Anleitung zum Entlieben

27.03.2011 um 18:36 Uhr

Frühjahrstriebe

von: Lapared

Es gibt bestimmte Rituale, die liegen anscheinend in unseren Genen.

Der Frühjahrsputz zum Beispiel ist eindeutig eine Spielart des in der Natur allgemein sehr verbreiteten Nestbauverhaltens. (Oder es hat damit zu tun, dass man den Dreck bei der hellen Märzsonne einfach wieder besser sieht.) Und auch die im Frühjahr obligate Bikinidiät ist so oder so ähnlich bei vielen Lebewesen Usus. Auch wenn sie gar keine Bikinis tragen, wie zum Beispiel Enten, die - wie uns jeder sonntägliche Parkbesuch bestätigt - nackicht baden. Trotzdem wollen auch Enten im Frühjahr verschärft sexy sein. Frühlingszeit ist Balzzeit im Ententeich. Und die Bikinidiät ist eindeutig ein biologisches Überbleibsel der Frühjahrsbalz - behaupten jedenfalls einige führende Verhaltensforscher.

Wie auch immer, biologisch oder BRIGITTE-anerzogen: Auch ich kann mich weder dem einen noch dem anderen entziehen. Es ist Frühjahr und ich putze. Und ich mache eine Diät. Der „Buchspeck“ muss weg (in den langen Nächten der heißen Phase vor Manuskriptabgabe halte ich mich vorm Rechner immer durch Kauen wach). Und auch der Dreck. Auf dem verstaubten Holzboden erkennt man bereits Trampelpfade. Und Palme kann keine Photosynthese mehr betreiben, weil das weniges Licht, das es durch die verdreckten Fenster schafft, nicht mehr durch die dicke weißgraue Schicht auf Palmes Blättchen dringt, schlimm!

Der heutige Sonntag begann also mit einer Tasse Kaffee mit fettarmer Milch. Und mit Staubsaugen.

Inzwischen habe ich die ganze Bude nass gefeudelt, alle fünf Fenster geputzt und Palmes 231 Blätter sämtlich einzeln abgewischt (unter die Dusche passt Palme schon sehr lange nicht mehr.) Mein Magen knurrt. Ich huste Staub. Und der Duft einer herrlichem Tiefkühlpizza, die im Ofen backt und in sieben Minuten fertig sein wird, steigt mir in die Nase. Außerdem habe ich noch eine ganze Packung Weinbrandbohnen. Jawohl, Weinbrandbohnen, ich habe die Weinbrandbohne neu entdeckt, aber das ist eine andere Geschichte. Sie ahnen, wie dieser Tag enden wird. Couch, Tatort und… richtig, eine nach der anderen.

Man muss diese biologischen Triebe - nach Nestbau, Hausputz und erst recht nach einer Bikinifigur - auch überwinden können, meine Meinung. Wir sind doch schließlich keine Tiere mehr. Wir sind die Krone der Schöpfung, Kulturwesen, her mit der Salamipizza! Her mit den Schnapspralinchen!

   Emtchen, deim Teich ist nichts für mich, ich bim eim Kulturwesem.

   Ich gehe heim zu meim Couch umd meim Cognacbohmen.

20.03.2011 um 15:50 Uhr

Großer Einsatz für Curds Fotos

von: Lapared

Wenn ich mit Curd draußen Fotos mache, führe ich in der Tat immer ein Messer mit mir. Es ist ein ganz normales langes, schlankes Allzweck-Küchenmesser, das in einer Küche niemandem Angst machen würde. (Es sei denn, es wäre die Küche von Tippi Hedren in dem unveröffentlichten Hitchcock-Frühwerk „Mord in der Küche“, dann vielleicht.) Ich nehme dieses Messer immer mit, weil seine Klinge so dünn ist, dass man es gut in Bordsteinritzen klemmen kann. Und weil es genau so lang ist, dass sich der Griff unter Curds Halstuch und ein Stück in sein Mützchen schieben lässt,  sodass er ein bisschen Hilfe hat beim Stehen. Curds Stehhilfe hat heute zu einem Polizeieinsatz geführt.

Mann am Fenster: „Ja, spreche ich mit der Polizei? Vor meinem Fenster ist eine Frau mit einem 30 cm langen Fleischermesser...“

Ein Anwohner rechts unten im Erdgeschoss hatte das Fenster geöffnet und machte seine Androhung war, die Polizei zu verständigen, wenn ich nicht auf der Stelle verschwinden würde.

