Anleitung zum Entlieben

01.07.2012 um 15:29 Uhr

Ich will genau, was sie hatte (plus 20 Jahre, minus Krebs)

von: Lapared

Eine Sache habe ich nie herausgefunden: Wie schafft man es, dass nach der Heirat noch was passiert.

So beginnt das zweite Kapitel von Nora Ephrons Roman „Heartburn“ (zu deutsch leider "Sodbrennen"), in dem sie das Scheitern ihrer zweiten Ehe beschreibt.

Ein paar Seiten weiter sitzt die hochschwangere Protagonistin, die sich im Buch Rachel Samstat nennt, im Flugzeug. Sie hat gerade entdeckt, dass ihr Mann eine Geliebte hat, und braucht ein bisschen Abstand. Sie ist natürlich verzweifelt.

Erst vor ein paar Wochen waren die Geliebte und deren Ehemann bei Rachel und ihrem Ehemann zum Essen eingeladen gewesen, zusammen mit anderen Gästen. Rachel hatte der Geliebten, einer erfolgreichen Fernsehjournalistin, dabei das Rezept ihres Mohrrübenkuchens gegeben, der dieser angeblich so gut geschmeckt hatte. Rachel selbst schrieb damals Kochbücher.

Sie sitzt also im Flugzeug von Washington, wo sie und ihr Mann leben, nach New York, wo normalerweise Rachels Vater lebt und in dessen zufällig gerade leerstehender Wohnung sie sich verkriechen will. Und sie denkt darüber nach, was für eine Lachnummer sie gewesen ist. Alle außer ihr wussten von der Affäre. Alle Gäste, sogar der Ehemann der Geliebten. Und sie watschelte in ihrem bügelfreien Umstandskleid herum und servierte stolz ihren Karottenkuchen. Mit ein bisschen gepresster Ananas, das war nämlich der Clou daran, das Geheimnis seiner Saftigkeit. Zum Schießen war sie gewesen. Aber während dieses Flugs wurde Rachel alias Nora noch etwas klar…

Ein anderer Teil von mir dachte: Okay, Rachel Samstat, endlich passiert mal was! 

Sie macht daraus eine Geschichte, einen kleinen feinen Roman: eben „Sodbrennen“. Auch wenn das Buch inzwischen 30 Jahre auf dem Buckel hat und im Deutschen diesen doofen Titel trägt, empfehle ich es hiermit sehr. Nicht nur, weil Nora Ephron vergangenen Dienstagabend in New York mit 71 Jahren an Leukämie gestorben ist. Und weil ich an diese tolle Frau erinnern möchte, die uns nach ihrem ersten und einzigen Roman noch Filmklassiker wie „Harry & Sally“ und „Schlaflos in Seattle“ beschert hat. (Und Sätze wie: Ich will genau das, was sie hatte!) (Und eine Meg Ryan-Allergie.) Sondern, weil dieser Roman wirklich richtig schön ist. Gleichzeitig komisch und zu Herzen gehend ist. Und klug. Das finde ich persönlich lesenswert.