Anleitung zum Entlieben

20.12.2009 um 00:01 Uhr

Adventsgespräche

von: Lapared

Computer-Abstürze sind total 90-er, unterbrach mich Stella. Stella ist vierzehn. Stella ist WEs Nichte. Und aus irgendeinem Grund war auch ich bei Stellas „Advents-Party ab 16 Uhr“ eingeladen. Vermutlich weil ihre Mutter gesagt hatte: Wenn dein Lieblingsonkel WE kommen soll, musst du seine Freundin wohl oder übel mit einladen. Da war Lieblingstante Lchen doch dabei! Auf einer Party, für die sich die Fahrt wirklich gelohnt hatte, feiern können sie ja, die Berliner. Man hörte die Kuchengabeln auf den Tellern quietschen. Es gab Stollen mit Stollen und dazu – richtig - Stollen. So trocken, dass man sich fragte, ob er wirklich erst im 14. Jahrhundert erfunden wurde (ja, spannend, aber dazu später), dieser musste älter sein, HARRR.

Aus reiner Barmherzigkeit entschloss ich mich, eine kleine Geschichte zum Besten zu geben. Gerade hatte ich tief Luft geholt für eine packende Schilderung meiner Erlebnisse vom letzten Wochenende - Sie erinnern sich, das letzte Plöm meines tapferen kleinen Rechners, die dramatische Rettung seiner Daten im Mac-Shop – da fährt Gastgeberin Stella, die eigentlich erleichtert hätte sein müssen, dass einer der Gäste ihrer sterbenslangweiligen Party noch atmete, mir in die Parade und sagt also ziemlich unfreundlich: Computer-Abstürze sind total 90-er, Lpunkt. Okay.

Die Zeiten sind vorbei, begriff ich flink unterm Dach wie stets. Geschichten von tragischen Datenverlusten funktionieren nicht mehr, Carrie Bradshaw war die letzte, die damit größere Damenrunden entertainen konnte, im vergangenen Jahrtausend. Lchen – auf einer hippen Hauptstadt-Party der Jetztzeit - würde damit bloß noch dastehen wie ein riesengroßer, alter Esel. Umgeben von jungen modernen Menschen mit neuen intelligenten Computern, die alle paar Minuten ein externes Backup von sich selbst erstellen, vollautomatisch. (Ja, ja, ja, so was gibt´s!!!) Also behielt ich mein altmodisches kleines Computerdrama fein für mich und mampfte weiter uralten staubtrockenen Stollen. Puff puff.

Und auch hier möchte ich lieber nicht mehr über den Vorfall reden. Nein! Jetzt will ich nicht mehr. Ich hatte kein Computerproblem, alle Daten sind da, ES GIBT KEINE GESCHICHTE. Ersatzweise erlaube ich mir heute, eine andere zu erzählen, keine von mir, sondern – aus saisonalem Anlass - die des Stollens. So schließt sich der Kreis nämlich, voila:

Der Christstollen

Die erste urkundliche Erwähnung des Christstollens erfolgte „anno 1329“ in Naumburg (Saale) als Weihnachtsgabe für den Bischof Heinrich. Damals waren Stollen sehr magere Backwerke aus Hefeteig für das christliche Adventsfasten. Die bis heute unveränderte Form stellt ein sog. "Gebildebrot“ dar, welches an das in Windeln liegende Jesuskind erinnern soll. Dies erklärt auch die weiße Zuckerschicht außen.

Soviel zur Geschichte des Stollens. Nicht annähernd so dramatisch wie die meines treuen kleinen Rechners, aber zeitlos langweilig und eine, mit der Sie kommende Woche an der Weihnachtstafel vielleicht sogar ein bisschen Eindruck schinden können (Tante Elsbeth, du hast da ein bisschen Windel am Kinn…). Frohes Fest.

Und alles, alles Liebe.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenFrederick schreibt am 20.12.2009 um 12:06 Uhr:Kopf hoch! Hier waren genug Leute, die mit dir gefiebert haben. Sag Stella mal lieber, dass ihre Umgangsformen nicht gerade super sind!
  2. zitierenBritt schreibt am 20.12.2009 um 13:25 Uhr:Meine Wenigkeit findet ja Rechner wesentlich interessanter als Christstollen, wobei es mich schon ein wenig stolz macht, dass der Stollen in meiner - man höre und staune - MEINER Geburtsstadt das Licht der Welt erblickte! Wusste ich tatsächlich noch nicht. Auch dass man früher die Babys offenbar rundum bis zur Fontanelle in Windeln geschlagen hat - wenn der Vergleich stimmig sein soll. Trotzalledem mag ich keinen Stollen, bei mir steht an Weihnachten Himbeer-Mascarpone-Torte auf dem Tisch, und das seit Jahr und Tag. So!
    Ich wünsche euch frohe Weihnachten, schöne Feiertage, ob mit oder ohne Stollen - Hauptsache mit Rechner.
    Und DANKE (du weißt wofür) Hab mich riesig gefreut!

    Ich hoffe mal, dass Stellas Familie - besonders die Stollenbäckerin - dein Blogg nicht liest. :-))
  3. zitierenZauberbonita schreibt am 21.12.2009 um 01:03 Uhr:Gebildebrot. Soso.

    Warum sind denn manche Rechner weiß? Sind die auch in Windeln gewickelt? Gibt es Computerkrippen?

    @Britt: Der Stollen war bestimmt nicht selbstgebacken, sondern gekauft. Mit Golddukaten. Vor 600 Jahren ;-)

    Übrigens sagte man mir neulich bei einer Stadtführung, sowas hätten schon die Pharaonen mit ins Grab bekommen, als Wegzehrung. Honig-Gewürz-Brot. War Stellas Familie neulich am Nil in Urlaub?
  4. zitierenPelegrina schreibt am 21.12.2009 um 10:50 Uhr:Okay, ich bin auch out. :-( Mein neuer Rechner stürzte auch am laufenden Band ab. Und sowas von ´ner 14jährigen. Skandal! :o)
  5. zitierenkassastra schreibt am 23.12.2009 um 13:11 Uhr:Pele, kauf dir mal nen Rechner! Oder noch besser, wünsch dir einen zu Weihnachten ;-)

    MEIN Rechner stürzt niemal nich ab!!!!
  6. zitierenPelegrina schreibt am 23.12.2009 um 14:00 Uhr:ICH habe mir ein MacBook Pro gewünscht. Anwort wurde pantomimisch dargestellt:

    *vogelzeig*

    Saftladen! Pföh!
  7. zitierenkassastra schreibt am 23.12.2009 um 15:36 Uhr:Bei diesem Teil hätte ich mit dir auch patomimisch gesprochen.
    Also sowas aber auch...
    Kein Wunder, dat dat Teil abstürzt. DAS ist doch kein Rechner!!!
  8. zitierenjedderuesch schreibt am 05.01.2010 um 20:12 Uhr:Wollt ihr wohl friedlich sein, Schätzeleins....Streitereien um Computer sind völlig letztes Jahrzehnt. Höm! ;-)

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