Anleitung zum Entlieben

23.11.2008 um 13:30 Uhr

Annäherung an Hannibal Lecter

von: Lapared

Als Kind bin ich in einer Paderborner Einkaufspassage von einem Pantomimen gebissen worden. So muss es gewesen sein. Warum sollte ich sonst so eine ausgeprägte Aversion gegen diese harmlose Kleinkunst haben? Ein frühkindliches Trauma durch einen Pantomimenbiss, das steckt dahinter, ganz klar.

Halbnackte turnende Männer, deren neben einer Tennissocke ruhendes Glied sich unter einer Strumpfhose mit Glitzerbordüren abmalt, mag ich übrigens genauso wenig. Entweder hat das Pantomimenbisstrauma ausgestrahlt und sich zu einer generellen Abneigung gegen Vertreter der Variete- und Circusbranche erweitert, oder - das erscheint mir als alter Freud-Kennerin natürlich plausibler - es handelt sich in diesem Falle um ganz normalen weiblichen Tennissockenneid. Penisneid! Pardon, Penisneid natürlich. Oder - ganz einfach - mich hat auch ein Akrobat gebissen. Was für eine Kindheit.

Wie auch immer, Pantomimen und Akrobaten mag ich nicht. Schon gar nicht bei Tisch. Mit Pantomimenbisstrauma und Penisneid im Nacken könnte ich nie in Ruhe mein Schnitzel genießen. Oder was auch immer. Insofern bin ich definitiv kein Mensch, dem man mit Karten für ein „Gourmet-Theater“ eine Freude machen könnte. Das sollte WE eigentlich wissen. Und doch komme ich gestern nachhause und überrasche ihn, wie er gerade versucht, telefonisch Karten für so einen Fress-Circus zu reservieren. Ein Abend voller kulinarischer Köstlichkeiten, Magie, Akrobatik und Comedy! Comedy! Ich vergaß: Ein Comedian hat mich auch noch gebissen. Ein Comedian, ein Magier, ein Akrobat und ein Pantomime sind in einer Paderborner Einkaufpassage gleichzeitig über mich hergefallen. The ultimative Art of Entertainment & Cuisine! Ich drückte gerade noch rechtzeitig die Telefongabel runter.

„WE!“ sage ich. „Schatz! Jetzt ist aber Schluss!“

Ich meine, wir alle wissen doch, was dahinter steckt. Am mittlerweile neunten (!) Tag seiner Diät trieb WEs Fressfixierung skurile, halluzinative, bekloppte Blüten. Kein Mensch, der noch länger zu meinem Bekanntenkreis zählen möchte, käme auf die Idee, mir mit Karten für ein Gourmet-Theater zu kommen.
„Ich wollte dir ein Lächeln schenken!“ sagte WE scheinheilig und verwies auf die Zeitungs-Anzeige, in der der teure Spaß beworben wurde. Jetzt Karten für Weihnachten reservieren - Verschenken Sie ein Lächeln! Tatsächlich.

Ich schenkte WE ein Lächeln. „Schatz“, sagte ich, „Ende der Diät! Die macht dich ja ganz doof im Kopf. Ich mache uns jetzt ein paar feine Schnittchen und dann legen wir uns auf die Couch und gucken mal wieder Das Schweigen der Lämmer – besseres Gourmet-Theater gibt´s nicht!“

Ich lächelte, wie gesagt. Aber ein bisschen graute mir in diesem Moment auch vor WE. Wie weit, fragte ich mich plötzlich, wie weit, psychopathologisch gesehen…  Wie weit ist es wohl vom Schenken von Karten für ein Gourmet-Theater bis zu Hannibal Lecter?

