Anleitung zum Entlieben

17.04.2009 um 17:02 Uhr

Außer der Reihe

von: Lapared

Als ich vor vier Wochen nach Paderborn gefahren bin, hatte ich nur eine große Umhängetasche dabei. Ich wollte ja nur eine Nacht bleiben, ein kurzer Krankenbesuch. Mein Vater hatte so eine schwere Bronchitis. Und die Schulter oder den Arm hatte er sich wohl irgendwie schlimm gezerrt, das auch noch. Nun bin ich wieder zurück in Hamburg und mein Vater ist nur noch ein Häuflein Asche auf einem Paderborner Waldfriedhof. Die Bronchitis war Lungenkrebs und die Schmerzen in Arm und Schulter kamen von dem Tumor. Ein Tumor, schon so groß, dass es keinerlei Hilfe mehr gab.

Es fällt mir ein bischen schwer, wieder Tritt zu fassen. Vor allem fällt es mir schwer, Tempo aufzunehmen. Ich bin an allen Fronten überfällig, ich müsste schnellstmöglich aufholen, was in den Wochen, in denen ich in Paderborn war, liegen geblieben ist. Aber ich habe noch nicht mal die Tasche mit den Sachen ausgepackt, die ich zwischendurch geholt hatte. Als klar wurde, dass dieser Besuch der letzte sein würde.

Auch den folgenden Aufruf wollte ich eigentlich schon länger einstellen. Er ist von der Filmautorin Liz Wieskerstrauch, mit der ich mich vor einigen Wochen getroffen habe. Sie macht gerade einen Dokumentarfilm zum Thema "Liebesleid", in dessen Rahmen sie auch mich, meine Geschichte, mein Buch vorstellen möchte. Und sie sucht noch weitere Teilnehmer, daher hier ihr Aufruf:

Als Filmautorin,  siehe <http://www.wieskerstrauch.com> , suche ich für einen Dokumentarfilm für den NDR zum Thema „Liebesleid“ Menschen  aller Altersgruppen, die offen von ihrem Leid aus Liebeskummer erzählen mögen.  Liebesleid kann nach einer Trennung erfolgen, aber auch durch unerwiderte,  einseitige Liebe, oder weil die Liebe nicht lebbar ist, zum Beispiel durch zu  weite Entfernung, durch gesellschaftliche Gräben oder weil einer der beiden  verheiratet und somit ein Weg zueinander auf Dauer doch nicht möglich ist.  Manchmal leiden auch beide darunter. Über Mails (<liz@wieskerstrauch.com>), gern auch mit Foto, und  Anrufe (040 - 51326503 + 0171 - 5475667) würde ich mich  freuen.

Ich mich übrigens auch, wenn dieser Aufruf Resonanz haben sollte.

Ich bin nämlich ein „Fan“ von Liz seit ihrer Dokumentation „Höllenleben", großartig. Wer aktuelle Filme von ihr sehen möchte, hier zwei Sendetermine:  Sterbehilfe - Der Streit um den selbstbestimmten Tod, EinsExtra 20.04. 03'05 / Zivilcourage - gaffen oder helfen?, ARD 13.05. 21'45 + SWR 17.06. 20'15

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenmasche schreibt am 17.04.2009 um 18:45 Uhr:Liebe Conny,

    ich kann Deinen Schmerz nur allzu gut nachvollziehen... Das fiese an Trauer ist, dass man sie nicht wirklich teilen kann.

    Nimm Dir Zeit für Deine Trauer, aber vergrabe Dich nicht zu sehr. Ich weiß, dass das im Moment für Dich wahrscheinlich schwer zu glauben ist, aber die Freude am Leben kommt wieder - VERSPROCHEN!

    Lieben Gruß von

    masche
  2. zitierenJungfrau schreibt am 17.04.2009 um 22:50 Uhr:Liebe Conny,

    1. lass dir Zeit, um wieder ins "normale" Tempo zu kommen.
    2. So ein überraschender, relativ schneller Tod ist schlimm für die Übrigbleibenden - aber schlimmer für den/die Betroffene/n ist ein jahrelanges Dahinsiechen...
    3. Nach meiner Erfahrung bleibt der Schmerz - zwar matter, aber leider ziemlich ungebremst.
    Mein Vater ist vor 25 Jahren gestorben.
    4. Die Freude am Leben kommt trotzdem wieder.

    Mal sehen, wie deine eigenen Erfahrungen sein werden.

    Ganz viel Kraft wünsch' ich dir.
  3. zitierenShopgirl schreibt am 18.04.2009 um 10:00 Uhr:Kopf hoch, liebes Lchen...
    Geliebte Menschen zu velieren ist bestimmt eine der größten Herausforderungen in unserem Leben...

    Schöner Aufruf zum Thema Liebesleid.
    Leider arbeitet mein "Liebesleidchen" bei diesem Sender...
    Das käm dann wohl doch ein bisschen schlecht..
    Aber vielleicht wird daraus auch einmal ein Blog...

    Viele liebe Grüße!
  4. zitierenteodoraa26 schreibt am 18.04.2009 um 14:01 Uhr:Ich denke, wann immer man ein Elternteil verliert, dann ist das eine besonders grausame Erfahrung für einen und das unabhängig vom Alter der Person, oder ihrem Gesundheitszustand. Meine Tante z.B. hatte viele Jahre mit dem Krebs gekämpft und als es dann zu Ende ging, hätte es für keinen überraschend sein sollen... aber trotzdem, sie lebte bereits soviele Jahre damit, also warum gerade dann? Ich musste bisher nur meinen geliebten Großvater beerdigen, der drei Jahre meines Lebens Mutter-Vater Ersatz war und ich erinnere mich, dass es lange dauerte, bis hundert kleine Dinge am Tage einen nicht mehr daran erinnerten, seine Lieblingsserie im Fernsehen, Eis, Milch... und Wiener Würstchen; aber so abgedroschen es auch klingen mag: Zeit hilft :-)

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