Anleitung zum Entlieben

13.03.2011 um 19:07 Uhr

Bullifahrer

von: Lapared

Immer, wenn ich eine richtig fettes Ding gewuppt habe, eine Prüfung überstanden oder ein Buch beendet, wenn ich also ein paar Tage massiv Stress hatte und dann ist es plötzlich vorbei, geschafft, erledigt… dann belohnt mich der liebe Gott mit einer richtig schönen, mitunter tagelangen, hammerharten Migräne. Was soll man sagen, so ist es eben, es gibt Schlimmeres.

Derselbe liebe Gott hat auch Sir Christopher Gent mit so einem begnadeten Gehirn ausgestattet,  dass er die Triptane erfunden hat (oder einen Angestellten seines Pharmakonzerns, Gents Gehirn beschäftigt vermutlich nur die Frage, wie man aus einem Dollar zehn machen kann.) Triptane sind das wunderbare Zeug, das ich mir bei den ersten Migräne-Anzeichen gnadenlos in den Po injiziere oder in die Nase pumpe, sodass von der hammerharten Migräne eigentlich kaum mehr übrig bleibt, als das Bedürfnis, in einem abgedunkelten Raum auf dem Bett zu liegen und ohne Ton Die Reise der Pinguine zu gucken. Und dabei immer leise vor mich hin zu murmeln: Bin ich froh, dass ich nicht reisen muss… Bin ich froh, dass ich nicht reisen muss…  Jeder Antrieb erlahmt, kein Ort der Welt scheint mir angenehmer als mein Bett. Und ich würde nicht mal im Traum daran denken, nach Sharm el Sheikh zu fliegen. Soviel zu dem Reisethema.

Aber Soest ist auch eine hübsche Stadt. Meine Schwester wohnt dort herrlich ruhig direkt neben einer Seniorenresidenz. Genau der richtige Ort für Lchen, um mal ein paar Tage auszuspannen. Sobald die Migräne abgeflaut war, startete meine kleine Besuchstournee mit einem Kurzbesuch im hübschen Soest, von da aus ging es dann weiter zu einer Freundin nach München, dann zu einer anderen Freundin in Zürich, und nun bin ich wieder da. Aber von meinen Reiseerlebnissen muss ich ein anderes Mal in Ruhe erzählen, ich bekomme nämlich gleich – huhuhuuuu!!! - Besuch.

Richtig. Naja, Besuch ist zu viel gesagt. Gerry kommt um halbacht vorbei und wir wollen gemeinsam ein paar alte Regalbretter in seinen Bulli wuchten, die er dann morgen mit zum Recyclinghof nimmt. (Ich habe beschlossen, ihn hier im Blog Gerry zu nennen.) Gerry ist Bullifahrer. (Das klingt doch viel besser als Dieter ist Bullifahrer.) Ich hatte noch nie einen Bullifahrer als Freund. (Und jetzt auch nicht, Gerry ist nur ein Nachbar, der mir einen Gefallen tut.)

Früher wollte ich immer einen Bullifahrer haben. Bullifahrer waren die Lässigen mit den guten Bodies, die morgens lächelnd in die Sonne blinzeln und den Teebeutel vom Vortag von der Leine nahmen, Surfer eben. Ich werde ihn mal fragen, ob er Surfer ist. Wenn er wirklich Gerry hieße, wäre er es. Aber wenn nicht, ist auch nicht schlimm. Ich bevorzuge mittlerweile Kaffee zum Frühstück, sehr guten, starken Kaffee mit viel warmer geschäumter Milch und ein Glas O-Saft, bitte, frisch gepresst wäre fein – auf frisch gepressten O-Saft kann man bei einem Surfer lange warten, vor allem wenn er Gerry heißt, allerdings, wenn er Dieter hieße… Oh Gott, ich denke schon wieder viel zu viel. Er will nur meine Regalbretter entsorgen. Manmanman.