Anleitung zum Entlieben

15.08.2010 um 14:30 Uhr

Beim nächsten Karl...

von: Lapared

Männer haben es natürlich auch nicht leicht. (Das ich so noch mal einen Eintrag beginnen würde – ich werde alt…) Sonst würden sie sich ja nicht dermaßen zum Idioten machen. Ich frage mich jedenfalls, ob ich nicht auch ein bisschen Schuld bin, dass dieser Mann aus dem Schwimmbad (nennen wir ihn Karl) sich so bekloppt verhalten hat.

Die Geschichte geht jetzt eigentlich schon seit zwei, drei Jahren. Karl ist regelmäßiger Schwimmer wie ich und versucht regelmäßig, mich im Becken in Plaudereien zu verwickeln. Ohne Erfolg. Ab und zu passt er mich am Beckenrand beim Verschnaufen ab und fragt, hallo, wie geht´s und ich sage, gut, danke und selbst und bin schwupp wieder weg. Genug verschnauft. Ja, ich weiß, ich habe immer gesagt, ich würde meinen Mann im Wasser finden. Aber er ist es nicht, da bin ich ganz sicher. Zwar ist er ein durchaus attraktiver Mann, aber schlicht und einfach nicht mein Typ. Sorry, Karl.

Einmal traf ich ihn dann nach dem Schwimmen auch im Pennymarkt. Damals war ich noch so naiv zu glauben, dass das ein Zufall war. Karl wollte mich zu einem Kaffee einladen. Aber ich sagte freundlich nein danke, ich möchte keinen. Denn er ist, erwähnte ich das schon, nicht mein Typ.

Trotzdem fühlte sich Karl gemüßigt, mir seine Telefonnummer zu geben. Falls ich es mir mal anders überlege. Um mit seinem Anliegen nicht in Vergessenheit zu geraten, steckte er mir manchmal Klümpchen in die Schwimmtasche am Beckenrand und tollte ausgelassen neben meiner Bahn herum wie eine junge Forelle. Süß. Ich rief ihn trotzdem nicht an, denn eins sollte ich vielleicht erwähnen: Er ist nicht mein Typ.

Dann - vor ein paar Wochen - hatte ich zusammen mit meinem Schwimmstil auch meine Schwimmgewohnheiten fundamental geändert. Ich schwamm nicht mehr regelmäßig mittags, sondern täglich zu anderen Zeiten. Das neue Lchen: flexibel, flink, dynamisch. Karl fürchtete wohl, mich aus den Augen zu verlieren und fühlte sich in die Offensive getrieben. Sodass es eines Tages an der Haustür klingelte. Blumen für Frau Lpunkt, sagte ein Stimme. Ich dachte sofort an Frau Kpunkt, der ich das Auto geliehen hatte, ahnte Böses, doch es kam schlimmer. Zwei Minuten später stand er vor meiner Wohnung: Karl. Mit Blumen. Auf die Frage, woher er wisse wo ich wohne, sagte er, er sei mir nach dem Schwimmen gefolgt - und laut ertönten die Alarmsirenen über meinem Gehirngelände, STALKSTALKSTALK! Was für eine Unverschämtheit! Was für ein Übergriff! Und das bei Penny war auch kein Zufall! Mein Puls schnellte auf 780.

Aber dann dachte ich, nun bleib mal auf dem Teppich, Lchen. Ich überlegte mir, wie viel Mut es diesen Mann gekostet haben musste. Und dass ich dasselbe Verhalten von George Clooney oder einem anderen Mann, der mein Typ wäre, vielleicht nicht dreist und übergriffig fände, sondern kühn und verwegen. Ich überlegte mir, wie oft in meinem Leben Männer mir wohl noch nachfahren und Blumen schenken würden. So toll bin ich auch nicht und man wird ja nicht jünger. Und davon abgesehen wollte ich den schüchternen Karl vor den kernigen Handwerkern, die den Hausflur für die Fernwärme aufstämmten, nicht so blamieren. Also habe ich zumindest kurz mit ihm geplaudert, mich nett bedankt und ihn dann freundlich verabschiedet: Also dann, man sieht sich bestimmt irgendwann mal beim Schwimmen. (Kein: Ich ruf dich an, kein: Wir wollten doch immer mal einen Kaffee trinken…) Und Tschüss.

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Richtig, freundlich, freundlich war falsch. Das merkte ich ein paar Tage später. Da klingelte es und eine Stimme unten an der Haustür: Päckchen für Frau Lpunkt. Und ich falle wieder drauf rein. Schließlich erwartete ich noch immer den weißen Sommerrock, den ich Anfang Juni online bestellt hatte (in M nicht in L), und den ich nach der wochenlangen Umtauschaktion nun eigentlich nicht mehr brauche. Doch wer war es? Nicht der Hermes-Bote sondern Karlo Casanova schon wieder, den brauche ich noch weniger.

Aber diesmal war ich klüger. Diesmal weigerte ich mich, das Päckchen anzunehmen. Ich sagte einfach nein danke und machte Karl die Tür vor der Nase zu. Handwerker hin, Demütigung her. Dann drückte ich mein Ohr an die Tür und lausche. Der geistreiche Kommentar des Chef-Maurers ließ nicht lange auf sich warten: „Frauen… Erst sind sie freundlich und dann lassen sie dich plötzlich abblitzen.“ Natürlich, Männer halten zusammen. Und eine andere Stimme, ich erkannte die vom schüchternen Karl, sagte: „Blöde Kuh.“

Und was lernt man daraus:

Zwischen Frauen und Männern mit Blumen hat Freundlichkeit nichts zu suchen. Entweder man steht auf sie oder man haut sie ihnen gleich um die Ohren. Nein, nein, ist gar nicht wahr… Ich hätte einfach sagen müssen: Danke Karl, sehr nett, sehr mutig, aber… DU BIST NICHT MEIN TYP. Auch das kann man ja freundlich sagen. Klare Botschaften, Lchen, klar und freundlich! Na, vielleicht beim nächsten Karl, sollte noch einer kommen…