Anleitung zum Entlieben

27.05.2012 um 18:27 Uhr

Ein riesen Glückspilz

von: Lapared

Ich liege flach wie eine Flunder auf dem Rücken, weil das die Position ist, in der ich zur Zeit am wenigsten Kopfweh habe. Und dabei strahle ich über beide Ohren. Ich denke die ganze Zeit, was bin ich für ein verdammter Glückspilz. Nebenbei überlege ich mir Elefantenwitze.

Jetzt kann ich es ja erzählen. Letzte Woche war ich ein paar Tage im Krankenhaus, in der Neurologie. Wegen Taubheitsgefühlen in den Armen und Beinen, seit Wochen ging das schon. Zweimal war ich bereits in der Ambulanz vorstellig geworden, weil ich mit den Füßchen plötzlich in unsichtbare Luftlöcher latschte und mit den Wurstfingern die Tasten nicht mehr torf, pardon, traf. Nun war ich vom Krankenhaus eingeladen, die Sache mal näher erforschen zu lassen.

Als der Arzt am Aufnahmetag seinen Antrittsbesuch machte, erklärte ich ihm meine Sicht der Dinge. „Herr Doktor, nehmen Sie doch Platz.“ Ich saß am Tisch des Krankenhauszimmers wie Queen Elisabeth beim Fünf-Uhr-Tee und lud ihn ein, meinen Erkenntnissen zu lauschen. In den ungewissen Wochen des Wartens hatte ich mir alles haargenau überlegt. „Unter uns, Herr Doktor, ich denke, das ist psychosomatisch.“ Der Doc blieb lieber stehen.

„Sie müssen wissen, Doktor, in meiner Familie gibt es einige Fälle von MS, von Multipler Sklerose. Als Kinder besuchten wir jeden zweiten Sonntagnachmittag unsere MS-kranke Tante. Und weil wir dabei möglicherweise bisweilen etwas lustlos oder gar mitleidlos erschienen, sagte mein Vater manchmal, Kinder, diese Krankheit liegt in unserer Familie, die könnt Ihr auch mal kriegen. Er meinte es nicht so…“ Der Doktor blinzelte nicht mal. Stattdessen klopfte er mit der flachen Hand auf mein unberührtes Krankenhausbett. Platz!

Widerwillig machte ich mich lang. „Also, Herr Doktor, worauf ich eigentlich hinaus will… Sie wissen sicher, dass übermäßige Angst vor einer Krankheit genau die gefürchteten Krankheits-Symptome hervorbringen kann. Ich denke, das ist bei mir der Fall.“ Der Doktor studierte irritiert meine Akte, von verbaler Inkontinenz stand dort aber nichts. „Ich bilde mir die Taubheit ein, denn ich habe eine Heidenangst davor! Ich halte MS so ziemlich für das Beschissenste, was einem Mensch passieren kann!“

„Wohl wahr.“ Die Stimme kam aus dem hinteren Teil des Zimmers, wo, von mir bisher unbeachtet und scheinbar schlafend, meine Zimmergenossin lag. „Beschissen trifft es ziemlich gut.“

So lernte ich Alex kennen. Zwei Jahre jünger als ich, wunderschön und seit 15 Jahren MS-krank. Die Stimme war so ziemlich das Einzige, was sie noch erheben konnte, kinnabwärts hatte sie keinerlei Kontrolle mehr. Im Krankenhaus war sie allerdings wegen ungeklärter Kopfschmerzen. 

Ich verbrachte vier Tage mit Alex, während dieser Zeit wurden bei mir alle möglichen Tests gemacht. Alex sagte immer: „Du hast das nicht, ich spüre das!“

„Sei mir nicht böse, Alex, aber dein Gespür macht keinen zuverlässigen Eindruck auf mich.“ So leicht ließ ich mich nicht beschwichtigen.

„Doch! Ich bin wie diese Epilepsie-Hunde, ich kann MS riechen.“

„Jetzt gibst du aber an…“

„Bei dir rieche ich nur Bübchen-Milch und mittags Kohlroulade. Es ist, wie du selbst gesagt hast: Du bildest dir das alles nur ein.“

Was ich von dem Arzt so gerne hatte hören wollen, Alex sagte es mir zehn bis zwanzig Mal am Tag. Nett, was?! Ich habe mich revanchiert, indem ich Witze erzählt habe. Alex liebte aus ungeklärter Ursache Witze, vor allem Witze mit Tieren. Ich habe mich geärgert, dass ich mir früher nie Mühe gegeben hatte, mir solche Witze zu merken.

