Anleitung zum Entlieben

28.10.2012 um 19:56 Uhr

Herbstfreuden

von: Lapared

 Wieder mal schaut man dem Blättchem beim Fallem zu…

 … Und staumt, wie hübsch gefärbt sie simd - semsationell.

 Aber im Wahrheit wollem wir im Herbst doch alle nur eims…

 Mit umserem dickem weichem Kuscheltier vorm Kamim abhämgen...

21.10.2012 um 21:22 Uhr

Curds Angst

von: Lapared

 Der goldeme Oktober wäre mir viel sympathischer...

 … wenn danach nicht der Wimter vor der Tür stämde.

 Ich fürchte mich doch so vor der Kälte.

 Wie germe würde ich mit dem Vögelchem daoben gen Südem ziehem…

 Ach, warum bim ich bloß keim Vögelchem?

 Noch zwei davom umd ich werde eims…

14.10.2012 um 23:20 Uhr

Damenbereich

von: Lapared

Und dann gibt es noch diese Situationen, in denen man nichts sagt. In denen man schön die Klappe hält. Und sich auch da hinterher fragt, ob das richtig war. Wann fragt man sich das eigentlich nicht...

Ich stand gerade im Adams- bzw. Evakostüm in der Damendusche meines Fitnessclubs. Mit nichts als einem lustigen weißen Schaummützchen auf dem Kopf und quietschorangen Badesandalen an den Füßen. Gegen den gemeinen Fußpilz. Da kam plötzlich eine dieser Entenmuttis in die Damendusche.

Sie kennen diese Formationen? Vorneweg die stolze Mama, hinter ihr in einer Reihe: die ganze Kinderschar sortiert nach Größe. Wie die Orgelpfeifen. Süß. Nur, dass in diesem Falle die größte Orgelpfeife der Entenmutti bereits locker bis zur Schulter reichte. Und ein Junge war. Aber ich will nicht dramatisieren. Zur Uni ging er wohl noch nicht.

So etwas passiert dort häufiger. Es ist einer dieser Fitnessclubs, in denen sehr behütende Muttis verkehren. (Beim Schwimmkurs stecken sie ihre Kinder in lange Neoprenanzüge.) Die anderen Frauen in der Dusche gucken sich dann verstohlen an, bedauern den armen Jungen, der sich natürlich schämt, aber niemand sagt etwas. Und ich als Laie frage mich natürlich: Wann ist ein Junge eigentlich alt genug, um bei den Herren zu duschen und sich umziehen?

Ich hätte ganz naiv gedacht, wenn er es kann. Der Junge gestern hätte es bestimmt gekonnt. Bei den Damen machte er es jedenfalls ganz prima und war auch als Erster damit fertig. Danach saß er bei seiner Mutter und seinen Schwestern in der Sammel-Damenumkleidekabine und daddelte verschämt auf seinem Handy rum. Weil er gar nicht wusste, wo er hingucken sollte bei all den dicken nackten Tanten überall, der arme Kerl. Oder weil er unbedingt das lustige Handy-Video auf Facebook posten musste, das er gerade gefilmt hatte. Aber den Duschknopf nicht alleine drücken können! Spacken!

Ob man doch was sagen sollte? Aber was könnte das schon bringen - außer ein lebenslanges Trauma für den Jungen…

In der Damendusche. (Nur eine Phantasie)

Ich: Entschuldigen Sie?! Ist Ihr Sohn nicht ein bisschen zu alt für die Damendusche?

Duck-Mum: Mein Sohn ist sieben.

Ich: Donnerwetter, was gute Ernähung ausmacht, er sieht aus wie vierzehn.

(In der Phantasie bin ich viel schlagfertiger.)

Duck-Mum: Er guckt Ihnen schon nichts weg.

Ich: Es ist mir trotzdem unangenehm, dass er hier ist. Und nebenbei bemerkt: Ihm auch, merken Sie das denn nicht?

Duck-Mum: Unangenehm? Sie haben wohl keine Kinder?

Ich: Nein. Aber wenn ich welche hätte, würde ich sie nicht zwingen, mich in die Damendusche zu begleiten. Jungen schon gar nicht.

