Anleitung zum Entlieben

16.01.2011 um 17:10 Uhr

Das Wort zum Sonntag

von: Lapared

Es tut mir so so so leid, aber der heutige Eintrag muss leider entfallen. Den Grund sehen Sie hier: 

Das ist das Cover des dritten Buchs. Und das Cover ist leider alles, was bisher davon fertig ist. In zwei Wochen spätestens muss ich das Textmanuskript abgeben. ARRRRRRGHH.

Erscheinungstermin ist zwar erst im August, aber nach der Manuskriptabgabe ist ja auch noch jede Menge zu tun. Vor allem natürlich für Curd, der für die Bilder verantwortlich ist. Aber auch der Text wird noch mal genau unter die Lupe genommen und nach allen Regeln der Lektoratskunst fein getuned. Soll ja möglichst schön sein am Ende.

Weil noch so viel zu tun ist, habe ich seit ein paar Tagen eine Art Ausgangssperre über mich verhängt. Morgens stehe ich aus dem Bett auf und gehe an den Rechner. Und abends stehe ich vom Rechner auf gehe zurück ins Bett. Und dazwischen gehe ich nirgendwohin. Nur zu Nahkauf, dem Tante Emma-Laden mit den Schweinepreisen keine 500 Meter von hier. 

Aber Ablenkungen lauern auch in der nächsten Nachbarschaft. Erinnert sich jemand noch an den Mann, der mir letzten Winter mal eine Matte geliehen hat? Zum Unterlegen beim Curd im Schnee-Fotografieren? Er stand an der Kasse vor mir bei Nahkauf.

„Mehr wollen Sie nicht essen?“ fragte er mit Blick auf die beiden Weltmeisterbrötchen in meinem Körbchen.

„Nein, mehr wird´s nicht!“ sagte ich mit liebenswürdigem Lächeln. Ich dachte, er würde mich vielleicht vorlassen. Schließlich musste ich schleunigst wieder an meinen Rechner. Stattdessen lud er mich ein, zum Abendessen bei ihm vorbeizukommen. Der Schürzenjäger.

Aber ich wäre nicht Lchen, das Powerpaket, der Erfolgsgarant, die Ikone der Konsequenz und Zielstrebigkeit, wenn ich für den ersten hübschen Hintern bei Nahkauf gleich meine Agenda über Bord werfen würde.

„Tut mir leid“, habe ich freundlich aber bestimmt gesagt, „ich muss arbeiten, ich habe momentan eine Ausgangssperre über mich verhängt. Ein anderes Mal vielleicht. “ 

Hah! Unser Lchen. Unbeirrbar wie die Großen. Ich vertage momentan alles, alles auf „nach dem Buch“.  Ich war sehr stolz auf mich.

„Bist du irre?!“ Meine Freundin Wpunkt später am Telefon (telefonieren darf ich noch) war es nicht. „Erstens: Nach dem Buch ist vor dem Buch, Lchen!“ Äh, und zweitens? „Und du weißt doch, wie das Sprichwort heißt: Carpe Dieter, HAR!*“ Das ist lustig, Wpunkt. „Aber ganz im Ernst: Wer die Liebe verschiebt, wird sein Leben lang darauf warten.“

Reue beschlich mich. Hatte Wpunkt recht? Hätte ich – mit der angemessenen Verzweiflung einer alleinstehenden älteren Dame – sofort zugreifen und ja sagen müssen? Gibt es so etwas wie den richtigen Zeitpunkt oder hat mir – sehen wir der Realität ins Auge - inzwischen jeder Zeitpunkt recht zu sein?

Ich kam ins Grübeln. Bis mir auffiel, dass ich auch dazu eigentlich keine Zeit habe, genauso wenig wie für außerhäusige Mahlzeiten. Carpe Dieter hin, Carpe Dieter her. 

Und außerdem kenne ich ein anderes Sprichwort und das steht sogar in der Bibel. Es heißt: Jeder Dieter hat seine Zeit. (…) Das außerhäusige Abendessen hat seine Zeit und ebenso das Bücherschreiben. Doch, genau so steht es in der Bibel!**

Also, weiter schreiben.

* Er heißt in Wirklichkeit sehr uncool Dieter und nicht Gerry (falls sich noch jemand an seine erstmalige hier Erwähnung erinnert). Ich habe den letzten lebenden Mann gefunden, der Dieter heißt - andererseits: Dieter hieß mein Teddy…

** Und noch genauer steht da:

Altes Testament, Prediger Salomo, 3. Kapitel:

»Jegliches Ding hat seine Zeit und alles unter dem Himmel seine Stunde. Das Geborenwerden hat seine Zeit und ebenso das Sterben; das Pflanzen hat seine Zeit und ebenso das Ausroden der Pflanzen; das Zerstören hat seine Zeit und ebenso das Heilen; das Einreißen hat seine Zeit und ebenso das Aufbauen; das Weinen hat seine Zeit und ebenso das Lachen; das Trauern hat seine Zeit und ebenso das Tanzen; das Steinewerfen hat seine Zeit und ebenso das Steinesammeln; das Umarmen hat seine Zeit und ebenso das Sich-Meiden; das Suchen hat seine Zeit und ebenso das Verlieren; das Aufbewahren hat seine Zeit und ebenso das Wegwerfen; das Zerreißen hat seine Zeit und ebenso das Zusammennähen; das Schweigen hat seine Zeit und ebenso das Reden; das Lieben hat seine Zeit und ebenso das Hassen; der Krieg hat seine Zeit und ebenso der Friede.«

Na guck, wenn das kein Wort zum Sonntag war...