Anleitung zum Entlieben

27.05.2013 um 00:40 Uhr

Ohne Alu dahinten

von: Lapared

Alle wussten es. So kommt es einem jedenfalls vor, sobald man sich damit beschäftigt. Ich bin der letzte Idiot, der sich ein bis zweimal täglich nach jedem Duschen Aluminium in die Achselhöhlen pumpt. Einen Stoff, der in der Lage zu sein scheint, eine normale Brustzelle in eine Turmorzelle zu verwandeln. Den Onkologen seit Jahren dringend im Verdacht haben, genau auf diesem Weg bei Frauen Brustkrebs zu erzeugen. Aber irgendwie war bis vor Kurzem nichts davon zu mir gedrungen. Nichts. Obwohl ich über Fernsehen und Internet verfüge und täglich Newsletter empfange - wie kann das sein?

Vielleicht (sehr wahrscheinlich), weil ich ein bisschen dösig bin. Vielleicht aber auch, weil es mitten im feinsten London ein imposantes, hoch in den Himmel ragendes Bürogebäude gibt, Sitz des „International Aluminium Institute“, von dem aus die Aluminium Industrie sehr erfolgreich Lobby-Arbeit leistet. Für all die vielen Unternehmen, die munter Aluminium machen und verwenden. Nicht nur in Kosmetika, sondern in unzähligen anderen Produkten. In Verpackungen, Lebensmitteln, Tabletten gegen Sodbrennen… Von wo aus Aluminium möglicherweise noch ganz andere Schäden beim Menschen verursacht, die die Industrie mit aller Macht verharmlost. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten z.B. findet sich meist ein deutlich erhöhter Aluminiumgehalt. Aber okay, Alzheimer vergessen wir erstmal, das Problem erledigt sich, mit dem falschen Lieblings-Deo werden wir nicht alt.

Mein Lieblings-Deo ist übrigens seit Jahren Dove und das zählt definitiv zu den Falschen. Bei einem Blick auf die „Ingredients“ las ich es ganz oben: Aluminium Chlorohydrate, sprich: viele böse Aluminiumsalze. Also schnappte ich mir sämtliche Dove-Fläschchen, die ich so hatte - im Bad, in der Handtasche, in der anderen Handtasche, in der Sporttasche, in der Woanders-Übernachtungstasche… – und schnurrte damit ab in den Drogeriemarkt. Denen würde ich jetzt aber was erzählen.

„Guten Tag, ich habe hier diese Deos gekauft,“ sagte ich ultrawichtig. „Sie enthalten Aluminiumsalze, wussten Sie das?“

„Sie enthalten WAS?“, war die Reaktion, die ich erwartete, auf die ich innerlich vorbereitet war und die ich zu parieren gedachte mit einem eindrucksvollen kleinen Vortrag über die immensen Gefahren der Aluminiumsalze… die aber ausblieb. „Ja, klar“, antwortet die Verkäuferin stattdessen routiniert. „Ohne Alu gibt´s dahinten!“

Ich konnte meine Enttäuschung kaum verbergen. Ich hatte gedacht, ich ließe eine Bombe platzen, aber ein simpler Furz hätte die Dame vermutlich mehr beeindruckt. Egal, ich musste es trotzdem loswerden. „Und und und… Wissen Sie denn auch, dass die Aluminiumsalze in diesen Deos sehr wahrscheinlich Brustkrebs erzeugen!?“ PENG! Gespannt wartete ich auf die angemessene Erschütterung im Gesicht der Verkäuferin. Sie zuckte nicht mal mit der Wimper.

Ich legte nach. „Im öffentlich rechtlichen Fernsehen, das zum Glück nicht von der Werbung der Aluminium verarbeitenden Industrie abhängig ist, habe ich heute morgen eine junge Frau gesehen, gerade mal 30, die hat durch diese verfluchten Deos eine Brust verloren!“ PENG PENG PENG.

„Ja, traurig“, sagte die Verkäuferin nun. Immerhin. Um dann aber gleich wieder geschäftlich zu werden. „Aber die Kollegin dahinten tauscht Ihnen die Ware wirklich sehr gerne um. Den Bon haben Sie doch noch?!“

Ich konnte es kaum fassen. Die zuständige Verkäuferin für die wahrscheinlich krebserzeugenden Deos wollte einfach verduften. Genau genommen kann sie ja auch am allerwenigsten dafür. „Hey, hallo!“, rief ich ihr trotzdem hinter her, wem sonst?! „Ich habe da noch eine Frage!“ Mit nie gesehener Dynamik verschwand die Dame um die nächste Kurve. „Wenn diese Deos möglicherweise Brustkrebs erzeugen, warum verkaufen Sie die dann überhaupt?“ Nichts. Stille.

