Anleitung zum Entlieben

09.09.2012 um 11:50 Uhr

Pflaumenkuchen

von: Lapared

Pflaumenkuchenzeit ist Fernsehserienzeit. Anwesende Cookie-Monster erahnen den Zusammenhang. Für alle anderen:

Pflaumenkuchen ist eins meiner k.o.-Lebensmittel. Ich brauche nur eine Gabel davon zu testen, schon blinken kleine Sahnehäubchen in meinen Augen und ich vergesse, wie ich heiße und dass ich mich schlank eigentlich lieber mag. (Das gilt nur für mich.) Die blanke Gier erfasst mich und ich muss eingestehen, dass ich diesem leichten Spätsommergebäck gegenüber machtlos bin. Ich kapituliere. („Noch mal dasselbe, bitte! Schnell!“) Bei Pflaumenkuchen habe ich einen Totalausfall. („Ja, natürlich mit Sahne! Viel!“)

Wenn ich dann wieder zu mir komme, und die leer geputzten Tellerchen um mich sehe, und die Flecken auf meinem Lätzchen, ist der Schreck natürlich groß. Mir wird klar, dass ich ein paar tausend Kalorien mehr an Bord habe, als ich zum Befeuern der Maschinen bei Leichtbetrieb eigentlich brauche. Und dass sie gerade dabei sind, sich in Fettzellen zu verwandelt, um auf meinem Po La-Ola-Wellen zu machen. Und da kommen die Fernsehserien ins Spiel.

In der Pflaumenkuchenzeit habe ich immer ein paar DVD-Boxen mit Fernsehserien im Haus. So bin ich gegen beschriebene Totalausfälle gerüstet, so kann ich sofort adäquat reagieren. Ich tupfe mir die Sahnereste vom Kinn, werfe eine DVD in den Player… und steige auf meinen Stepper. Wenn ich eine gute Serie habe, kann ich Stunden steppen, das macht mir gar nichts. Ich gucke eine Folge nach der anderen, solange bis auch das letzte Krümelchen Spätsommergebäck verbrannt ist und nicht mal von einem zweiten Leben als Gesäßfett träumen kann, ha!

Ehrlich gesagt, manchmal bin ich nicht mehr sicher, ob ich wirklich dem Pflaumenkuchen gegenüber machtlos bin, oder diesen Serien. Vielleicht ist die Verfettungsgefahr auch nur ein Vorwand, den ich als stets leistungsorientierte kleine Biene brauche, um am helllichten Tag stundenlang „Lost“ zu gucken. Oder „Breaking Bad“. Oder „Nurse Jackie“. Womit wir bei der alten Frage wären, was erst da war, Ei oder Henne…

Nurse Jackie ist wunderbar. Meine absolute Lieblingsserie zur Zeit. Und im Übrigen, für alle die sich vom Thema der letzten Woche angesprochen fühlten, auch eine herrlich unaufgeregt erzählte Geschichte einer Dreiecksbeziehungen. Mal in etwas anderer Besetzung. Nurse Jackie (gespielt von Edie Falco, bekannt als Carmella Soprano, der Frau von Mafiaboss Tony Soprano) ist diesmal eine Krankenschwester. Eine von denen, die nichts mehr umhaut und die heimlich den ganzen Laden schmeißen, der Fels in der Brandung, der gute Engel. Soweit alles gesehen. Interessant ist vor allem das Privatleben des Engels. Sie hat einen Mann, den sie sehr liebt, und zwei wunderbare kleine Töchter, die alles für sie sind. Und ein Verhältnis mit dem Krankenhausapotheker, der ihr immer Schmerzmittel beschafft. Die braucht sie, denn Jackie ist schmerzmittelabhängig. Da ich das früher auch war, identifiziere ich mich natürlich voll mit ihr und überlege schon, ob ich mir auch ihren ultrakessen Kurzhaarschnitt zulege. Oder immer mit so einem sexy Stethoskop rumrenne. Ich hätte für Schmerzmittel auch alles getan (ich würde es immer noch, wenn ich gerade Migräne habe). Leider wollten Apotheker von mir nie Sex, sondern Rezepte. Aber Nurse Jackie mag ihren Apotheker auch. Sie ist pragmatisch, durch und durch, sie entdeckt im Nützlichen das Angenehme…

Jedenfalls, eine tolle Serie, ganz wunderbar. In der Bücherei meines Vertrauens gibt es sie zwar nur auf Englisch, aber wenn ich die Untertitel für Hörgeschädigte dazu schalte, kriege selbst ich (My English is not so good) sehr Vieles mit. Als Kauf-CD und in Videotheken ist die erste Staffel auch schon auf Deutsch zu haben – nur falls ich jemanden auf den Geschmack gebracht habe.

Apropos, wenn ich so dran denke, ich könnte eigentlich mal flink zur Bahnhofsbäckerei pilgern, vielleicht gibt´s ja dieses Spätsommergebäck…