Anleitung zum Entlieben

23.04.2007 um 19:50 Uhr

Aus der Traum

von: Lapared

Es heißt, dass jeder Traum, der in Erfüllung geht, einen neuen zum Leben erweckt. Und ich kann nur sagen: Es stimmt, es stimmt sogar buchstäblich. In meinem Falle ist es ja der Traum vom weckerfreien Leben, der sich gerade erfüllt. Kein Job, keine Termine, ich kann aufstehen, wann ich will. Aber wie es so ist... Träume sind im Traum meist angenehmer als in Wirklichkeit. Was auch daran liegen mag, dass in meinem geträumten weckerfreien Leben nie ein Handy statt eines Weckers bimmelte und mich mit weit aufgerissenen Augen in die Senkrechte schnellen ließ. Anders heute Morgen, in meiner weckerfreien Realität...

Also, es bimmelt. Schrill.

„T-Dingsbums, Kundenservice. Frau Lpunkt?“

Keine Ahnung, aber wenn Sie´s sagen... „Ja?!“

„Frau, Lpunkt, wir würden gerne mit Ihnen über Ihren Telefontarif reden.“

Bin ich FBI-Agentin? Ist das der Code für Der amerikanische Präsident wurde entführt? Es ist MITTEN IN DER NACHT!!! „Ähhhhhhh...“ Geschickt schinde ich Zeit.

„Wir möchten Ihnen gerne einen Tarifwechsel vorschlagen, mit dem Sie möglicherweise bis zu 20 % sparen!“

In mir rührt sich was, die Abführmittel? Nein, Widerstand. Ich räuspere mich und zupfe mein Nachthemd für eine kleine Grundsatzrede glatt.

„Sagen Sie mal, dürfen Sie das? Ist es in dieser Welt erlaubt, jeden Menschen zu jeder Uhrzeit einfach zu stören, nur weil man etwas verkaufen will? Zählen die Bedürfnisse Einzelner denn gar nicht mehr, muss alles, ALLES, der großen Sache untergeordnet werden, dem Konsum?“

„Frau Lpunkt, es ist Viertel nach Neun. Und an Ihrem Telefonverhalten in der Vergangenheit konnten wir sehen, dass Sie um diese Uhrzeit normalerweise sehr kommunikativ sind.“

„In der Vergangenheit war ich Werber und immer kommunikativ. Jetzt bin ich Autorin und schlafe um diese Uhrzeit tief.“

„Entschuldigen Sie, Frau Lpunkt. Das ist neu, das wussten wir nicht.“

„Dann wissen Sie es jetzt. Und würde Sie nicht nur mein quantitatives sondern auch mein qualitatives Telefonverhalten interessieren, wüssten Sie außerdem, dass ich Verbindungspartner in den Morgenstunden überdurchschnittlich häufig mit ARSCHLOCH tituliere.“

„Verstehe, Frau Lpunkt. Warum stellen Sie das Handy dann nicht einfach aus?“

„Das kann ich Ihnen sagen! Weil ich es geschafft habe, mein Freund. Weil die Utopie Wirklichkeit geworden ist. Weil ich meinen Traum vom weckerfreien Leben lebe, jawohl LEBE! Weil ich am Morgen nach Unterzeichnung meines Buchvertrages den Wecker in einem Akt des Triumphs und der Freude an die Wand gefeuert hab, HA!"

"Gratuliere. Und???"

"Und weil ich seither die Weckfunktion meines Handys brauche, um wenigstens einigermaßen zeitig hoch zu kommen. Wenn ich das Handy ausschalte, das sollten Sie als Fachmann besser wissen, weckt es mich womöglich nicht!“

„Eigentlich schon. Aber wann wollten Sie denn geweckt werden, Frau Lpunkt?“

„Um Halbzehn.“

„In einer Viertelstunde, ich schlage vor, Frau Lpunkt, ich rufe Sie dann noch mal an?!“

„Nein! Ich will den Telefontarif nicht wechseln! Ich behalte den alten, welcher auch immer das ist!“

„Frau Lpunkt, aber vielleicht schaffen Sie sich wenigstens einen neuen Wecker an?!“

„Guter Tipp, vielen Dank für den Anruf, das mache ich.“

Also, AUS der Traum vom weckerfreien Leben. Und ein neuer ist prompt erwacht. Ich sinke zurück in die Kissen, stelle das Handy samt Weckfunktion aus... aber ich fege es nicht an die Wand.

