Anleitung zum Entlieben

22.08.2010 um 15:14 Uhr

Nasenlänge

von: Lapared

Jede Woche eine nette Anekdote aus der bunten Welt der Partnersuche. Wenn man dieses Blog liest muss man wirklich glauben, mich beschäftigt nichts anderes. (Doch, ich interessiere mich auch für Wirtschaftinformatik, unter den Wirtschaftsinformatikern soll die Singlequote besonders hoch sein.) Ich bin selber Schuld, wenn die Karls dieser Welt in diesem Blog den Appell lesen, mich vom Alleinsein zu erlösen. (Woran ich allerdings nicht schuld bin, ist, wenn die Karls wissen, dass es die rüstige Dame aus dem Bad ist, die dieses Blog schreibt  – um das zu herauszufinden, muss man ihr schon bis zur Haustür nachschnüffeln und dann ihren Namen googeln.) Aber genug Aufmerksamkeit für diesen Fall. Viel spannender:

Ich hatte endlich mal wieder Sex. Fast jedenfalls, ich hätte zumindest Sex haben können. Es war knapp davor. Doch dann habe ich etwas für mich Ungeheuerliches gemacht. Etwas, das meiner protestantischen Durchhalte-Ethik zutiefst widerspricht. Ich habe es mir mittendrin anders überlegt, bin aufgestanden und gegangen. Aber der Reihe nach.

Ich kannte ihn schon eine ganze Weile. Um acht Uhr fing die Party an, also kannte ich ihn mindestens schon fünf Stunden. Natürlich war er attraktiv und süß und klug, sonst wäre es ja auch gar nicht so weit gekommen, geschenkt. Was er allerdings von Anfang nicht war, er war nicht gut riechend.

Aber bei einen Grillfest sticht einem das ja nicht gleich so deutlich in die Nase. Zunächst dominieren die Grillwürstchen das Geruchserleben, aber später im Bett bzw. auf der Zielgerade dorthin… (denken Sie den Satz bitte selbst zuende). Überhaupt, lassen Sie uns nicht über Würstchen reden, denken wir in größeren Dimensionen. Reden wir über Geruch und Beziehungen.

Ich kannte mal eine Frau, die hat sich von einem supernetten, tollen Mann getrennt, weil sie ihn nicht riechen konnte (leider ist das schon Jahre her, sie war meine Nachbarin im Studentenheim in Bochum, sonst wüssten Sie, welchem Verlassenen ich jetzt meinen kompetenten Beistand anbieten würde, HECHEL!) Also, meine Nachbarin, eine Jurastudentin, konnte ihren tollen Freund nicht riechen. Was – die Redewendung ist leider irreführend - eigentlich ja das genaue Gegenteil bedeutete. Sie konnte ihn nämlich ganz besonders gut riechen, zu gut, sie roch ihn quasi ständig. Aus irgendeinem Grund nahm sie deutlicher als andere Menschen seine Ausdünstungen wahr. Ich habe es selbst erlebt… Wir saßen alle zusammen in meinem kleinen Polo unterwegs nach Dortmund und sie flüsterte mir ins Ohr: Mein Schatz müffelt ein bisschen, dreh ruhig das Fenster runter, wenn es dich stört. Und ich leise zurück: Also, ich riech nix. Und sie: Süß von dir, Lchen. Sprachs und kurbelte das Fenster runter, bei minus fünfzehn Grad.

So was gibt´s! Und Sie haben Recht, das ist eigentlich keine neue Erkenntnis. Das kommt eben schon mal vor zwischen Menschen, deshalb sagt eine andere Redewendung ja auch, dass die Chemie einfach nicht stimmt. Bemerkenswert an diesem Fall ist allerdings, dass meine Nachbarin sich erst nach zwei Jahren trennte. Denn alles andere passte eigentlich. Ansonsten waren die zwei ein Herz und eine Seele. Doch mit folgenden legendären Worten legte meine Nachbarin, die Jurastudentin, den Fall schließlich unter Tränen zu den Akten: „... Wenn man bei jeder Schweiß- oder andere Körperflüssigkeiten treibenden gemeinsamen Aktivität kotzt. Nee.“

Schön, dass ich solche Nachbarinnen hatte. Schön, dass schon so viele kluge Frauen mich an ihren Erfahrungen und ihren Lehren daraus teilhaben ließen. Deshalb muss ich mit solchen Fällen heute nicht mehr Jahre verschwenden, sondern kann noch vor der ersten gemeinsamen Nacht abdrehen und gehen, kommentarlos. (Bis auf ein leises: Schade, schade, schade, eine Verbeugung vor dem großen Theo Lingen, der bekanntlich auch stets so sprach, als hätte er die Nase voll). Oder hätte ich vielleicht besser sagen sollen: Süßer, geh doch bitte erstmal duschen! War ich vielleicht nur eine Nasenlänge vom Glück entfernt? Hab ich´s vermasselt? Ich werde es wohl nie erfahren…

P.S. Curd ist beleidigt, weil letzte Woche niemand außer fortuna das vorübergehende Verschwinden seiner Bilder beklagt hat... Er erwägt den Rückzug ins Privatleben ;)