Anleitung zum Entlieben

04.07.2010 um 15:30 Uhr

Ein Spiel ist rund und der Ball dauert neunzig Minuten

von: Lapared

Zwei Dinge gab es, auf die man sich bei Lpunkt stets verlassen konnte:

Die tollste Mann ist der, der weg ist. Und eine Beziehung dauert mindestens zwei Runden.

Aber irgendwie ist diesmal alles anders, das goldene Lchen-Gesetz der Anziehung durch Abstoßung gilt nicht mehr. Wenn jemand mich zum Mond geschossen hat, fühle ich mich tatsächlich von ihm abgestoßen und nicht angezogen. Nicht originell, aber für mich persönlich einigermaßen neu. Wie komme ich jetzt darauf?

WE ist unglücklich in seiner neuen Beziehung. Das neue Familienleben ist anstrengend, seit er nicht mehr der Stargast ist, sondern fest verpflichtet. Schade. Schon werden vorsichtig die Fühlerchen ausgestreckt. Teils zurück zum Vertrauten. Teils - da bin ich sicher - auch in neue unentdeckte Welten. Doch soweit es mich betrifft: kein Interesse.

Heißt übersetzt: kein Interesse. Nicht Stolz oder Zieren oder Zappeln lassen, sondern: nein danke. Ich muss sagen, ich erkenne mich selbst nicht wieder. Und natürlich erforsche ich mit gebührender Gründlichkeit die Ursache dieser massiven Persönlichkeitsveränderung. So glatt und endgültig trennt sich ein Lchen doch nicht!

Erst dachte ich, es läge am Tod meines Vaters. Ein Todesfall ist für jeden, der es bisher nicht konnte, ein Crashkurs im Loslassen. Vatis Tod hatte es vielleicht auch mir endlich beigebracht, kann sein - doch dann entwickelte ich andere Theorie, die mir besser gefiel.

Ich dachte, es hätte gar nichts mit mir zu tun, sondern nur mit WE. Ich dachte, er wäre so eine unvergleichliche PFEIFE, dass selbst ich diesmal nein danke sagen könne. Aber auch das ist natürlich Unsinn. WE ist nicht mehr oder weniger Pfeife als Dick oder 119 oder jeder andere, für den ich die Tür jahrelang nur anlehnte. (Lchen, die mit der Schwingtür.) Also, wieso will ich WE nicht wieder haben? Was ist passiert mit mir seit der letzten Trennung? Jetzt endlich habe ich einen interessanten neuen Ansatz…

Ich sage nur Schweinsteiger. Seit ein paar Tagen denke ich, es liegt vielleicht am deutschen Fußball. Nicht an mir, nicht an WE, sondern an der WM. An dieser selbstbewussten Stimmung überall. Wir sind plötzlich alle ein bisschen Schweinsteiger, auch Lchen. Wer unfair war, kann nachhause fahren. Peng! Peng! Peng! Peng! Vorteil dieser Theorie: Es bleibt spannend, auch wenn die deutsche Mannschaft verlieren sollte.

P.S. Ich persönlich wünsche mir ein Finale Deutschland – Niederlande. Für Spannung auf der Couch wäre jedenfalls gesorgt (ich verweise auf den Eintrag vom 19.6.)...