Anleitung zum Entlieben

26.08.2012 um 13:00 Uhr

1. Sonne 2. Nordsee 3. Ein Mal fliegen können

von: Lapared

 Ich hab ja gleich gesagt, das ist nicht die echte Geburtstagsfee.

 Aber du musst ja jedem deime 3 Geburtstagswümsche auf die Nase bimden.

 HERZLICHEM GLÜCKWUMSCH LCHEM, das hast du davom, du siehst aus wie eim Idiot!

 Dann flieg mal schöm, ich gehe lieber… deim Geburtstagstorte essem.

19.08.2012 um 16:00 Uhr

Drei Tage Sylt

von: Lapared

 Zurück am dem Ort, wo vor 7 Jahren alles seinem Amfang nahm...

 Hier auf dem Eilamd Sylt schließt sich der Kreis.

 Hallo kleime Nordsee, erkemmst du mich noch?

 Hallo kleiner Curd, scharfe Badehose...

12.08.2012 um 12:45 Uhr

Olympischer Eisprung

von: Lapared

Jetzt ist sie schon fast wieder vorbei. Die Olympiade. Heute geht sie zuende, und das stimmt mich tatsächlich ein bisschen wehmütig, ja, ja… Das Olympiafieber hatte mich diesmal nämlich voll erwischt.

Seit Mark Spitz, meiner ersten aktiven Olympia-Erinnerung (und - wie mir jetzt erst auffällt - möglicherweise auch meiner frühen erotischen Prägung… Deshalb bin ich so anfällig für Männer in Badehosen, wie treue Leser vielleicht noch wissen…) wo war ich?

Also, seit München ´72, als Mark Spitz, der Mann mit der Popelbremse, souverän sieben Goldmedaillen abräumte, war ich eigentlich immun gegen das olympische Theater. (Vielleicht erinnere ich mich auch gar nicht an die Münchner Olympiade, sondern nur an das berühmte Poster mit dem halbnackten braunen Mann mit den hübschen Goldkettchen?) Aber bei dieser Olympiade in London war ich wirklich ziemlich ernsthaft interessiert.

Für Curd und seine Kumpel, die gewöhnlich im Wohnzimmer auf der Couch abhängen, während ich selbst in der Küche emsig vorm Rechner brüte, ließ ich in den vergangenen zwei Wochen fast rund um die Uhr den Fernseher laufen. Für mich waren es also eher olympische Hörspiele. Aber die entscheidenden Momente habe auch ich mir angesehen. Man merkt ja an der Tonlage des Kommentators, wenn etwas Großes bevorsteht. Dann bin ich schnell rüber zum Gucken. Manchmal drangen auch verstümmelte Wortfetzen zu mir in die Küche, die Sensationen ahnen ließen („Kommen wir nun zum Eisprung der Männer…“). Männliche Eisprünge, da hielt auch mich nichts mehr auf dem Küchenstuhl.

Wehmütig bin ich aber noch aus einem anderen Grund. Sie müssen wissen… Das alles hätte ja auch hier stattfinden können, hier in Hamburg.

Vor neun Jahren hatte meine schöne Heimatstadt sich für die Olympiade 2012 beworben. Doch Deutschland schickte lieber Leipzig ins internationale Rennen. Auch eine hübsche Stadt, aber olympiatechnisch komplett chancenlos, das wusste jeder. Darum ging es auch gar nicht, es ging wie immer um Politik, genauer: um Schröders Popo. Der Kanzler musste die Ossis pushen, das hatte er versprochen, die sollten ihn doch wählen. Und das ist dabei rausgekommen: Die Ossis wählten trotzdem Merkel, die Briten hatten Olympia und Curd und ich… wir guckten (bzw. hörten) in die Röhre. Seufz.

Zig neue Sportstätten hätte es in Hamburg gegeben. Eine Schwimmanlage mit Olympiabecken war sogar direkt vor meiner Haustür geplant, keine 100 Meter Luftlinie von hier! Wo ich doch so gerne schwimme… Ich hätte jeden Morgen in Bademantel und Adiletten rüber schlurfen können. Mein zweites Wohnzimmer wäre das geworden...

