Anleitung zum Entlieben

04.03.2012 um 18:59 Uhr

Mein Haarausfall, dein Haarausfall

von: Lapared

Half hat eine Haarausfallphobie. Obwohl sein Haar dicht ist wie ein junger Mopp, fürchtet er sich vor Geheimratsecken und vor allem vor einem Hubschrauberlandeplatz.

Dabei hat er ganz sicher keine genetische Prädisposition zum Kahlschlag. Die Kelly-Family wäre neidisch auf die verschwenderische Haarfülle in seiner Sippe. „Und wenn ich nur adoptiert bin?“ Es ist schwer, Half seine Angst zu nehmen. „Im Ernstfall tätowierst du dir ein kleines Männchen mit einem Rasenmäher auf die Lichtung und wir lachen darüber.“ Ich versuche es natürlich, mit Charme und Witz, wie immer. „Außerdem gibt es so geile Mützchen…“

Nein, nein, so etwas Gemeines sage ich natürlich nicht. Nicht jeder ist John Malkovich. Meistens geht Haarverlust Hand in Hand mit dem Verlust an äußerer Attraktivität. Die Angst davor gehört zur Grundausstattung jeder weiblichen Seele, deshalb kann Half von meiner Seite mit vollstem Verständnis rechnen. Mitfühlend schiebe ich meine Antifaltencremes zusammen und schaffe Platz für seine Antihaarausfall-Präperate. Willkommen im Spiegelschränkchen!

Meine eigenen Haare werden außerdem auch immer dünner. Seit Half mich für das Thema sensibilisiert hat, sehe ich bei unglücklichem Lichteinfall am Oberkopf manchmal die Kopfhaut unvorteilhaft durchschimmern. Außerdem kann ich dasselbe Haargummi inzwischen dreimal um den Zopf wickeln statt - wie früher - zweimal.

So bin ich. Ich verstehe Halfs Ängste nicht nur, ich übernehme sie. Ehrlich gesagt benutze ich inzwischen sogar heimlich seine Fläschchen. Die weibliche Haarwurzel funktioniert nämlich auch nicht anders als die männliche, habe ich gelesen. Was Half nicht braucht, kann mir möglicherweise helfen! 

Mittlerweile bin ich schon so weit, dass ich mich frage, ob Half seine Angst vor Haarausfall vielleicht nur simuliert hat. Vielleicht fürchtet er sich gar nicht davor – unter uns: das wäre ja auch völlig idiotisch - vielleicht wollte er mich nur sanft und diplomatisch mit dem Näschen auf das Problemfeld stupsen. Wer sagt schon gerne, Süße, tu was, du kriegst ´ne Glatze!? 

Ach ja, ach ja… wieder eine Sorge mehr. Dafür war mir gestern Abend so, als hätte ich mein neues sündhaft teures Liftingserum an Half gerochen, als er ins Bett kroch. Offenbar habe ich ihn im Gegenzug mit meiner Faltenphobie infiziert.

Das ist ja das Schöne an einer Partnerschaft. Dass man sich gegenseitig bereichert.