kraft finden, neu anzufangen und uns vielleicht nach einer neuen Liebe umzusehen, dann weiß es als erster unser Friseur. (Leider ist der - wegen eines der wenigen Klischees über Männer, das kein Klischee ist, sondern die Wahrheit -  der letzte, den es interessiert.)

Ich werde so schnell nicht zum Friseur gehen. Noch nie war mir meine Frisur gleichgültiger. Trotzdem stehen die Zeichen auf Neuanfang, nicht in meinem Liebes- aber in meinem Badeleben. Ich gehe neuerdings nämlich mit dem Kopf unter Wasser. Ja! Der Beginn einer neuen Ära.

Ich habe es natürlich nicht freiwillig getan. Sie erinnern sich, ich war die Dame, die trockenen Haares nach einer Olympiamedaille im Brustschwimmen greifen wollte. Ich war stolz auf meinen Tuckerstil, nur Leidensdruck konnte mich dazu bewegen, ihn aufzugeben, und den hatte ich in den letzten Wochen. Eine Sehnenscheidenentzündung (ja, das auch noch, ich arme Sau), ich konnte meinen rechten Arm kaum noch bewegen. „Mausarm“, sagte der Facharzt. „Sie arbeiten zu viel“. Süß.

Eine intime Analyse meiner Lebensbedingungen kam zu einem anderen Ergebnis. Sie ergab, dass wohl eher mein neues Freizeitverhalten als mein exzessives Arbeiten als Ursache meiner Beschwerden in Frage kam. Mein Frühsport auf dem heimischen Crosstrainer, mein exzessives Milchschaumschlagen mehrmals täglich für den Kaffee… und vor allem mein nachmittägliches Damenbaden. Wenn ich Kummer hab, muss ich doch immer ins Wasser. Ich ahnte: Mein Mausarm war eigentlich ein Tuckerarm. Nicht sehr ehrenvoll, aber wahr.

Ich beschloss also mit dem Tuckern aufzuhören. Und anzufangen richtig zu schwimmen.

Und letzte Woche wagte ich es dann. An einem der fiesen kalten Tage, als niemand außer mir im Becken war, dachte ich plötzlich, Lchen, scheiß auf die Haare, JETZT… und blubb blubb, weg war ich. Mein erster Schwimmzug mit Untertauchen. Eine Offenbarung! Meine Nackenmuskeln seufzten auf vor Erleichterung (Danke Lchen, endlich!) Seitdem bin ich kaum wieder aufgetaucht. Ich fühle mich herrlich unter Wasser. Und irgendwie bin ich trotz des gänzlich fehlenden Friseurimpulses guter Dinge für mein Liebesleben seit ich tauche. Denn wie hieß es am Anfang jeder Folge von Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“, der besten Serie, die es im deutschen Fernsehen je gegeben hat: „Großmutter hat gesagt… Kindchen, unter Wasser siehst du den Mann, den du liebst…“

http://www.youtube.com/watch?v=D2U1fShCcjI&feature=related 

(Sorry, irgendwie ist der Bogen vom Friseur zu Dominik Graf nicht ganz glücklich, hm? Aber ich wollte doch unbedingt noch diese sensationelle Serie erwähnen, die müssen Sie sich wirklich anschauen, falls Sie sie auf arte verpasst haben, sie kommt demnächst noch mal auf ARD!)