Anleitung zum Entlieben

24.02.2013 um 15:07 Uhr

Karnevalsfolgen

von: Lapared

Wer hat denn gesagt, ich soll als Tomate gehem? WER? Tomatchem, das ist alles Deime Schuld!

Mam kann sie förmlich wachsem sehem. Größer umd größer. Ich bim für immer emtstellt…

Neim, Tomatchem, du kannst nicht verstehem, wie ich mich fühle. Du warst NIE eim Schönheit.

17.02.2013 um 18:40 Uhr

Reif für den Porsche

von: Lapared

Kennen Sie diese Typen, die 100 Meter vor der Ampel noch links an einem vorbeiziehen, in ihren schnellen, teuren Flitzern? Und wenn man dann neben ihnen an der Ampel steht, sieht man, dass sie in diesem gewissen Alter sind, in dem ihr Fahrzeug vielleicht das letzte Spritzige an ihnen ist. Ja, diese midlife-krisigen grau-melierten Porsche-Schnullis kennt wohl jeder. Ich bin einer davon.

Natürlich ohne Porsche. Und ohne Grau, ich töne. Aber ansonsten bin ich genau wie die. Ausglöst wurde das alles durch diesen Rollsplit überall auf den Straßen. Das dritte Mal in einer Woche hatte Rolli davon einen Platten. Rolli ist mein altes Hollandrad. Es wiegt circa 50 kg (unbeladen) und fährt nur im dritten Gang. Ich verdanke ihm meine prächtigen Arnold-Schwarzenegger-Gedächtnis-Oberschenkel. Gemeinsam erreichen wir Geschwindigkeiten bis in den oberen Schritt-Tempo-Bereich, Rolli und meine Muckis. Doch nun war Rolli wie gesagt zum dritten Mal in enger Folge platt. Und um meinen Termin noch zu schaffen, entschloss ich mich, mein kleines rotes Sportrad abzuhängen, das bisher nur als Designobjekt meine Wohnzimmer-Wand schmückte. Weil es eigentlich zu schön ist, um es zu fahren, zu unpraktisch beim Einkaufen ohne Gepäckträger, und noch mehr aus Angst, dass man es mir unterm Hintern weg klauen würde. Ich hatte ja keine Ahnung.

Dieses Rad fährt quasi von selbst. Man muss die Pedale nur leicht antippen, schon geht es ab wie ein geölter Blitz. In Lichtgeschwindigkeit quasi sauste ich quer durch die Stadt und kam viel zu früh zu meinem Termin. Noch nie im Leben bin ich zu irgendwas zu früh gekommen! Und die ganze Zeit dachte ich nur: Tschüss, Rolli, das war´s. Ich werde nie wieder ein anderes Rad fahren. Nie wieder! Flick dich selbst!

An einer Steigung konnte ich nicht widerstehen. Vor mir fuhr ein junger Primitiver auf seinem ALDI-Mountain-Bike. Obwohl am Ende des Berges die Ampel auf Rot sprang, trat ich in die Pedale meines holländisch-japanischen Edel-Flitzers und zog schnittig an ihm vorbei. Huuuiii! Nur um dann an der roten Ampel zu stehen und ihn hinter mir Heranschnaufen zu hören. Den Jungspund auf seiner Alugurke.

Hoffentlich sagt er nichts, dachte ich, und starrte zur Ampel. Werd´grün! Werd´grün! Inzwischen schämte ich mich ein bisschen ob meiner primitiven Überlegenheitsdemonstration. Er sagte nichts, zunächst. Er hatte ja keine Luft. (Ich kenne das, so ging es mir mit Rolli auch immer am Berg). Aber dann stieß er voll ehrlicher Anerkennung aus: „Boah ey, Alter… geiles Rad!“ Was für ein schöner Tag. Plötzlich konnte ich diese Porscheschnullis bestens verstehen. Man weiß zwar, es ist nur die Technik, jeder kann mit einem Porsche schnell sein. Aber es fühlt sich trotzdem an, als wäre man es selbst: besser, stärker, kraftvoller - mit einem Wort: JUNG. Ein unwiderstehliches Gefühl, ab einem bestimmten Alter.

Oder hatte er „Boah ey, Alte“ gesagt?

Ja, sicher, er hatte „Alte“ gesagt!

