Anleitung zum Entlieben

18.12.2011 um 17:58 Uhr

Vorsichtige Prognosen

von: Lapared

Ich bin – diejenigen unter Ihnen, die meine Bücher lesen und vielleicht sogar darauf warten, wissen das – die geborene Schnecke. Ein Lahmarsch. Eine Träne. Trantüte. Schnarchnase. Bummelchen. Nennen Sie es, wie Sie möchten. Obwohl ich subjektiv das Gefühl habe, stets auf Hochtouren zu laufen, im Spitzenbereich, kurz vor Anschlag, muss ich im objektiven Vergleich feststellen, dass ich für alles, aber wirklich alles, mindestens drei mal so lange brauche, wie andere Menschen.

Und sechsmal so lange wie Half, der unter seinen Kollegen den Beinamen Ruckzuck trägt. Weil er nicht lange sabbelt, sondern macht. Womit wir beim Thema wären: dem Tempo eines Menschen. Und dem Tempo eines anderen Menschen. Und der Frage, ob es zwischen ihnen gut gehen kann, wenn der eine im Leben lieber schlendert und der andere flitzt.

Da fällt mir ein: Mein Vater hatte auch einen Spitznamen. Meinem Vater rief man als Kind in seinem osteuropäischen Heimatdorf der Legende nach so etwas wie „Lubek Drubek“ nach. Was so viel bedeutete wie Lubek (der Nachname meines Vaters), der Langsame, der Bedächtige, der Drömel. Jetzt wissen Sie, dass ich nichts dafür kann. Meine Lahmarschigkeit ist genetisch.

Aber zurück zu unserer Frage. Und ersten Beziehungsprognosen. Sagen wir mal so…

Bei gemeinsamen Aktivitäten läuft es zwischen Ruckzuck und Drömel jun. wegen ihrer unterschiedlichen Tempi nicht immer optimal harmonisch. Den Beischlaf zum Beispiel betreibt Ruckzuck naturgemäß eher als Schnellsport, während Drömel jun. auch im Bett ihrem Motto treu bleibt: Komm ich heut nicht, komm ich morgen. Aber im Bett sind Männer tendentiell immer flinker. Das Leben ist eine Baustelle, das Bett auch. Ich würde mal sagen, das findet sich…

Interessanter sind die Spannungen im gemeinsamen Alltag. Zum Beispiel beim gemeinsamen Weihnachtsgeschenke kaufen. Wenn Ruckzuck schon alle Geschenke gefunden hat, kreist Drömel noch immer um den Block wie eine Fiege um die Lampe. (Drömel per Handy: „Schatz! Sorry! Ich finde keinen Parkplatz!“) Oder bei der Festtagsplanung. Während ich gedanklich noch die Möglichkeit beschnuppere, Half vielleicht eventuell zu fragen, ob er mit zu meiner Familie möchte, hat Half seiner Mutter schon verklickert, dass ich keine Rosinen mag („Nein Mutti, auch nicht die im Stollen!“). Er ist immer schneller, immer.

Nur auf dem Weihnachtsmarkt vorhin, war Bummel dann mal vorn. Und sang schon lustig Weihnachtlieder (Ohufrölch... ohuselch...), während Ruckzuck noch nach dem besten Glühweinstand recherchierte. Ach, ja…

Aber das heißt ja nicht, dass unsere Beziehung scheitern muss. Es kann auch alles Vorteile haben, langfristig gesehen. Ich verspreche mir z.B. einiges von einer gemeinsamen Haushaltsführung. Da gibt es so viele Dinge, die ich persönlich wirklich langsam angehe. Über die ich endlos rede und deren Notwendigkeit ich wortreich beklage, bevor ich endlich zur Tat schreite. Fenster putzen, Regale ausmisten, Staub wischen, Armaturen entkalken… In diesen Punkten könnten wir uns wunderbar ergänzen. Und mit unseren unterschiedlichen Tempi wie Zahnräder ineinandergreifen. Gesagt (von Drömel), getan (von Ruckzuck). Ganz harmonisch.

In bleibe also überaus optimistisch. Und wünsche...

Frohen Advent.