Anleitung zum Entlieben

19.10.2006 um 20:47 Uhr

Auch das noch

von: Lapared

Aber das eigentlich Spannende ereignete sich nach der „Sitzung“. Ich bin kaum zur Tür raus, da laufe ich 119 in die Arme. (Treue Leser erinnern sich, der gute alte 119… Mr. Ex.) Gut schaut er aus.

„Was machst Du denn hier?“ – „Och.“ – „Ist doch gar nicht Dein Revier.“ – „Nö.“ – „Mal was anderes sehen als Kapuzenpullis, hm?“ Uli Wickert kommt zurück, hat wahrscheinlich den Dijon-Senf vergessen. Kapuzenpullis, Sacknasen... ist doch ganz egal, denke ich. „Mein neuer Irrendoc ist hier um´s Eck“, sage ich, „eine echte Granate.“ – „Du machst ´ne Therapie?“ – „Nein, oh Gott, nein! Eine Analyse.“ – „Ist das nicht dasselbe?“ Der war gut. „Eine Therapie ist eine Heilbehandlung, eine Analyse ist eine Lebensform.“ – „Ledig, verheiratet, beim Analytiker?“ – „Eine Therapie macht man, wenn man gesund werden will, eine Analyse, wenn man wissen will, warum man krank ist.“ – „Du bist doch nicht krank.“ – „Willst Du mich beleidigen?“ – „Komm schon, Laparedchen, was soll der Mist?“ – „Mist? Dir täte eine Therapie auch mal ganz gut.“ Er grinst. „Hört, hört.“ – „ICH bin unglücklich, weil ich mich in die Falschen verliebe. DU bist unglücklich, weil Du Dich in NIEMANDEN verliebst.“ Nicht mal in mich, Du kranke Sau, und hör auf zu grinsen. „Das erste nennt man Blödheit, das andere ausgeprägte Intelligenz, und ich bin ziemlich sicher, dass keins von beiden als Krankheit gilt.“ Ich antworte nicht, ich konzentriere mich voll und ganz darauf, ihm nicht vors Schienbein zu treten. „Und außerdem, auch wenn es Dich enttäuschen mag… ich bin nicht unglücklich, Lpünktchen, es tut mir schrecklich leid, aber… ich leide nicht.“ Ha! DAS, mein Freund, das ist nämlich Dein Hauptproblem.

Die Welt ist voller Elend, denke ich... steige in die Bahn, winke 119, winke Uli... und gleite heim in mein Kapuzenrevier. Als ich die Wohnungstür aufschließe, starrt mich aus dem Schuhregal eine Maus an als wäre mein Erscheinen eine bodenlose Frechheit. Alles wiederholt sich, denke ich, alles vergeht, und schon wieder wird es Winter. So isses eben. Einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenNimien schreibt am 19.10.2006 um 21:04 Uhr:Selten hat jemand den Unterschied zwischen Psychotherapie und Psychoanalyse treffender auf den Punkt gebracht!
  2. zitierenElRayo schreibt am 19.10.2006 um 22:11 Uhr:FALSCH !
    "Eine geruuuuuuuuuuuuuuuhsammä Nachth!" Sic!
    Und Uli Wickert hat keine Säufernase!
    Tom Buhrow ist grauenhaft.
  3. zitierenKFM schreibt am 20.10.2006 um 01:47 Uhr:F i c k e n
    in seiner intellektuellen Form ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
  4. zitierenBloomsbury schreibt am 20.10.2006 um 13:41 Uhr:Bist du sicher, dass es eine Maus war? Es gibt unappetitliche Geschichten über RATTEN in Stadtwohnungen. Ich erzähl sie mal bei Gelegenheit.
  5. zitierenDonnaLuettchen schreibt am 06.06.2008 um 23:54 Uhr:Das ist ja wohl die Höhe! Das ist dermaßen ungerecht! Dieser Schuft! Er leidet also nicht?! SCHEISSE!

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