Anleitung zum Entlieben

01.05.2011 um 16:27 Uhr

Endlich Prinzessin

von: Lapared

 Geschafft!

Ich wollte nie Prinzessin werden. Das hat natürlich, wie alles im Leben, mit der Erziehung zu tun.

Zu Karneval – dem einzigen Anlass, bei dem sich die Frage für mich persönlich stellte – war Prinzessin werden wollen bei uns zu Hause stark verpönt. Ich wusste zwar nicht, was genau gegen Prinzessin werden wollen sprach, das Kostüm war auch nicht schlimmer als Fliegenpilz oder Clown, die Abteilung, aus der meine Verkleidungen sich rekrutierten. Aber meine Mutter verdrehte jedesmal die Augen, wenn jemand Prinzessin werden wollte. Wahrscheinlich aus dem selben Grund, aus dem es bei uns keine Barbiepuppen gab, sondern Fischertechnik und Spirograf. Es waren die 70er und meine Mutter war eine aufrechte Streiterin der Frauen-Emanzipation. Eine tolle, wichtige Sache und ich bin froh, dass meine Eltern so fortschrittlich waren.

Doch vierzig Jahre später ist die ganze gute Erziehung mit einem Mal im Po. Diese Woche wollte auch ich plötzlich Prinzessin werden. Ich saß vorm Fernseher und dachte, Katielein, was hast du es gut. Wie gern wäre ich an deiner Stelle. Ich bin so neidisch auf dich. Ich würde sofort mit dir tauschen. Kein Scheiß!

Sie heiratet den Mann, den sie liebt. Allein das ist schon ein großes Glück, das längst nicht jedem vergönnt ist, und schon gar nicht in so einem sensationell schönen Kleid. Sie ist durch die Hochzeit versorgt bis an ihr Lebensende. Auch nicht übel. Nicht nur mit Geld, sondern mit der Aufmerksamkeit der Menschen, die ja nicht nur Belästigung ist, wie manche allzu Verwöhnte immer den Anschein erwecken, sondern auch herzerwärmend und nett. Sie wird nie ein Nobody sein, selbst wenn sie irgendwann vielleicht alt und krank und hässlich sein sollte. Niemand wird sie jemals auf ein Dreibettzimmer verfrachten und sie wird niemals sehnsüchtig auf den Pflegedienst warten, der einmal am Tag für zwei Minuten kommt. Ich finde das alles höchst beneidenswert.

Natürlich wird sie auch viele Pflichten haben. Sie wird viele Krankenhäuser besuchen und Hände schütteln müssen etc. Aber arbeiten müssen wir doch alle. Und ich denke, sie wird zwischendurch auch noch eine Menge Zeit haben, in der sie machen kann, was sie will.

Dieses Haus, haben Sie dieses kleine weiße Haus am Meer gesehen, in dem Princess Catherine ehemals Kate zukünftig leben wird? Ich kenne dieses Haus. Ganz genau. Es ist mein Traumhaus. Ich kann mir gut vorstellen, wie angenehm es sein muss, dort in der Morgensonne einen heißen starken Kaffee zu trinken. Zum Aufwärmen nach dem morgendlichen Schwimmtraining (einmal zur Boje und wieder zurück, bei jedem Wetter und jedem Seegang). Und sobald William Montag morgens zu Arbeit gegangen ist („Bis Freitagevening, Darling!“), sssszzzzt, ran an den Schreibtisch, ein bisschen im Internet rumbummeln und dann pünktlich um zehn mit der Arbeit anfangen. Bücher schreiben. Schön wäre das. Schön, schön, schön.

Viel Glück, Prinzessin, genieße es! (Und wenn Du mal keine Lust mehr hast, sag bescheid, ich springe ein.)

P.S. Gerade erreicht mich Post:

 Drei von Curds Jungs, mit einem klaren Ziel...

 Geschafft! (Dank Schlips und gutem Aussehen)

Liebe Grüße an Ina, Dennis und "Die drei Jumiörchen", Danke für die super Fotos!