Während er mit dem Handy in der einen und einer Flasche Bier in der anderen Hand am offenen Fenster stand und mit der Polizei telefonierte, versuchten Curd und ich einfach weiter unsere Arbeit zu machen. Es handelte sich schließlich um sehr wichtige Fotos. Im Buch, so viel darf ich verraten, geht Curd am Anfang auf tragische Weise verloren. Danach irrt er allein herum und sucht sein Zuhause. Diese Fotos sollten die dramatischen Minuten dokumentieren, als er kurz davor steht, es endlich zu finden – oder ist es doch wieder die falsche Adresse?

Mann am Fenster: „Ja, eine Frau… … Eine Frau mit einer Puppe… Ja, vermummt… Sie trägt eine Mütze mit einem Sowjetstern…  Nein, nicht die Frau, die Puppe!… Und sie hat ein langes Fleischermesser…„

Vor meinem geistigen Auge erschienen Bilder von Curd in Handschellen, wie geil wäre das denn! Mir gefiel die Idee mit der Polizei.

Mann am Fenster: „ICH?… Ich habe nichts getrunken, keinen Tropfen, ich bin ein unbescholtener Bürger, Sie Arschloch!"

Ich spürte, dass der Mann drauf und dran war, es zu vergeigen. Ob ich mal mit der Polizei reden sollte? So ein Messer ist schließlich eine gefährliche Sache. 

Mann am Fenster: „Mein Name? Den habe ich Ihnen doch schon gesagt… Ja… Ja… Ja, und selbst wenn ich heute schon drei Mal angerufen habe!!! Diese Frau ist wirklich gefährlich!“

Die Polizei schien den Mann nicht ernst zu nehmen. In der Tat war er so voll, dass er leicht wankte beim Reden. Sein langes offenes graues Haar wehte mit der ebenfalls grauen Gardine aus dem Fenster und bauschte sich leicht im Wind.

Mann am Fenster: „Ich glaube,  dass sie in der Puppe irgendwas versteckt hat…“

Jetzt erinnerte ich mich auch, woher ich den Mann kannte. Ich hatte ihn schon öfter in dem kleinen Laden an der Ecke gesehen, wo er immer sein Leergut abgab, stets eine ganze Tragetasche voll. Jetzt redete er sich immer mehr in Rage und ich beschloss, dass die Fotos vielleicht doch nicht so wichtig waren.

Mann am Fenster: GEFÄHRLICH!!!… SOWJETSTERN!!… SPRENGSTOFF!!!!…

Während ich mich mit Curd eilig aus dem Staub machte, hörte ich den Mann schimpfen. Es tat mir leid, dass ich ihn so aufgeregt hatte. Ein anderer Nachbar erzählte mir dann, dass er bei der Polizei einschlägig bekannt sei und ich müsse mir keine Sorgen machen, die würden bestimmt nicht anrücken.

   Na, dann... 

P.S. Jetzt sind Sie sicher enttäuscht, dass ich gar nichts von Gerry erzählt habe, hm?! Ja, das war ich auch, als er gar nicht gekommen ist. Eins seiner Mädchen sei krank geworden, schrieb er am nächsten Tag per SMS (er hat zwei Töchter, die eigentlich bei der Mutter leben.) Das war das letzte, was ich gehört habe, vor sechs Tagen. Nein, bitte keine Erklärungsversuche. Beteiligen wir uns gar nicht an den Spekulationen, die Lchens graue Zellen schon wieder munter anstellen. Sagen wird doch einfach leise: Tja… ;)

P.P.S. Stimmt, das Bild ist geschummelt. Das war beim Schanzenfest. Für Messer-Curd sind nur zwei Streifenpolizisten gekommen. Ich musste versprechen, immer ganz vorsichtig mit der Klinge zu sein. Für ein Foto wollten die Beamten leider nicht posieren.

13.03.2011 um 19:07 Uhr

Bullifahrer

von: Lapared

Immer, wenn ich eine richtig fettes Ding gewuppt habe, eine Prüfung überstanden oder ein Buch beendet, wenn ich also ein paar Tage massiv Stress hatte und dann ist es plötzlich vorbei, geschafft, erledigt… dann belohnt mich der liebe Gott mit einer richtig schönen, mitunter tagelangen, hammerharten Migräne. Was soll man sagen, so ist es eben, es gibt Schlimmeres.