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenayla08 schreibt am 23.11.2008 um 14:22 Uhr:ich kann deine abneigung gegen diese art von kunst wiorklich gut nachvollziehen...mir machen sie heute noch angst
  2. zitierenPüppi schreibt am 23.11.2008 um 16:20 Uhr:Hallo Lpunkt,
    dein Buch ist wirklich klasse! Deinen Blog hab ich erst dadurch entdeckt und verfolge ihn jetzt weiter. Eine kleine Frage hätte ich aber noch:
    Wo hast du denn Curd II her?(Der Curd aus dem Buch ist doch Curd II, oder?)
    Kann man ihn irgendwo kaufen?
    Über eine Antwort von dir zu diesem Kommentar würde ich mich wirklich riesig freuen.
    Viele Grüße,
    Püppi
  3. zitierenLapared schreibt am 23.11.2008 um 19:39 Uhr:Hallo Püppi,
    schön, dass Dir das Buch gefallen hat :) Curd II gibt es leider noch nicht zu kaufen. Aber wir arbeiten dran... Wenn´s klappt, wird das hier im Blog die Meldung des Jahres ;)))
    Viele Grüße,
    Lpunkt & Curd
  4. zitierenAnette schreibt am 24.11.2008 um 17:36 Uhr:Ich dachte schon, ich wäre die einzige.. Ich hasse Clowns und Pantomimen! EINFACH GRAUENHAFT!!!! Aber auf unserem Dorf gabs überhaupt keine Fußgängerzone - die Abneigung muss also anderer Natur sein. Vielleicht guter Geschmack? :-)
  5. zitierenKatja schreibt am 27.11.2008 um 19:38 Uhr:ich will auch Curd Rock!!!!!!!!!!!
  6. zitierenBianca schreibt am 27.11.2008 um 22:01 Uhr:Tennissockenneid...ja, das muss es sein!!
    apropos Söckchem 8)
    Ich hätte hier ein paar kleine selbstgestrickte für Curd, damit er keine kaltem Füßchem im Winter bekommt...
    Ich würde Sie ihm ja gerne zusenden - vielleicht auch als Weihnachtsgeschenk? Ob das geht??
  7. zitierenSINATRA schreibt am 28.11.2008 um 22:47 Uhr:HI; DO YOU HAVE CURD BOOK IN ENGLISH
  8. zitierenLapared schreibt am 30.11.2008 um 11:31 Uhr:Hi SINATRA, are you that FRANKIE?????? This is CURD writimg, I am so sorry, but I am not available im Emglish yet im the moment - call the Ullstein-Verlag, please, amd ask them to tramslate me. Quickly! Avamti! Yours simcerely CURDIE
  9. zitierenLapared schreibt am 30.11.2008 um 11:41 Uhr:@Biamca: Liebe Biamca, Du bist sehr nett. Damke, dass Du mir Söckchem gesrickt hast. Ich hätte sie sehr germ. Das ist meime Adresse:
    Curd Rock
    Weiße Couch
    Hamburg
    Ich hab noch nie Post bekommem, vielleicht musst du sie am Verlag schickem oder am Lpumkts geheime Geheimadresse, ich frage sie mal...
    Deim Curd
  10. zitierenpartikelfg schreibt am 01.12.2008 um 13:38 Uhr:"Halbnackte turnende Männer, deren neben einer Tennissocke ruhendes Glied sich unter einer Strumpfhose mit Glitzerbordüren abmalt..." Unschlagbar!
  11. zitierenBiamca schreibt am 02.12.2008 um 21:22 Uhr:Hallo Curd,
    ich freue mich wie blöd, dass du mir höchstpersömlich geantwortet hast -> :-D
    und das, wo du doch gefragt bist wie blöd im momemt!!!

    Muss mal gucken, ob ich das hinkriege. Verlag wär ja ne Idee. Hab noch nie eine Fampost geschrieben...8}
    Ich befürchte - ohne Dich verletzen zu wollen - die plöde Post kennnt deine Weiße-Couch-Adresse noch nicht...ich schreibe NOCH NICHT! ;)

    Mein Freund meinte grad, vielleicht per Flaschenpost?

    Biamca 8))

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