Anleitung zum Entlieben

12.08.2012 um 12:45 Uhr

Olympischer Eisprung

von: Lapared

Jetzt ist sie schon fast wieder vorbei. Die Olympiade. Heute geht sie zuende, und das stimmt mich tatsächlich ein bisschen wehmütig, ja, ja… Das Olympiafieber hatte mich diesmal nämlich voll erwischt.

Seit Mark Spitz, meiner ersten aktiven Olympia-Erinnerung (und - wie mir jetzt erst auffällt - möglicherweise auch meiner frühen erotischen Prägung… Deshalb bin ich so anfällig für Männer in Badehosen, wie treue Leser vielleicht noch wissen…) wo war ich?

Also, seit München ´72, als Mark Spitz, der Mann mit der Popelbremse, souverän sieben Goldmedaillen abräumte, war ich eigentlich immun gegen das olympische Theater. (Vielleicht erinnere ich mich auch gar nicht an die Münchner Olympiade, sondern nur an das berühmte Poster mit dem halbnackten braunen Mann mit den hübschen Goldkettchen?) Aber bei dieser Olympiade in London war ich wirklich ziemlich ernsthaft interessiert.

Für Curd und seine Kumpel, die gewöhnlich im Wohnzimmer auf der Couch abhängen, während ich selbst in der Küche emsig vorm Rechner brüte, ließ ich in den vergangenen zwei Wochen fast rund um die Uhr den Fernseher laufen. Für mich waren es also eher olympische Hörspiele. Aber die entscheidenden Momente habe auch ich mir angesehen. Man merkt ja an der Tonlage des Kommentators, wenn etwas Großes bevorsteht. Dann bin ich schnell rüber zum Gucken. Manchmal drangen auch verstümmelte Wortfetzen zu mir in die Küche, die Sensationen ahnen ließen („Kommen wir nun zum Eisprung der Männer…“). Männliche Eisprünge, da hielt auch mich nichts mehr auf dem Küchenstuhl.

Wehmütig bin ich aber noch aus einem anderen Grund. Sie müssen wissen… Das alles hätte ja auch hier stattfinden können, hier in Hamburg.

Vor neun Jahren hatte meine schöne Heimatstadt sich für die Olympiade 2012 beworben. Doch Deutschland schickte lieber Leipzig ins internationale Rennen. Auch eine hübsche Stadt, aber olympiatechnisch komplett chancenlos, das wusste jeder. Darum ging es auch gar nicht, es ging wie immer um Politik, genauer: um Schröders Popo. Der Kanzler musste die Ossis pushen, das hatte er versprochen, die sollten ihn doch wählen. Und das ist dabei rausgekommen: Die Ossis wählten trotzdem Merkel, die Briten hatten Olympia und Curd und ich… wir guckten (bzw. hörten) in die Röhre. Seufz.

Zig neue Sportstätten hätte es in Hamburg gegeben. Eine Schwimmanlage mit Olympiabecken war sogar direkt vor meiner Haustür geplant, keine 100 Meter Luftlinie von hier! Wo ich doch so gerne schwimme… Ich hätte jeden Morgen in Bademantel und Adiletten rüber schlurfen können. Mein zweites Wohnzimmer wäre das geworden...

Und Curds. Sein Wohnzimmer wäre es auch gewesen. Was aus ihm hätte werden können! Vielleicht hätte er sich dann nicht zum Couchpotatoe entwickelt, sondern zum Schwimmfloh, zum Goldfischlein. Und die Olympiade wäre auch für die deutschen Schwimmer ein Fest gewesen…

 München 1972

 London 2012