Anleitung zum Entlieben

03.02.2006 um 13:45 Uhr

Ausrufezeichen

von: Lapared

Das Schicksal meint es gut mit Dick. Mal vorausgesetzt, dass ich gut für ihn bin, was natürlich eine gewagte Annahme ist. Jedenfalls begünstigt es seine Wünsche – das ist ja auch schon was - und lässt gerade jetzt die größten Flops meiner Beziehungskarriere wie stumme Ausrufezeichen meinen Weg kreuzen.

Heute morgen: Erik. Ein ganz dickes Ausrufezeichen. Erik war Schauspieler, ist, und ich habe ihn in den fünf Minuten seines Ruhms kennengelernt, als Kleindarsteller in einer RTL-Vorabendserie, er bekam sogar Fanpost. Er spielte einen Psychopathen, das machte er toll und nur ich weiß, dass er sich dafür nicht sehr anstrengen musste. Einmal hat er auch in einem richtigen Hollywoodfilm gespielt, einen SS-Mann, sogar mit Text, der allerdings nur aus zwei Worten bestand: „Heil Hitler!“. Leider wurde er später rausgeschnitten.

Ich würde gerne sagen, dass ich es war, die die Sache schließlich beendet hat. Weil es so zäh war, sich mit ihm zu unterhalten, wenn ihm niemand seine Sätze schrieb. Weil es so anstrengend war, ihn auf den täglichen Berg- und Talfahrten seines Egos, die ihn oft innerhalb von Sekunden aus grenzenloser Selbstüberschätzung in tiefste Verunsicherung stürzten, zu begleiten und abwechselnd vor ihm niederzuknien oder ihn wie ein Kind auf den Arm zu nehmen. Und… weil er im Bad noch länger brauchte als ich. Aber die Wahrheit ist, dass er mich abservierte, als „eine andere Freundin“, wie er sich damals ausdrückte, im siebten Monat von ihm schwanger war. Ja, das waren tolle Zeiten. Und eben treffe ich ihn also im Tonstudio wieder.

Ich glaube nicht, dass Erik heute noch Fanpost bekommt. Er war für einen Kleine Wolke Funkspot da, Kleine Wolke, das sind diese WC-Garnituren, und er sprach einen Toilettendeckel, der sich über seinen neuen Bezug freut. Eigentlich ein sehr lustiger Spot, zumal der Klodeckel mit zugehaltener Nase sprach, eine hübsche Idee, schade, dass solche Spots nie gesendet werden, die produzieren Agenturen nämlich nur, um sie bei Wettbewerben einzusenden. Aber zurück zu Erik... Ich meine, wenn man es schon mal bis in den RTL-Vorabend geschafft hatte, ist ein Klodeckel-Spot kein allzu großer Schritt nach vorn. Aber er redete, als wäre er auf dem direkten Weg nach Hollywood. Und wie er da so vor mir stand und trotz Kleine Wolke gnadenlos auf dicke Hose machte, wurde mir plötzlich klar, was für ein Glück ich habe. Jemand wie ich, der in der Lage war, selbst so einen Idioten zu lieben, einen, der Sätze gerne mit „mein Freund Til“ oder „mein Kumpel Moritz“ beginnt, an wen hätte ich noch alles geraten können.

Bin ich aber nicht. Ich bin an Dick geraten. Dick, der dieses Wochenende zehn Stunden im Auto sitzt, um mich eine Nacht zu sehen. Mein Freund Curd würde sagen: Shcweim ghhabt!

P.S. Ich versuche doch nur, mich selbst in zärtliche Schwingungen zu reden. Obwohl ich nach einem Anpfiff von lovely Babsi („Du bist zu langsam!“) ziemlich unter Starkstrom stehe. Ich fürchte, Dick schwebt in höchster Gefahr. Ich fürchte, eine falsche Bewegung, und er wird nachher einen gewischt zu bekommen. Im wahren Leben trifft es immer die Guten...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlucha schreibt am 04.02.2006 um 17:32 Uhr:Es ist doch eine Gnade, wie sich manche Menschen so in ihrer Megalomanie einrichten können?!

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