Am vierten Tag waren dann endlich die Ergebnisse meiner Rückenmarkspunktion da, MS konnte ausgeschlossen werden, ich war selten so glücklich glücklich glücklich…

„Hast du das wirklich gerochen oder wolltest du mich nur beruhigen?“, fragte ich Alex später. Sie war ein bisschen übellaunig darüber, dass sie mich gehen ließen, obwohl die Ursache meiner Taubheitsgefühle nicht gefunden worden war. ("So was bildet sich doch niemand ein!") Vor allem hatte sie keine Lust auf eine neue Zimmernachbarin. Aus ihrer Ecke kam nur ein leises „Wuff.“

Seitdem liege ich also zuhause und kuriere die Kopfschmerzen, die nach so einer Rückenmarkspunktion häufig auftreten, eine ganz normale Nebenwirkung. Wenn man flach auf dem Rücken liegt, werden sie viel besser und in wenigen Tagen werden sie ganz verschwunden sein. Bin ich ein Glückpilz oder bin ich ein Glückpilz? Apropos…

Zwei Elefanten am FKK-Strand. Ein Mann geht vorbei. Sagt der eine Elefant, nachdenklich: „Wie der wohl isst…?“

20.05.2012 um 17:26 Uhr

Kramk...

von: Lapared

 Sorry, heute geht nichts...

13.05.2012 um 19:43 Uhr

6,0, 6,0, 6,0 …

von: Lapared

Verlieben ist leicht, aber der Weg in eine glückliche Beziehung ist steil und von zahlreichen Prüfsteinen übersäht. Ja, ja. Der erste Sex zum Beispiel ist so ein Prüfstein. Wie bitter, wenn alles passt, nur der Penis nicht - gibt´s! Oder wenn zwei, die wie Topf und Deckel schienen, im Bett tote Hose ergeben – alles schon gehabt! Der erste gemeinsame Urlaub ist ein anderer Prüfstein. Zwei Wochen Gardasee bei Regen und Sie erkennen sein/ihr wahres Gesicht. (Auch gut: Zehn Tage Windstille auf den Kanaren, wenn er/sie Surfer ist.) Aber warum in die Ferne schweifen, wenn man sich auch zuhause an die Gurgel gehen kann? Ein naheliegender und nicht minder zuverlässiger Beziehungs-Prüfstein ist ein gemeinsamer Möbelhaus-Besuch am Samstag. Paarlaufen durch IKEA, die Pflicht. Und anschließend die Kür: das Aufbauen eines BILLY-Regals.

Half und ich haben uns diesen Prüfungen gestellt. Gleich drei Billy-Regale haben wir gestern bei IKEA gekauft. Mit Aufsätzen. Und gleich vorweg: Wir waren gut. Geschmeidig, in perfekter Harmonie wie die Eistanzlegenden Torvill/Dean zum Bolero von Ravel in Sarajevo ´84, ließen wir die Ausstellung einvernehmlich komplett links liegen und drehten gleich am Eingang scharf rechts in die SB-Abteilung ab. Völlig unbeirrt hielten wir danach Kurs auf unser gemeinsames Ziel: Lager 1, Gang D, Regal 9-17. BILLY-Land.

 

Auf etwa halber Strecke erlaubte ich mir den einzigen kleinen Patzer, als ich kurz stehen blieb und SMÖRBOLL ansah, ein apfelgrünes Bettwäscheset ("Lchen, nun komm, Bettwäsche steht nicht auf unserer Liste!"). Eine kleine Unsicherheit zeigte Half dafür bei LJUDA, einem gepunkteten Tischset für nur 0,99, aber auch er fing sich mit etwas Hilfe ("Komm Schatz, Geschmacksverirrungen auch nicht!"), und wir zogen - allen Verlockungen von nun an sicher trotzend – weiter zu BILLY, dem einzigen Grund unseres IKEA-Besuchs. So war es vereinbart.

