Anleitung zum Entlieben

16.04.2007 um 16:50 Uhr

Ansprache

von: Lapared

(Vor circa 10 Tagen am Strand von Sylt)

„Weißt Du“, murmel ich auf dem Bauch liegend ins Badetuch, „im Grunde bin ich wohl ziemlich männlich.“ Meine Schwester hmmt verstehend (ich dachte, ich hätte erwähnt, dass sie Ostern kommt…) und lässt den Gummibund von meinem Bikini-Oberteil zurück auf meinen Rücken flutschen. Sie ist der einzige Mensch, der mir den Rücken auch unter dem Bikini eincremt, falls er mal verrutscht. DAS nenne ich Liebe.

„Frauen...“, führe ich weiter aus, „Frauen sind bekanntlich multitasking, Männer können immer nur eins.“ Meine Schwester hmmt wieder, „Hmm, wenn man großes Glück hat...“ - „Weißt Du, ich lebe jetzt endlich meine männlichen Anteile aus, ich hab mich immer gefragt, wo sie stecken, wir alle haben uns gefragt, wo sie stecken, weiß Du noch, als Kinder durften wir nur mit Fischertechnik spielen, trotzdem kann ich bis heute nicht mal ´nen Haartrockner bedienen…“ (Anm.: Zwei Tage zuvor hatten sich beim abendlichen Discostyling meine Haare im Fön verfangen, es kam zu einem Elektrizitätsausfall auf der halben Insel und ich trage seitdem einen Mireille Mathieu Pony.)

Meine Schwester schmiert sich den Rest Sonnencreme boshaft grinsend auf die Stirn. „Erstens…“

Oh, erstens ist nie gut, machen wir uns darauf gefasst, für den Rest des Eintrags komme ich nicht mehr zu Wort...

„Also erstens: Ich finde Dich durchaus weiblich und absolut multitasking, Du kannst zum Beispiel gleichzeitig in der Sonne liegen, Quatsch erzählen und die letzten Kekse fressen.“

OH! In der Tat hatte ich einen Wahnsinns-Appetit entwickelt an der See.

„Zweitens. Ich kenne diese Theorie. Wenn ich mich recht entsinne, bemüht sie die Steinzeit als Beleg, als Männer Jäger waren, die sich auf ein Ziel konzentrieren mussten und Frauen Sammler, die links und rechts zu schauen hatten, wenn sie mit mehr als einer Brombeere heim in die Höhle kommen wollten, und weißt Du was ich von dieser Theorie halte…?“

Ich ahne es.

„…Sie ist Schwachsinn. Der wahre Grund, warum Männer lieber nur eine einzige Sache machen, ist: weil das a. angenehmer und b. erfolgversprechender ist. Und weil sie es deshalb einfach TUN. Weil es ihnen scheißegal ist, ob irgendwer deshalb enttäuscht ist oder sauer wird. Also… Wenn Du unbedingt männlich sein willst, hör endlich, endlich auf Dich zu rechtfertigen. Männer rechtfertigen sich nicht…“

Mir fällt auf... vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, worum die ganze Diskussion überhaupt ging.

„…Wenn Du keine Lust auf Werbung hast, solange Du an dem Buch schreibst, dann lass es. LASS ES einfach...“

Es ist ja so, Agenturen verhalten sich gegenüber Freien Textern genauso wie Männer gegenüber Freien Frauen: Solange sie frei sind, wollen sie sie nicht, aber kaum sind sie besetzt, zack, können sie nicht ohne sie leben.

„... Und tu mir BITTE einen Gefallen: Solange ich hier bin, hast Du drei Job-Anfragen bekommen. Und jedes Mal hast Du am Telefon so getan, als würdest Du gleich ins Wasser gehen vor Kummer, dass Du den Job nicht annehmen kannst.“ – „Na ja, ich will doch nur… nicht, dass die denken…“ - “Sag Ihnen einfach, wie es ist: Sag, Du schreibst ein Buch, bis Ende September stehst Du nicht zur Verfügung, danach wahnsinnig gern, aber vorher brauchen sie nicht wieder anrufen…“ - „Und wenn sich dann vielleicht in zwei Monaten zeigt, dass das mit dem Buch nicht so klappt?“ Meine Schwester holt genervt die Notpackung Kekse aus der Tasche. „Ich hab die ersten 20 Seiten gelesen, WAS BITTE SOLL DENN NICHT KLAPPEN???“

Tja, und seit dieser kleinen, beherzten Ansprache meiner Schwester geht es mir ganz wunderbar.

Ich weiß, dass ich bis Ende September nichts anderes tun werde als schreiben, sonnen und meinen Vorschuss verbraten (und ein bisschen Käse aufschneiden ab und zu). Ich werde kein schlechtes Gewissen haben, tagsüber, wenn andere im Büro brüten, im Freibad zu dösen. Schließlich brüte ich nachts, wenn andere vorm Fernseher oder in ihren Furzmollen dämmern. Und davon abgesehen: Eigentlich räkel ich mich ja nur im Dienste der Kunst am Pool. Denn bei der voraussichtlich leicht autobiographischen Farbe meiner kommenden Werke, wäre es sehr zweckdienlich, wenn mir diesen Sommer mal was passiert, worüber es sich zu schreiben lohnt. Oder noch besser, wodurch ich damit aufhören kann, zumindest zum Teil. Denn gewisse Themen würde ich schrecklich, schrecklich gern zum Abschluss bringen - Entlieben, verheiratete Männer, blöde Pimmel etc. - um mich anderen zuzuwenden. Keksen meinetwegen, Figurproblemen, Menschen, die einem den Rücken sogar unter dem Bikini eincremen... Es gibt ja so viel.

Jedenfalls… freue ich mich auf den Sommer.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenBen schreibt am 16.04.2007 um 20:15 Uhr:Deine Schwester ist mir unheimlich symphatisch. Du solltest ruhig öfter auf sie hören.
    Das mit der Multitaskingfähigkeit der Frauen z.B. gehört nämlich wirklich ins Reich der Sagen und Legenden.
    Mach ein Ding nach dem anderen und das richtig dann kommt der Rest von ganz alleine.
  2. zitierenZooStation schreibt am 16.04.2007 um 22:18 Uhr:..ja, aber das Buch ist doch schon fertig..?!

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