Anleitung zum Entlieben

04.08.2013 um 13:10 Uhr

Es war Axel

von: Lapared

Eine Freundin von mir schreibt auch Bücher, wesentlich fleißiger und erfolgreicher als ich. Und trotzdem hat auch sie noch immer kein dickes Fell, wenn jemand etwas Schlechtes über ihre Werke postet. Ich kann das gut verstehen. Auch für mich sind meine Bücher wie meine Babies. Wenn jemand sie nicht mag, lächle ich gelassen und überlege, wie ich ihn umlegen kann. Sie weiß das und deshalb ruft sie mich an, wenn so etwas passiert.

Ring, ring…

Trotz allem Verständnis bemühe ich mich natürlich, deeskalierend auf sie einzuwirken.

Ring, ring…

Wir leben in einer Demokratie, jeder darf seine Meinung sagen. Jeder Penner, das ist ja das Geile…

Ring, ring…

Beruhigend. Schlichtend.

Ich: Hallo?

Sie: Da hat jemand geschrieben, mein Buch wäre dumm.

Ich: Dumm?

Sie: Auf Amazon. Meine Sprache wäre schlicht, die Handlung hanebüchen und die Charaktere grob wie Kinderzeichnungen.

Ich: Ach Süße, du weißt doch… Auf der Bühne regnet es nicht nur Rosen sondern auch Tomaten, wer im Licht steht, ist auch eine Zielscheibe, das ist der Preis des Ruhms.

Sie: Ich weiß. Und die Schattenseite des Erfolgs. Können wir den Teil bitte überspringen?

Ich: Okay. Außerdem, überleg doch mal. Das sind doch ganz spezielle Charaktere. Ich habe noch nie einen zufriedenen, ausgeglichenen Menschen gesehen, der am Rechner anonym vernichtende Kritiken schreibt.

Sie: Können wir den "Arme Würstchen"-Teil auch überspringen, bitte? Und den „Besser er lässt es an dir aus als an seinen Hündchen“-Teil…

Ich: Gut dann… Und außerdem! Wer Aggressionen hat, sollte nicht ins Internet gehen, sondern in den Fitnesscenter! Oder schwimmen oder…

Sie: Den Sport-Teil auch…

Ich: Dann gleich zum „Wahrscheinlich war es sowieso Axel“-Teil?

(Axel ist ihr Ex-Mann.)

Sie: Bitte.

Ich: Und hast du irgendeinen Verdacht, wer es gewesen sein könnte?

Sie: Tja, ich möchte ja niemandem Unrecht tun. Aber ich schätze, es war Axel, der frustriert von einer Party kam, weil er wieder keine abschleppen konnte. Ich kenne sonst niemanden, der das Wort hanebüchen benutzt.

Ich: Hanebüchen ist wirklich ein typisches Axel-Wort.

Sie: Absolut typisch.

Ich: Es war Axel, ganz klar.

Sie: Ach, ja…

Ich: Ja, ja…

Sie: Du Lchen, denkst du manchmal auch, dass sie recht haben?

Ich: Wer?

Sie: All diese Leute, von denen wir uns einreden, dass sie Axel sind. Vielleicht stimmt es ja? Vielleicht sind unsere Bücher wirklich doof.

Ich: Vielleicht. Nicht unwahrscheinlich. Aber ist es nicht großartig, dass sie trotzdem gedruckt wurden? Überleg mal, wie viele Menschen ihre doofen Bücher Verlage anbieten und wir haben es geschafft!

Sie: Ja, super eigentlich…

Ich: Na, siehste…

Sie: Danke.

Ich: Gern.

Klick.

Und zum Glück gibt es ja auch ganz viele Menschen, die nette Kritiken und Kommentare posten. Die sich, obwohl auch sie sicher kein leichtes Leben haben, in ihrer knappen Zeit an den Rechner setzen und anonym, ohne irgendwas davon zu haben, freundliche Dinge schreiben. Manche sogar regelmäßig, immer wieder.

Denen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Ihr glaubt gar nicht, wie toll das ist. Danke.