Anleitung zum Entlieben

07.10.2012 um 20:20 Uhr

Immer wieder Sonntags

von: Lapared

Dingdong!

Diesmal klingelte es an meiner Tür.

Ich: Oh, Herr Nachbar!

(Und die Fahne ist auch wieder dabei.)

Nachbar: Haben Sie diesen Brief geschrieben?

(Klar, hab ich doch gesagt. Wenn der Hund noch mal stundenlang schreit, gibt´s Post.)

Ich: Lassen Sie mal sehen… (leise) Hallo liebes Herrchen, zunächst mal möchte ich dir danken, dass du…

Nachbar: Ist der Mist von Ihnen?

Ich: Ich wüsste nicht, warum ich Sie mit "Herrchen" anreden sollte. Wenn Sie mich fragen, würde ich sagen, der ist von Ihrem Hund?!

Nachbar: Schluss mit dem Quatsch.

Ich: Stimmt, Ihr Hund würde Sie wohl kaum „liebes Herrchen“ nennen - so oft, wie Sie ihn alleine lassen…

Nachbar: Das geht Sie gar nichts an!

Ich: Sehen Sie den Pfötchenabdruck unter dem Brief? Also ich finde, das sieht schwer nach Ihrem Hund aus… (Danke H.B.)

Nachbar: Wie ich meinen Hund behandle, ist meine Sache!

Ich: Sehen Sie das Positive: Er kann schreiben. Und Sie hatten sich schon Sorgen gemacht…

Nachbar: Hier!

(Er zerriss den Brief zwei Zentimeter vor meiner Nase und ließ die Schnipsel auf meine Füße rieseln.)

Nachbar: Und kommen Sie ja nicht auf die Idee, mich noch einmal zu belästigen!

(Dabei war der Brief viel netter als ursprünglich geplant, weder Kartoffel noch Dödel kam darin vor.) 

Nachbar: Mein Hund schreit nicht! Kapieren Sie das?! ER SCHREIT NICHT!

(Im Gegensatz zu seinem Herrchen gerade.)

Ich: Gut. Gut okay, abgemacht. Ihr Hund schreit nicht.

Nachbar: Na, also…

(Er blies den Rauch vom Revolverlauf und schlurfte ab.)

Ich: Und sollte er doch mal schreien, rufe ich die Feuerwehr! Schließlich ist der Hund sonst immer leise. Könnte ja sein, dass sein armes Herrchen hilflos in der Wohnung liegt. Übergewicht, Alkohol, da weiß man ja nie… Schönes Wochenende!

Schwupp, Tür zu.

Das war gestern. Seitdem traue ich mich nicht mehr aus der Wohnung. Ich schäme mich ein bisschen. Den letzten Satz hätte ich mir echt schenken sollen. Mein Fehler.