ALTE!

Ich geht mal runter in den Keller, Rolli flicken.

10.02.2013 um 16:47 Uhr

Karneval in Hamburg

von: Lapared

Als was gehe ich? Überlegem Sie mal… Na? Na? Gut, ich gebe Ihnem noch eim klitzekleine Tipp...

So, jetzt ist aber eimfach. Als was ist der bezaubermde kleime Curd verkleidet? Kommen Sie?!

Niemamd erkennt meim Kostüm… Mist… ...  Bestem Dank, Tomatchem, das war eim Scheißidee!

03.02.2013 um 21:27 Uhr

Alte Geschichten

von: Lapared

Als mein Opa aus der Gefangenschaft wieder nachhause kam, passte es zwischen ihm und meiner Oma einfach nicht mehr. Bei ihrer Hochzeit war er ein stolzer, stattlicher Mann gewesen und sie ein junges, naives Mädchen. Dann kam der Krieg. Danach war Opa ein seelischer Krüppel, traumatisiert und verbittert, und meine Großmutter eine Leid erprobte, aber auch starke, selbstständige Frau. Die Ehe funktionierte nicht mehr.

So ging es wohl nicht nur ihnen damals. Die Selbstständigkeit der Frauen empfanden viele Heimkehrer, nach verlorenem Krieg und Gefangenschaft, als weitere Demütigung. Ihre Frauen kamen alleine zurecht. Das musste sich ändern!

Bei dem Versuch, seine Autorität im Hause wieder herzustellen, ging Opa nicht gerade subtil vor. Meine Mutter erzählt oft von dem Winterabend, als sie vom Schlittenfahren leicht verspätet nachhause kam und ein fremder Mann in der Küche saß, den sie Papa nennen sollte. Und der ihr gleich als Erstes eine Tracht Prügel verpasste. Für die Verspätung und alles, was sie sonst noch so angestellt hatte in den Jahren, als er dem Vaterland gedient hatte. Danke, Papa.

Ein würdiger Auftakt für das schöne neue Familienleben. Nach außen gab man sich glücklich, das musste man ja sein, andere Männer waren schließlich gefallen. Innendrin tobte es. „Mama, wann geht der Mann denn endlich wieder?“ - wenn überhaupt, sprachen die Kinder die Wahrheit aus. So ging es oft. Frauenzeitschriften wurden erfunden, um die Frauen wieder auf Spur zu bringen. Zurück an den Herd, meine Damen! (Aber bitte adrett frisiert und gekleidet!) Schließlich wollten die Männer ihre angestammten Plätze wieder einnehmen. Der Schuss ging dann aber nach hinten los, Druck erzeugt Gegendruck, die zweite Welle der Frauenbewegung formierte sich. Allerdings ohne meine Oma. Bei ihr hatte sich das Problem inzwischen anders gelöst.

Oma wurde ein bisschen, nun ja, sagen wir, sonderbar. Sie, die im Luftschutzkeller bei Fliegeralarm trotzig deutsches Liedgut angestimmt hatte, entwickelte in Friedenszeiten eine Angststörung. Sie litt unter Panikattacken und konnte nirgendwo mehr alleine hingehen, selbst zum Milchkaufen musste Opa sie begleiten. Manchmal erzeugt Druck eben auch Deformation. Aber zumindest war die alte Ordnung wieder hergestellt, er groß, sie klein. Die Ehe hielt. Nur Oma hatte eben einen leichten Knall.

In den letzten Tagen habe ich oft an meine Oma gedacht. Und an diese noch gar nicht so alte Geschichte. Ich glaube, wegen Herrn Brüderle und der Art, wie manche ihn als letztes Exemplar einer aussterbenden Art verniedlichen, als drolligen geilen alten Sack. Diesen Optimismus teile ich nicht, diese Spezies stirbt nicht aus. Nicht so schnell. Nach meiner Erfahrung in Werbeagenturen erfreut sie sich sogar blühender Gesundheit. Und auch wenn ich nicht bei Twitter bin, den #aufschrei finde ich super.

P.S. Eine Nachricht noch von Curd. Er hat Burmout, hat er mir erklärt. Ich darf ihn im Moment nicht fotografieren. Er sitzt auf der Couch und guckt Tatort...