Nur aus den unsichtbaren Lautsprechern rieselte leise Schlagermusik auf mich herab. Andrea Berg, die alte Stimmungskanone. Irgendwie packt sie einen ja dann doch immer. Summend tänzelte ich aus diesem PUFF von Drogeriemarkt… Du hast mich tausend mal belogen, du hast mich tausend mal verarscht… na nanana na na nana…

Alles Verbrecher.

 

Nachtrag:

Wer jetzt verunsichert ist - hier kann man sich genauer informieren:

http://www.kosmetik-check.de/themen2012_04.php

20.05.2013 um 12:55 Uhr

Die Wahrheit über Pfingsten

von: Lapared

Der heilige Geist wurde ausgegossen!

Das war die Antwort meiner Banknachbarin Barbara, als unsere Lehrerin Frau Schacht die große Preisfrage endlich an sie weiterreichte. Die Frage, was „wir“ am bevorstehenden Pfingstfest eigentlich feiern würden. Minutenlang hatte Barbara mit ihrem dicken Ärmchen gewedelt. Am Ende war sie sogar aufgestanden und hatte mit dem Finger geschnipst. Fast wäre die arme Barbara geplatzt.

Aber Frau Schacht hatte viel lieber mich gefragt. Ich war die einzige Protestantin in der Klasse (wir befinden uns in einer katholischen Grundschule des letzten Jahrhunderts), und ich hatte mich nicht gemeldet. Mit gesenktem Kopf sah ich meinem Federmäppchen nach, das die schnipsende Barbara mitsamt der Schulbank zentimeterweise weiter Richtung Tafel schubste. Tschüss Mäppchen. „Ich weiß nicht, was wir Pfingsten feiern“, gab ich schließlich kleinlaut zu. Womit ich der lieben Frau Schacht – zusätzlich zum Pfingstfest – auch noch einen inneren Frohen Leichnam bereitete. Wen oder was auch immer sie da feierte.

Der heilige Geist wurde ausgegossen! PENG!

Als Barbara es endlich, endlich rauslassen durfte, ging spürbar eine Druckwelle durchs Klassenzimmer. Ich weiß noch, dass ich unwillkürlich die Schnapsflaschen vor Augen hatte, die zuhause in Vatis selbst vertäfelten Partykeller standen, von Onkel Karl stets als „die Galerie der gute Geister“ bezeichnet. Und meine Mutter, die sie der Reihe nach in die Spüle kippte, was ich am Morgen nach einer Karnevalsparty tatsächlich mal beobachtet hatte. Am selben Morgen, als sie uns verboten hatte, jemals wieder Frau Göcke zu grüßen, die geschiedene Nachbarin, die auch auf der Party gewesen war. In einem Haremskostüm mit freiem Bauch. Und irgendwie, rein assoziativ, quoll bei mir die Idee, dass es sich beim heiligen Geist um einen Flaschengeist handelte, der an Pfingsten "ausgegossen" worden war. So ähnlich wie bei dieser Geschichte im Fernsehen. Von dem Astronauten, der auf einer einsamen Insel einen alten Flaschengeist befreit, eine bauchfreie Blondine - wie hieß der Film noch... 

Ich konnte mein Gedankenknäuel nicht mehr rechtzeitig entwirren, als mich Frau Schacht schon wieder aufrief. „Sehr richtig, Barbara, der heilige Geist wurde ausgegossen“, hörte ich sie sagen. „Vielleicht kann uns deine Banknachbarin ja wenigstens erklären, was mit dem heiligen Geist gemeint ist?!“ Sie lächelte mich mit zusammengekniffenen Lippen an.