 

Und tatsächlich: Wir kauften nicht ein Teil mehr als geplant. Ein Meisterwerk der Beherrschung, wie IKEA-Kenner wissen. High Five, Teil I der Prüfung bestanden! Zur Belohnung ließen wir es im "Schwedenshop" hinter der Kasse richtig krachen, verdrückten synchron jeder einen Hotdog XL und einen Muffin und deckten uns großzügig - im Wert etwa eines Bettwäsche- plus eines Tischsets - mit KANELBULLAR (Zimtschnecken) und SÖTSAK KAKAOBOLL (Schokobällchen) ein.

 

Auch der Aufbau unserer BILLY-Beute lief in weiten Teilen vollendet harmonisch. Uneinig waren wir höchstens, welcher Idiot bei BILLY I die Rückwand falsch angenagelt hatte, aber dass es ein ziemlich blöder Idiot war, darüber bestand Einvernehmen. Keine drei Stunden später, als alle Beteiligten schon wieder mit einander sprachen, konnte die Montage problemlos weitergehen und BILLY II und III standen in Bestzeit. Alles in allem eine super Team-Leistung, sechsnull, sechsnull, sechsnull für Half/Lchen. Und am Ende zählt ja ohnehin nur das Ergebnis. Wie Sie sehen, drei bildschöne BILLYs...

 ... perfekt befüllt.

06.05.2012 um 19:33 Uhr

Aus unserer Reihe "Abenteuer des Alltags"…

von: Lapared

Modisch gesehen sind Armstulpen ohnehin riskant. Nicht selten entwickeln sie ein Eigenleben, das ein Accessoire besser nicht haben sollte. Und das weder mit der Trägerin, noch mit dem Rest der Garderobe etwas zu tun hat. Hoffentlich. Man sieht Richterinnen, bei denen die Armstulpe „Comtessa“ unter der strengen Robe aufblitzt. Rrrrrrr. Passionierte "Jeans & graues oder dunkelblaues Sweatshirt"-Trägerinnen setzen bei der Armstulpe plötzlich auf verspielte Waldfeeoptik. Irgendwas an der Armstulpe macht kühn - und kühn sieht meistens kacke aus.

Mir persönlich sind Armstulpen außerdem peinlich, weil man damit so gewollt verfroren wirkt. Zumindest ich mit meiner eher rustikalen Statur sehe mit Armstulpen aus wie ein Elefant, der auf schwindsüchtige Ballerina macht. Ich trage sie nur deshalb, weil ich tatsächlich immer kalte Hände habe. (Eine Krankheit, Polyneuropathie, kein Witz.) Ich trage sie außerdem nie in Pastellfarben und fast nur zuhause. Aber auch das ist gar nicht so ungefährlich, habe ich heute morgen bemerkt. Nicht nur in modischer Hinsicht.

Man hat es ja gerne flauschig. Deshalb gönnte ich mir unlängst schlichte schwarze Stulpen mit Kaschmir, ganz was Feines. Das Woll-Kaschmir-Garn würde besonders kuschelig warm halten, stand in der Beschreibung. Und ob, das sollte ich noch am eigenen Leib erfahren. Wissen Sie zufällig, was ein „Surface Flash“ ist?

Ich weiß es seit heute Morgen. Heute Morgen wollte ich mir nämlich einen Kaffee machen. Ich trinke meinen Kaffee hellbeige, und ich muss die Milch, die für die hellbeige Farbe verantwortlich ist, erhitzen, bevor ich sie in die Tasse gebe, sonst wäre mein schöner hellbeiger Kaffee nur lauwarm - das will man ja auch nicht. Ich zündete also meinen Gasherd an. Und schlagartig, wirklich schlagartig, stand mein ganzer unterer Arm, an dem ich eine meiner feinen neuen Stulpen trug, lichterloh in Flammen – echt wahr! Das war er nämlich: der Surface Flash.

Ein Surface Flash entsteht, wenn bestimmte flauschige Textilien auch nur in die Nähe einer Flamme kommen. Sie fangen blitzartig ganzflächig (!) Feuer. Über die abstehenden, feinen Fasern breiten sich die Flammen nämlich rasend schnell aus, ohne dass die Grundstruktur des Textils brennt. (Das kommt dann aber unmittelbar danach, wenn die Trägerin oder der Träger des Textils nicht wie lucky Lpunkt zufällig an einer Spüle mit eingelassenem Spülwasser steht - ZISSSSCCCCHH!!!). In der Schweiz sind solche leicht entflammbaren, schnell brennenden Garne verboten. In Deutschland offenbar nicht. 

Aber warm waren sie…