Anleitung zum Entlieben

25.11.2012 um 19:55 Uhr

Abendbrot

von: Lapared

TuscheltuscheltuschelCURDtuscheltuscheltuscheltuschelCURDtuschelCURDtuschel…

GackergackergackerCURDgackerCURDgackergackerCURDgackergackergackergacker…

Wisst Ihr, worauf ich jetzt Appetit hätte, Mädels?! Hühmchensalat mit Tomate.

(Ich hasse es, wenn sie über mich redem, ich hasse es…)

18.11.2012 um 21:07 Uhr

Wiedersehen

von: Lapared

   Redem? Es gibt nichts zu redem!

   Mir ist völlig egal, warum du eimfach verschwumden bist.

   Ich hatte dich lämgst vergessem, ich weiß nicht mal mehr deim Namem.

   Sag du doch auch mal was, Tomatchem…

11.11.2012 um 17:30 Uhr

Ein falsches Wort

von: Lapared

Es gibt einfach Sätze, die man als Frau nicht hören will, wenn man sich soeben splitterfasernackt ausgestreckt hat.

„Hey, Sie sehen gut aus!“

Das ist keiner davon. Siezen geht völlig in Ordnung, wenn man sich im Grunde kaum kennt.

„Sie sind ein bisschen voller geworden, richtig?!“

Aber so eine Bemerkung geht gar nicht.

„Beine auseinander!“

Auch nicht von meiner Gynäkologin Dr. M. beim alljährlichen Vorsorgetermin.

Der ganze Tag war mir irgendwie verdorben. Sie sind ein bisschen voller geworden. Ein bisschen voller. Voller. Voller. Es ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Eigentlich wollte ich nach dem Termin bei Dr. M. noch ein bisschen durch die Stadt bummeln und shoppen. Aber wozu shoppen, wenn man voller geworden ist? Und Nesrin, dem Nachbarmädchen, hatte ich versprochen, sie nachmittags mit ins Schwimmbad zu nehmen. Aber wer zeigt sich schon gerne im Schwimmkostüm, wenn er voller geworden ist?! Voller änderte alles. Guten Tag, ich bin Lpunkt, Autorin und VOLLER. Das Wort ließ mir komplett die Luft aus den Reifen. Ich blieb zuhause auf der Couch und futterte Schokolade, Vollmilchschokolade. Wenn ich schon voller geworden war, sollte es wenigstens einen Grund haben.

Ich hab Nesrin draußen auf dem Spielplatz gesehen, wolltet ihr nicht schwimmen?

Als Half nachhause kam, wirkte er besorgt.

Hey, Lpunkt? Was ist los?

Mürrisch fing ich an zu erzählen, dass ich doch bei der Gynäkologin gewesen war. Sofort fiel er mit ins Wort…

Ich weiß, zur Krebsvorsorge…!? Und???

Einen Moment lang starrte ich ihn irritiert an. Und was?

Dann fiel der Groschen und gleichzeitig hob sich schlagartig meine Stimmung. Vor lauter „voller“ hatte ich das Wichtigste aus den Augen verloren. Alles in Ordnung, berichtete ich strahlend. Gesund gesund gesund, hurra! 

Auch Half atmete hörbar auf. Erleichtert stupste er mir in die Seite. 

He! Hast du schon wieder die ganze Schokolade weggefressen, Moppel? 

Moppel? MOPPEL??? Ich bin vielleicht ein bisschen VOLLER als früher. Aber noch lange kein  S C H E I S S   M O P P E L ! ! !

Also, ehrlich…

Wo ich so gute Laune hatte. Manche Menschen können einem den besten Tag versauen.

04.11.2012 um 21:30 Uhr

Diven

von: Lapared

Es gibt Menschen, die beanspruchen von anderen Menschen 100%ige Aufmerksamkeit. Ihre Gefühle sind stets ein bisschen größer als die der anderen. Was sie erleben, ist immer ein bisschen dramatischer als das, was anderen zustößt. Sie stehen nicht im Mittelpunkt, der Mittelpunkt gehört ihnen. Und niemand empfindet das als falsch oder ungerecht, sie sind einfach Diven. Sie schillern.

Meine Freundin Npunkt ist so jemand. Ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit ist unendlich, sie ist ein Fass ohne Boden. Ihre Aufmerksamkeitsspanne für die Geschichten anderer ist dafür deutlich begrenzter. Wenn jemand im Raum ist, der bei einer Himalaya Expedition in eine Gletscherspalte gefallen ist, aus der er sich nur durch die Selbstamputation seiner Ohren befreien konnte, zieht sie trotzdem nach zehn Minuten mühelos die Aufmerksamkeit wieder auf sich, indem sie erzählt, wie sie neulich in ihren Pumps umgeknickt ist. Verdient! Denn Npunkt ist unfassbar charmant und eloquent und witzig. Man muss sie einfach lieben. Ich jedenfalls tue es, meistens. Soll dieser langweilige Mann ohne Ohren doch eine Bouillon löffeln, im Dunkeln, wenn er Augen auf sich haben will. So.

Heute Morgen geriet ich dennoch mit Npunkt aneinander. Meine Bereitschaft, Aufmerksamkeit in das Fass zu pumpen, war beeinträchtigt durch das Bedürfnis, nach der „Mein Sohn ist endlich ausgezogen“-Party einer Ex-Kollegin, an deren Ende die Gastgeberin sich vom Balkon stürzen wollte, länger zu schlafen. „Npünktchen, ich penne noch…“, nuschelte ich ins Telefon. Was Npünktchen mit dem Appell quittierte: „Es ist aber wichtig!“ Was mich - in diesem unkontrollierten somnambulen Zustand - wiederum zu der Antwort hinriss: „Das ist es bei dir doch immer.“ Bums, schon hatten wir den Krach, bzw. „den Verrat unserer Freundschaft“, wie Npunkt es nannte. Sie kann einfach nicht klein.

Aber das Gute ist: Morgen ist es bestimmt schon wieder vergessen. Niemand ist weniger nachtragend als Npunkt. Bei so viel Drama ist kein Platz für ein langes Gedächtnis. Das hoffe ich zumindest, mir würde ihr schönes Schillern wirklich fehlen.