Derselbe liebe Gott hat auch Sir Christopher Gent mit so einem begnadeten Gehirn ausgestattet,  dass er die Triptane erfunden hat (oder einen Angestellten seines Pharmakonzerns, Gents Gehirn beschäftigt vermutlich nur die Frage, wie man aus einem Dollar zehn machen kann.) Triptane sind das wunderbare Zeug, das ich mir bei den ersten Migräne-Anzeichen gnadenlos in den Po injiziere oder in die Nase pumpe, sodass von der hammerharten Migräne eigentlich kaum mehr übrig bleibt, als das Bedürfnis, in einem abgedunkelten Raum auf dem Bett zu liegen und ohne Ton Die Reise der Pinguine zu gucken. Und dabei immer leise vor mich hin zu murmeln: Bin ich froh, dass ich nicht reisen muss… Bin ich froh, dass ich nicht reisen muss…  Jeder Antrieb erlahmt, kein Ort der Welt scheint mir angenehmer als mein Bett. Und ich würde nicht mal im Traum daran denken, nach Sharm el Sheikh zu fliegen. Soviel zu dem Reisethema.

Aber Soest ist auch eine hübsche Stadt. Meine Schwester wohnt dort herrlich ruhig direkt neben einer Seniorenresidenz. Genau der richtige Ort für Lchen, um mal ein paar Tage auszuspannen. Sobald die Migräne abgeflaut war, startete meine kleine Besuchstournee mit einem Kurzbesuch im hübschen Soest, von da aus ging es dann weiter zu einer Freundin nach München, dann zu einer anderen Freundin in Zürich, und nun bin ich wieder da. Aber von meinen Reiseerlebnissen muss ich ein anderes Mal in Ruhe erzählen, ich bekomme nämlich gleich – huhuhuuuu!!! - Besuch.

Richtig. Naja, Besuch ist zu viel gesagt. Gerry kommt um halbacht vorbei und wir wollen gemeinsam ein paar alte Regalbretter in seinen Bulli wuchten, die er dann morgen mit zum Recyclinghof nimmt. (Ich habe beschlossen, ihn hier im Blog Gerry zu nennen.) Gerry ist Bullifahrer. (Das klingt doch viel besser als Dieter ist Bullifahrer.) Ich hatte noch nie einen Bullifahrer als Freund. (Und jetzt auch nicht, Gerry ist nur ein Nachbar, der mir einen Gefallen tut.)

Früher wollte ich immer einen Bullifahrer haben. Bullifahrer waren die Lässigen mit den guten Bodies, die morgens lächelnd in die Sonne blinzeln und den Teebeutel vom Vortag von der Leine nahmen, Surfer eben. Ich werde ihn mal fragen, ob er Surfer ist. Wenn er wirklich Gerry hieße, wäre er es. Aber wenn nicht, ist auch nicht schlimm. Ich bevorzuge mittlerweile Kaffee zum Frühstück, sehr guten, starken Kaffee mit viel warmer geschäumter Milch und ein Glas O-Saft, bitte, frisch gepresst wäre fein – auf frisch gepressten O-Saft kann man bei einem Surfer lange warten, vor allem wenn er Gerry heißt, allerdings, wenn er Dieter hieße… Oh Gott, ich denke schon wieder viel zu viel. Er will nur meine Regalbretter entsorgen. Manmanman.

07.03.2011 um 08:00 Uhr

Karmeval im Hamburg

von: Lapared

 Ich gehe dieses Jahr als Tomatchem.

   Und Tomatchem geht als Curd.

 Zusammem gehen wir als Curd umd Tomatchem.

 ...

 Wir schumkelm.

 Was für eim Spaß. 

06.03.2011 um 13:29 Uhr

Schöme Grüße aus Soest

von: Lapared

  

Liebe Milliömchem,

etwas Schreckliches ist passiert. Gerade lag ich im meim Hämgematte zwischem zwei Kokospalmem umd knabberte eim Kokosmakrome, da wurde ich nichtsahnemd überwältigt umd verschleppt. Fürchterlich.

Ich wurde sofort ohmmächtig umd als ich wieder zu mir kam befamd ich mich im Soest. Da Lchem Verwamdschaft im Soest hat umd "zufällig" auch im Soest ist, habe ich dem Verdacht, dass sie dahimter steckt.

Ich bim traurig. Ich konnte mich nicht mal von meinem Freumden dem Delphinem verabschiedem. Im Soest gibt nur Emtem. Emtem. Ich bim eim Mamm der Karibik, nicht der Provimz.

Heute abemd geht zurück nach Hamburg. Lchen sagt, Tomatchem umd ich sollem morgem Karmeval feierm (Tomatchem wurde auch verschleppt). Bestimmt setzt sie ums bumte Hütchem auf, das wird toll.

Bis morgem, Curd