Ich ließ es einfach raus, roh und ungefiltert. „Der heilige Geist ist ein Flaschengeist“, verkündete ich mit dem Mut der Verzweiflung. „Früher hat er in einer Schnapsflasche gehaust und an Pfingsten hat der liebe Gott den Korken rausgezogen.“ Ich spürte, dass ich mich auf dünnem Eis bewegte, aber ich machte einfach weiter. „Der heilige Geist ist blond und trägt ein Haremskostüm.“ Das Eis knackte hörbar. „Und er muss nur mit den Augen blinzeln, dann kann er unsere Wünsche erfüllen!“ Knack, knirsch. „Wenn wir zum Beispiel nach einem Weltraumflug mit unserer Kapsel ins Meer gefallen sind…“ Ich vernahm eine gewisse Unruhe in der Klasse, warum sorgte die blöde Lehrerin nicht für Stille? „Und wenn wir dann auf einer Insel angespült werden und ganz alleine sind…" Ich sprach einfach weiter. „Dann kann der Geist uns wieder nachhause bringen.“ Endlich fiel mir der Filmtitel wieder ein. „Der heilige Geist ist wie die bezaubernde Jeannie!“

Ich erinnere mich nicht mehr genau, wie Frau Schacht auf meine Ausführungen reagierte. Ich weiß nur noch, dass meine Mutter danach in die Schule kommen musste und dass ich eine Weile nicht fernsehen durfte. Aber aus heutiger Sicht würde ich sagen, nie wurde Pfingsten besser erklärt, oder?

Frohe Pfingsten. Hauptsache einen Tag frei.

19.05.2013 um 18:45 Uhr

Frohe Pfingsten!

von: Lapared

Sorry, heute wird es wohl ein bisschen später mit dem Eintrag. Aber morgen ist ja auch noch Sonntag… ;) Liebe Grüße, bis spätestens morgen!

12.05.2013 um 18:40 Uhr

Aufstehen

von: Lapared

 Was ich alles tun könnte, wenn ich aufstehem würde...

 Mal schöm am die Nordsee fahrem...

   Oder eimfach am der Alster sonnembadem…

 Die Attraktionem beim Hafemgeburtstag fotografierem.

 Hopp, hopp, alter Jumge, das kann nicht so schwer seim.

 Doch.

05.05.2013 um 22:00 Uhr

See you in Wacken

von: Lapared

Was Wacken für die Metal-Szene ist, ist Hamburg für die Protestanten. Schon zum vierten Mal beherbergte Hamburg diese Woche den evangelischen Kirchentag. 130.000 Besucher zog es diesmal her. Kein Wunder, wenn man Gottesdienste und Reeperbahnbummel verbinden kann. Meinen Segen haben sie…

Bessere Gäste als die Kirchentagsbesucher gibt es eigentlich nicht. Alle sind freundlich und benehmen sich. Niemand zerdeppert Bierflaschen, müllt rum oder kotzt in die Grünanlagen. Sie wollen eine bessere Welt, und so verhalten sie sich auch (öffentlich zumindest). Sie sind die Guten. Wenn es nur nicht so viele auf einmal wären! (Hundert! Dreißig! Tausend!)

Aber wahrscheinlich ist gerade das der Kick. Das sogenannte Gemeinschaftserlebnis. Beim sonntäglichen Kirchbesuch haben sie das ja nicht, ganz normal in die Kirche geht ja kein Schwein. Zu langweilig, tippe ich. Aber hier in Hamburg zusammen mit 130.000 anderen Kirchentagsgästen abends an der Binnenalster Der Mond ist aufgegangen singen… Alle mit einem Kerzchen in der Hand und einem feschen blauen Schal um den Hals, dem offiziellen Kirchentagsaccessoire… Das hat was! Gänsehaut-Alarm! Eine Mischung aus Open-Air-Konzert (Balladen-Time) und Stadionerlebnis. Karten fürs Champions League Finale bekommt man ja nicht. Ich versteh das schon, ich versteht das.

Aber muss es denn immer Hamburg sein? Letztes Wochenende der Marathon, dieses Wochenende (beginnend am Mittwoch!) Kirchentag, nächstes Wochenende (ab Donnerstag) Hafengeburtstag. Und jedes Mal werden die Straßen gesperrt. Der Verkehr kollabiert. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Ununterbrochen knattern die Hubschrauber in der Luft...

Mich persönlich stört das natürlich nicht. Wirklich nicht. Kein Stück. So ist es eben, wenn man in einer der schönsten Städte der Welt wohnt. Da muss man damit leben, dass andere sie zumindest besuchen wollen.

Und auch ich hatte Tränen in den Augen an jenem stimmungsvollen Abend an der Binnenalster. Als ich versuchte, mit dem Fahrrad durchzukommen. („Aus dem Weg, Ihr Singvögel!“) Ich finde nur, andere Gemeinden sollten auch mal so nette, ordentliche Gäste haben. Gerade kleine Orte, die sonst nicht so verwöhnt sind. Großveranstaltungskompetenz gibt es auch in der Provinz. „Deutscher Evangelischer Kirchentag in Wacken“ - ich finde, das klingt gut.