Während mein geliebter Morgenschlaf zu mir zurückkehrt, sinne ich, wie lange der Traum vom handyfreien Leben in der Realität wohl traumhaft bleibt. Egal, für die nächsten zwei Stunden war er es... ssszzzzzzzzzzzzz...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenhell_sinki schreibt am 23.04.2007 um 19:54 Uhr:die weckfunktion des handys funktioniert eigentlich auch, wenn es ausgeschaltet ist...
  2. zitierennadine schreibt am 23.04.2007 um 21:13 Uhr:genau.....diese nervigen "haben sie ein paar minuten zeit, es dauert nicht lange!" vorbei ist es mit dem nachmittagsschläfchen....typen. gibs ihnen!!!
  3. zitierenJörn schreibt am 24.04.2007 um 09:29 Uhr:@ hell_sinki: Hm, also mein Handy weckt mich nicht, wenn es aus ist.
    @ Frau Lpunkt: Groooßartiger Eintrag, Sie haben mir dann doch gleich mal den Dienstagmorgen gerettet. Schönen Dank auch. ;)
  4. zitierenmillioemchen schreibt am 24.04.2007 um 14:11 Uhr:millioemchen haben schon einen trick solcherlei lästiges geschmeiß loszuwerden:
    trillerpfeife in reichweite legen und bei belästigung einmal lang und herzhaft damit in die sprechmuschel pusten ... wenn das noch eion paar milloemchen mehr tun, gibt es bald nur noch taube callcenter-agenten und
    -agentinnen und die privatsphäre ist wieder ein klein wenig gerettet ...
  5. zitierenmiki schreibt am 24.04.2007 um 16:04 Uhr:moinsen frau lpunkt,

    menschnskinder. scheiss die wand an, was für ein blogg.
    ich lese des öfteren darin und freu mich jedesmal ein teil aus deinem leben mitzubekommen ! ( fuck,... hört sich das erbärmlich an..... - als ob ich kein eigenes hätte, das mich recht intensiv auf trab hält ) ;-) nun gut. aber hier muss ich mal meinen senf dazu geben:

    also ich hätt mir ja wirklich mal angehört, was der nette junge t-punkt-jabo zu erzählen gehabt hätte. christliche zeit hin oder her !...
    da muss man sich auch mal nen ruck geben !

    denn ich seh das ja so, musst du wissen:

    wenn du als (ehemalige) werberin ein gewisses ziel hattest.... z.b. einen auftrag zu bekommen, musstest du auch gewisse dinge in der vergangenheit erfüllen. der job den du auf grund deiner guten arbeit und deines einsatzes bekommen hast, hat dich finanziell nicht am hungertuch nagen lassen und es wurde ne menge der kohle in käsekuchen investiert !
    du warst allerdings nicht nur selber für dein glück verantwortlich, sondern es gab da mit sicherheit auch den ein oder anderen weggefährten, der dir da so ein bißchen unter die arme gegriffen hat bzw. mal ein positives wort für dich rausgehauen hat !

    jetzt schau die die arme telekom-wurst doch mal an.

    meinste, der hat bock drauf dich anzurufen um die ne umstellung des vertrages anzubieten ?.... kann mir kaum vorstellen, dass der morgends aufsteht und sagt: ey,.... irgendwie hab ich grad total lust den leuten auf´n sack zu gehen... ?!.... ;-)
    neee, der muss das tun !- denn wenn er das nicht tut, ist er seinen job schneller los als alles andere. so wie ich den laden kenne, lebt der wahrscheinlich auch noch von der provision die er verdient.
    im privaten rahmen macht er wahrscheinlich nix anderes wie wir auch und brüllt ähnlich wie du "arschloch" - in den hörer. ( das arschloch bezieht sich auf den ins telefon gesprochenen fäkalausdruck und nicht auf deine person ) ;-).

    so.... und nun zu meiner beschwerde: ich finde, du hättest ruhig was netter zu ihm sein können. denn: eine hand wäscht die andere !! gerade inner dientsleistungsbranche !....
    so wie da irgendein kerl sitzt, der dir bei deinem nächsten telefonproblem enorm weiterhilft, so kannst du dir auch mal ruhig kurz anhören was der typ dir da anbieten will. und wer weiss: vielleicht ist es wirklich ne coole sache für dich, die er da im petto hat. naja.... wahrscheinlich werden wirs nie erfahren. höhö.

    jetzt wirste wahrscheinlich fragen, ob ich selbst bei der telekom bin und so monstermäßig-nervende anrufe tätige. NÖ.
    aber ich musste es auch schon das ein oder andere mal machen jedoch in anderem rahmen. ;-)

    nichts für ungut, nur ich denke, man sollte bei so was nicht an die telekom, sondern an den kleinen zitternden azubi denken, der da morgends sitzt und mit klapprigen zähnen deine nummer ins telefon kloppt.

    dicken gruß vom mike aus mönchengladbach der in HH innen mai feiern wird .

    ps: nix für ungut.... ach.... was sag ich da eigentlich ?!... - NIEDER MIT DEN TELEKOM-WÜRSTEN UND ÄHNLICHEM GESOCKS ;-)!!!

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