Anleitung zum Entlieben

20.02.2011 um 14:00 Uhr

Sharm el Sheikh oder Offline Inseln

von: Lapared

Wissen Sie, wo ich gerade bin?

Na?

Na?

Ich weiß es auch nicht. Ehrlich, ich hab keine Ahnung. Ich weiß nicht, wo ich sein werde, wenn am Sonntag um 14 Uhr hoffentlich - so blogigo will bzw. funktioniert - dieser Eintrag erscheint. Lchen, wild und abenteuerlich. Wie konnte es so weit kommen?

 

Im Moment ist es Samstag, sechs Uhr früh. Ich habe gerade 14 köstliche Stunden geschnarcht wie ein alter Braunbär, nachdem ich die Nächte davor nur geschrieben geschrieben geschrieben habe wie ein emsiges Bienchen. Freitag war Manuskript-Abgabetermin, jetzt aber wirklich.

 

Es soll ja der letzte Lchen-Roman werden („letzte“ in temporärem Sinne, versteht sich). Das große Finale. Und natürlich habe ich mir ganz genau überlegt, wie und mit wem Lchen in den Sonnenuntergang reitet. Und was – bei Licht betrachtet - überhaupt ein Sonnenuntergang ist. Eine Frage die man nicht beantworten kann, ohne über die Schöpfungstheorie nachzudenken, Adam und Eva, das Urknallen… Was ich nur sagen will, ich hatte alles sehr genau durchdacht und einen wohlüberlegten Plan.

Leider habe ich mich nicht daran gehalten. Und stattdessen mitten auf der Zielgeraden einer plötzlichen nächtlichen Eingebung nachgegeben, dass Lchen irgendwie mehr Happy End bekommen soll. Noch mehr. Noch mehr. Ganz fett. Warum eigentlich kein echter Prinz im Finale Grande?

Diese Kate ist ohnehin ein bisschen fade. William hat einen Mutter-Komplex (wer hätte das nicht mit Lady Di als Mum) und das ist sssssszzt Lchens emotionale Einflugschneise! So wird psychologisch ein Schuh draus. Ich war plötzlich ganz besessen von dem Gedanken, Lchen final mit einem echten Prinzen zu verkuppeln. Eine ironische Spielerei mit dem Konzept des Prinzen als klassischem Erlöser im großen Frauenschicksalsroman. Das fand ich höllisch originell nach zwei Nächten ohne Schlaf…  

Es muss ja nicht Will sein, dachte ich dann, der kriegt ohnehin schon eine Platte. Wie wäre es mit Charles, Prinz Tampon, mit dem kann man sicher Spaß haben?! Shit, der hat ja Camilla. Und dieser Carl Philip von Schweden, der Orlando Bloom des Nordens, der ist doch noch ledig? Oder Prinz Frédéric!? Prinz Frédéric könnte auch bald wieder eine Option sein? (Obwohl wir ZsaZsa von dieser Stelle nur das Beste wünschen…) Doch dann - haha!!! - hatte ich die ultimative Idee: Lchen tritt beim Roskilde-Festival aus Versehen auf einen kleinen Mann, der sich dann als Prince (!!!) erweist, der Sänger? Genial oder genial? Und im Abspann singt er dann Purple Rain für sie? Gibt es ein romantischeres Ende als ein Prince der Purple Rain singt, I never meant to cause you any sorrow...

Was ich nur sagen will, die Pferde gingen mit mir durch. DAS allein wäre überhaupt nicht schlimm gewesen. Pferde gehören zum kreativen Prozess (Trippeltrappeltrippeltrappel Ponny!), sie gehen durch (über Felder, durch die Wälder) und dann fängt man sie irgendwann wieder ein. Das übliche kreative Experimentieren. Aber ich… ich habe das Manuskript am nächsten Morgen mitsamt dem wahnsinnigen Trippeltrappelprinzen-Ende abgeschickt. Hü-hooo.

 

Ich muss mich jetzt außer Landes bringen. Meine überspannten grauen Zellen brauchen Ruhe, wie konnte das nur passieren?!

Die Zeit, bis ich das Manuskript von meiner Lektorin zurück bekomme (mit der dringenden Empfehlung, bei meinem wohlüberlegten Schöpfungs-Plan zu bleiben und einem Faltblatt von „Don´t Drink and Write“) werde ich zur Erholung nutzen. Eine Woche Sonne, das mache ich jetzt einfach. Ohne Laptop, ohne internetfähiges Handy, ohne alles. Nur Lchen und ihr Bikini. So ist der Plan.

 

Deshalb fahre ich jetzt zum Flughafen. Last-Second ist bekanntlich das neue Last-Minute. Man geht nicht mehr ins Reisebüro sondern direkt zum Flieger ("Hallo, ist dieser Platz noch frei? Ach, da sitzt schon der Captn´…") Irgendwas werde ich schon kriegen. Ägypten soll gerade günstig sein, Tunesien, Libyen... Und wenn nicht, fahre ich wieder nachhause, ziehe die Stecker… und schnarche noch eine köstliche Woche weiter RSSSSZZZZZZZZ...