Und Curds. Sein Wohnzimmer wäre es auch gewesen. Was aus ihm hätte werden können! Vielleicht hätte er sich dann nicht zum Couchpotatoe entwickelt, sondern zum Schwimmfloh, zum Goldfischlein. Und die Olympiade wäre auch für die deutschen Schwimmer ein Fest gewesen…

 München 1972

 London 2012

05.08.2012 um 18:15 Uhr

Statt Autan

von: Lapared

Ich habe das Gefühl, sie rüsten auf. Die Mücken, meine ich. Die Evolution hat ihre winzigen Körper mittlerweile mit lernfähigen Miniaturgehirnchen ausgestattet. Vor zwanzig Jahren setzten sie sich noch wunderbar sichtbar an weiße Tapeten. FFFLATSCH. Inzwischen stülpen sie kleine Tarnkappen über, sobald nachts das Licht angeht. Oder sie schwirren hinter den Schrank und warten ab, bis man nach erfolgloser Jagd wieder einschläft. Die Schweine.

Aber ein Buch kann helfen.

Von Esther Vilar gibt es einen ziemlich wunderbaren kleinen Roman, er heißt „Rositas Haut“. Ich schreibe ziemlich, weil Esther Vilar eine streitbare Autorin ist. In den 70ern hat sie die gesamte Frauenbewegung – allen voran Alice Schwarzer, mit der sie sich ein legendäres Fernsehduell lieferte -  in Schnappatmung versetzt, als sie in ihrem Weltbestseller „Der dressierte Mann“ behauptete, nicht die Frauen würden durch die Männer unterdrückt, sondern umgekehrt. Inzwischen nennt sie das selbst Polemik.

In „Rositas Haut“ kommt sie ohne aus. Es ist ein liebevoller, witziger, romantischer Roman (zumindest bezogen auf Insekten). Mit erstaunlichen Wendungen (nicht unbedingt für Zartbesaitete). Und sehr erotisch. Normalerweise sind mir erotische Bücher unangenehm (ich bin doch so verklemmt). Aber dieses Buch ist gleichzeitig heiß und völlig unpeinlich, versprochen. Und obwohl es bestimmt schon zwanzig Jahre her ist, dass ich es gelesen habe, musste ich in den vergangenen Wochen oft daran denken.

Es spielt an einem tropisch heißen Nachmittag, den ein Mann und eine Frau im Bett verbringen. Rrrrrrrrrrrrrr. Der Mann ist ein reicher Kühlschrankfabrikant und die Frau seine junge Angestellte und Geliebte Rosita, die es auf mehr anlegt (da bleibt Vilar Vilar). Die beiden werden beobachtet. Von einem Mosquito, der oben auf dem Ventilator sitzt, anfänglich. Sssssszzzzz.

Der Mosquito verliebt sich in Rosita. Von Begierde übermannt kann er nicht anders: Wollüstig erforscht er die Täler, Gebirge und Spalten ihres warmen duftenden Körpers. Nicht weniger lustvoll als ihr Kühlschrank-Macker versenkt er seinen Stachel in Rosita. Es kommt zu Unstimmigkeiten. Und so viel sei verraten: Der kleine Mosquito – das Buch ist 30 Jahre alt, er gehörte zu einer früheren Evolutionsstufe - überlebt den Nachmittag nicht. 

Das alles erzählt er uns höchstpersönlich. Nach seinem Tod. In einer Bar im sechzigsten Stock eines New Yorker Wolkenkratzers. Zur Strafe für die Entgleisungen in seinem Mosquitoleben wurde er nämlich als Mensch wiedergeboren. Nun sitzt er da, schlürft einen Drink, sinniert über Seelenwanderung und erzählt dem Typ neben ihm an der Bar die Geschichte von Rosita, dem Fabrikanten und den Umständen, die zu seinem Tode führten.

Ein tolles Buch, das ich hiermit sehr empfehle. Insbesondere all denjenigen, die wie ich der Liebling der Mücken sind. Es hilft nicht gegen die Stiche. Aber gegen die Aggressionen.