Anleitung zum Entlieben

23.10.2011 um 13:58 Uhr

Alle reden vom Geld

von: Lapared

Ich würde mir so gerne eine Wohnung kaufen. Aber ohne einen Kredit aufzunehmen, da kann der Steuerberater noch so viel reden. Ich will niemandem etwas schulden, auch keiner Bank, der schon gar nicht. In meinem Traum vom perfekten Wohnungskauf drücke ich dem Vorbesitzer einfach ein dickes, fettes Bündel Scheine in die Hand und sage: So, jetzt gehört die Hütte mir, nun aber flink raus mit Ihnen, hier steigt gleich eine Party.

Und wenn dann kurz darauf der Staatsbankrott käme, die Hyperinflation, die Währungsreform, dann würde ich mich diebisch freuen, weil ich mein Geld auf den Kopp gehauen hätte, als man dafür noch was kriegte. Ich Schweinchen Schlau.

Realistisch betrachtet, wird mir das wohl nie gelingen. Ich werde einfach nicht reich, ein Geburtsfehler, ich habe Löcher in den Händen. Und reich würde außerdem auch gar nicht reichen. Um in Hamburg eine Wohnung zu kaufen, in zentraler Lage (die ich bevorzuge), sollte man schon stinkreich sein. Der Quadratmeter kostet nämlich beinahe viertausend Euro. Ich habe nachgerechnet: Wenn ich alle Sparschweine schlachten würde, könnte ich mir zur Zeit gerade 4 Quadratmeter leisten. Das reicht nicht mal für Palme, das alte Monster.

Dafür hat meine Freundin, die liebste, beste der Welt, gerade eine Wohnung gekauft. Ersatzweise würde ich mich gerne mit ihr freuen, pfeifend die Räume abschreiten und Prosecco aufs Parkett verschütten - aber sie hat mir gar nichts davon erzählt! Ich weiß es nur von ihrem Bruder. Ob sie vielleicht eine Palme braucht?

Eigentlich schräg. Sie sagt mir, mit wem sie schläft. Sie beleuchtet mir jeden Winkel ihres Herzens. Ich weiß, welche Hosengröße sie trägt, wirklich - aber ich soll nicht erfahren, wie viel Geld sie hat. Dabei gönne ich ihr Millionen, sie hätte sie verdient, sie ist fantastisch. Aber so ist es und so wird es bleiben. Über Geld spricht man nicht. Auch in Zeiten, in denen alle darüber reden.