Über die kleinen Ticks bzw. Phobien des/der Liebsten haben wir gesprochen.
Regel Nummer 1, man übernimmt sie am besten einfach - Ticks kann man nie genug haben. Eine weitere Herausforderung für jeder junge Partnerschaft sind die
Essgewohnheiten.
Half achtet sehr auf seine Ernährung, man kann mit ihm
stundenlang übers Essen plaudern. Er hat sogar so eine kleine dreidimensionale
Ernährungspyramide der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) in der Küche
stehen, und… Wie heißen die 10 Regeln für vollwertiges Essen und Trinken? Na?!
Na?! Half könnte man nachts wecken und sie kämen wie aus der Hüfte geschossen.
Fast
noch beeindruckender: Er beherzigt sie auch alle. Von der ersten ("Vielseitig
ernähren!") bis zur berühmtesten, der vielzitierten „Nimm 5 am Tag“-Regel betreffend
Obst und Gemüse. Dass mein Schatz nur Bio kauft, muss ich nicht extra erwähnen.
Er tut es ganz automatisch. Kein Wunder, er wurde quasi mit einer Karotte im Popo
geboren (einer Bio-Karotte!), seine Mutter war Ernährungswissenschaftlerin.
Nun zu mir. Ich ernähre mich in Epochen. Jede Epoche ist von
einer Lieblingsspeise dominiert, die ich mir während dieser Zeit fast
ausschließlich reinhaue. Bis sie mir ganz plötzlich von einem auf den anderen
Tag aus den Ohren kommt, was dann nach einer kurzen Phase der Suche und
Neuorientierung zu einem Epochenwechsel führt.
Ich hatte schon alle möglichen Epochen: eine „Nudeln mit
Butter und Parmesan“-Epoche, eine „Weltmeisterbrötchen mit Lätta“-Epoche, eine „Überbackener-Rosenkohl“-Epoche
(da war ich Single und konnte nachts im Bett die Internationale pupsen, wenn
ich wollte), eine „Karottenapfelsalat mit Mandelblättchen“-Epoche (da wurde ich
zuletzt ganz gelb vom Karotin), eine „Gebratener Camembert mit
Preiselbeeren“-Epoche (hm, die könnte ich mal neu auflegen), sogar eine
Hering-in-Gelee-Epoche (das war nicht ich, der Geist des verunglückten Nachbarkaters
war in mich gefahren)… und und und.
Die Epochen dauern in der Regel zwischen vier und acht
Wochen. Vielseitig kann man meine Ernährung also nur dann nennen, wenn man
übers Jahr mittelt. „Variabel einseitig“ beschreibt es wohl besser. Und die
„Nimm 5 am Tag“-Regel beherzige ich nur, wenn die Kakaobohne auch als Gemüse
zählt. Schokolade ist nämlich das einzige, was ich in diversen Formen täglich
mehrfach zu mir nehme, epochenübergreifend.
Und nun versucht Half also, mich an die vielseitige, gemüsereiche
Ernährung heran zu führen. Sendungsbewusst wie ein wohlgenährter katholischer Prediger bei
einem Kannibalen-Stamm am Amazonas. Und genauso chancenlos.
Ich bin nämlich
gerade in der Blüte meiner Ziegengouda-Epoche. Ziegengouda auf getoastetem
Kürbiskernbrot, um genau zu sein (köstlich!). Stur wie ein alter Esel will ich einfach nur Abend
für Abend meine Käseschnittchen. Und zum Nachtisch einen Puddis-Schokopudding,
bitte. Immer.
Gestern am Abendbrottisch nach dem dritten „Und du willst
wirklich keinen Broccoli?“ platzte mir der Kragen.
„Zum hundersten Mal: nein! Danke! Für mich keinen
Broccoli!“, fuhr ich ihn an. „Warum müssen Männer immer missionieren?“
„Keine Ahnung. Für alle kann ich nicht sprechen. Ich weiß
nur, dass ich dich einfach möglichst
lange bei mir haben will…“, erwiderte er erschrocken.
„Gut…“, knurrte ich.“Okay. Das ist natürlich ein Argument.
Verständlich.“ Gerührt machte ich neben meinem Schnittchen ein bisschen Platz für das doofe Gemüse.
"Kriege ich die Hälfte von deinem Pudding?", fragte er kurz darauf und grinste. "Zu viel Süßes ist nicht gut."
"Vergiss es…", sagte ich.
Man muss auch Grenzen setzen. Regel Nummer 2 einer harmonischen Partnerschaft.