Anleitung zum Entlieben

01.01.2013 um 00:00 Uhr

Frohes neues Jahr!

von: Lapared

Wenn wir früher in den Weihnachtsferien manchmal in Österreich waren, hatten wir die Angewohnheit, bei nächtlichen Spaziergängen den dortigen Sternenhimmel genau im Auge zu behalten. Nicht nur wegen der kleinen und großen Bären, die sich dort angeblich besonders gut erkennbar zeigten, - obwohl ich persönlich sie nie ausmachen konnte, genauso wenig wie kleine und große Wagen -, sondern weil es in diesen klirrend kalten, besonders klaren Nächten der Legende nach auch Sternschnuppen zu sehen gab. Eine ganz feine Sache.

Wer eine Sternschnuppe sieht, hat beim Universum (bzw. beim lieben Gott oder bei sonst irgendeinem dafür Zuständigen) einen Wunsch frei. Das weiß jeder. Vor Österreich-Urlauben arbeitete ich deshalb stets eine Liste mit Wünschen aus, um im Falle des Falles vorbereitet zu sein. Nicht, dass es mir ging wie Tante Ulla, die mal eine Sternschnuppe gesehen und vor Schreck nicht gewusst hatte, was sie sich wünschen soll – WUSCH, und schon war die Schnuppe verglüht. Zu spät.

Zufällig fiel meinem Vater meine Sternschnuppen-Wunschliste in die Hände. Er hatte im Wesentlichen nichts daran auszusetzen. Ich war sieben und abgesehen davon, dass ich mir eine eigene Wohnung wünschte, selbstbestimmte Mahlzeiten und so Stiefel wie die von Suzi Quatro, war an der Liste nichts wirklich Bedenkliches. Einen Verbesserungsvorschlag brachte er trotzdem an: Wann immer sich die Gelegenheit böte, mir etwas zu wünschen, solle an erster Stelle immer Eines stehen, empfahl mein Vater. Etwas, das mir vielleicht im Moment gar nicht besonders wünschenswert, sondern selbstverständlich erscheinen würde. Das aber dennoch das Wertvollste der Welt sei. Gesundheit nämlich. Für mich und alle, die ich einigermaßen gerne hätte. Auch wenn sie mich manchmal zwängen, Wirsingsuppe mit Schwabbelfleisch zu essen.

Ich habe mir natürlich trotzdem die Stiefel gewünscht, als ich kurz darauf in den Tiroler Bergen tatsächlich meine erste Sternschnuppe sah. Allerdings habe ich einen Moment gezögert, weshalb es mir erging wie Tante Ulla. Mein Wunsch kam zu spät und wurde von den Zuständigen disqualifiert. (Zum Glück! In Suzi Quatro-Stiefeln hätte ich an einer katholischen Grundschule im Paderborn des 20sten Jahrhunderts keinen leichten Stand gehabt…)

Aber der Mensch lernt ja ruckzuck dazu. Kaum vierzig Jahre später verstehe ich nur zu gut, was Papa damals meinte. Und weil heute wieder so eine Nacht ist, in der wir in den Himmel gucken und - übertönt von vollidiotischen Böllern - Wünsche flüstern, weil ich außerdem weiß, dass Einzelne von Euch zur Zeit genau an dieser Front schwer zu kämpfen haben, hier meine Wünsche zum neuen Jahr. Von ganzem Herzen…

1. Gesundheit

2. Gesundheit

3. Stiefel (oder was sonst Euch Freude macht)

Prost Neujahr! Eierlikör für alle! Auf 2013!