Duck-Mum: Stellen Sie sich nicht so an! Sie gehen doch sicher auch in die Sauna?!

Ich: Ja, in die Damensauna. Und selbst wenn ich in die gemischte Sauna gehen würde, hieße das noch lange nicht, dass ich Männer in der Damendusche dulden müsste.

Duck-Mum: Mein Sohn ist kein Mann!

Ich: Eine Dame aber auch nicht!

Duck-Mum: Ein Sohn gehört zu seiner Mutter!

Ich: Dann gehen Sie mit ihm in die Herrendusche!

Duck-Mum: Blöde Kuh!

Ich: Dumme Nuss!

Duck-Mum: Pah!

Ich: Selber Pah!

Wie ich schon ahnte, es hätte zu nichts geführt. Ganz anders als mein verwegener Einsatz für Lanzelot II.

Einen Tag nach dem Besuch seines Herrchens hatte ich dann noch einen Brief im Kasten. Die wenigen herzlichen Zeilen zitiere ich hiermit gerne ungekürzt: Liebe Nachbarin, als Ihr Nachbarhund möchte ich Ihnen sagen, wie leid es mir tut, Sie gestört zu haben. Gar nicht. Lecken Sie mich am Arsch. Artus. Aber wenigstens wissen wir jetzt, wie Lanzelot II. wirklich heißt.

Ich wusste, es hätte wieder was mit Rittern zu tun, ich wusste es…

07.10.2012 um 20:20 Uhr

Immer wieder Sonntags

von: Lapared

Dingdong!

Diesmal klingelte es an meiner Tür.

Ich: Oh, Herr Nachbar!

(Und die Fahne ist auch wieder dabei.)

Nachbar: Haben Sie diesen Brief geschrieben?

(Klar, hab ich doch gesagt. Wenn der Hund noch mal stundenlang schreit, gibt´s Post.)

Ich: Lassen Sie mal sehen… (leise) Hallo liebes Herrchen, zunächst mal möchte ich dir danken, dass du…

Nachbar: Ist der Mist von Ihnen?

Ich: Ich wüsste nicht, warum ich Sie mit "Herrchen" anreden sollte. Wenn Sie mich fragen, würde ich sagen, der ist von Ihrem Hund?!

Nachbar: Schluss mit dem Quatsch.

Ich: Stimmt, Ihr Hund würde Sie wohl kaum „liebes Herrchen“ nennen - so oft, wie Sie ihn alleine lassen…

Nachbar: Das geht Sie gar nichts an!

Ich: Sehen Sie den Pfötchenabdruck unter dem Brief? Also ich finde, das sieht schwer nach Ihrem Hund aus… (Danke H.B.)

Nachbar: Wie ich meinen Hund behandle, ist meine Sache!

Ich: Sehen Sie das Positive: Er kann schreiben. Und Sie hatten sich schon Sorgen gemacht…

Nachbar: Hier!

(Er zerriss den Brief zwei Zentimeter vor meiner Nase und ließ die Schnipsel auf meine Füße rieseln.)

Nachbar: Und kommen Sie ja nicht auf die Idee, mich noch einmal zu belästigen!

(Dabei war der Brief viel netter als ursprünglich geplant, weder Kartoffel noch Dödel kam darin vor.) 

Nachbar: Mein Hund schreit nicht! Kapieren Sie das?! ER SCHREIT NICHT!

(Im Gegensatz zu seinem Herrchen gerade.)

Ich: Gut. Gut okay, abgemacht. Ihr Hund schreit nicht.

Nachbar: Na, also…

(Er blies den Rauch vom Revolverlauf und schlurfte ab.)

Ich: Und sollte er doch mal schreien, rufe ich die Feuerwehr! Schließlich ist der Hund sonst immer leise. Könnte ja sein, dass sein armes Herrchen hilflos in der Wohnung liegt. Übergewicht, Alkohol, da weiß man ja nie… Schönes Wochenende!

Schwupp, Tür zu.

Das war gestern. Seitdem traue ich mich nicht mehr aus der Wohnung. Ich schäme mich ein bisschen. Den letzten Satz hätte ich mir echt schenken sollen. Mein Fehler.